Fleischermeister Philipp Dasenbrock hat den Betrieb seines Vaters übernommen.

Fleischermeister Philipp Dasenbrock hat den Betrieb seines Vaters übernommen. (Foto: © Andreas Buck)

Nachfolge: Ein Ziel – verschiedene Wege

Fleischermeister Philipp Dasenbrock und Augenoptikermeister Sertac Özenir übernehmen beide einen Handwerksbetrieb. Der Weg in die Selbstständigkeit könnte aber kaum unterschiedlicher verlaufen.

Philipp Dasenbrock hat ein klares Ziel vor Augen – und das nicht erst seit gestern: "Für mich war von Anfang an klar, dass ich den Betrieb meines Vaters übernehmen werde. Sonst hätte das für mich keinen Reiz gehabt." Und dieses Ziel hat der frischgebackene Fleischermeister fast erreicht. Schon heute zieht er gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Uwe die meisten Fäden in der Fleischerei Dasenbrock GmbH.

"Für mich ist das ein Glück, dass ich keinen Nachfolger suchen muss", sagt Vater Horst: "Wer kauft sich schon so viel Arbeit für so viel Geld ein? Dafür findet man niemanden." In dem Bochumer Betrieb arbeiten 30 Mitarbeiter, es gibt neben der Produktion zwei feste Verkaufsstellen und außerdem sind acht Verkaufswagen unterwegs.

Bereits während der Ausbildung Vorbereitung aud Betriebsübernahme

Für Philipp Dasenbrock ist es ein Glück, dass für seine Selbstständigkeit alles schon wie auf einem Präsentierteller vorbereitet ist. "Ich bekomme alles in einem Paket, das Know-how ist schon da, das Personal, die Maschinen, der Kundenstamm, und mein Vater steht mit seinem Wissen hinter mir – das ist unbezahlbar." Schon während seiner Ausbildung wurde der jetzt 26-jährige Fleischer auf seine späteren Aufgaben vorbereitet: "Ich habe damals schon mehr Verantwortung übernommen als andere Azubis in meinem Gewerk." Sein Vater wollte ihm so viel Arbeit geben wie möglich. Schließlich sollte er den Beruf von der Pike auf lernen.

Andere Wegen gehen als der Vater

Nach seiner Ausbildung arbeitete er zunächst drei Jahre als Geselle. Erst dann begann er mit der Meisterschule. "Die Meisterschule allein macht noch keinen Meister. Dazu braucht man auch die Praxis", betont er. Die Weiterbildung schloss er als Bestmeister ab. Auch sein Bruder Uwe erhielt in diesem Jahr seinen Meisterbrief. "Es ist ein großer Vorteil, dass wir jetzt zu zweit sind. So können wir uns die Aufgaben teilen", erklärt Philipp Dasenbrock. Einer kümmert sich vor allem um den Einkauf, der andere widmet sich dem Verkauf.

Und da gehen sie auch schon mal andere Wege als der Vater. "Wir haben unsere Werbung verändert. Früher haben wir über den Preis geworben. Jetzt werben wir mit der Qualität unserer Produkte." Der Preis der Selbstständigkeit: 80-Stunden-Wochen sind für ihn die Regel. Trotzdem ist er sich sicher, dass das ein vergleichsweise geringer Kurs ist: "Ich habe es in unserem Familienbetrieb wesentlich einfacher als andere, die einen fremden Betrieb übernehmen."

Nachfolge kann auch sehr schwierig sein

Ein Beispiel dafür, dass eine Nachfolge auch eine schwierigere Geschichte sein kann, ist Sertac Özenir. Er hatte bei der Übernahme eines Betriebes in Düsseldorf mit mehr Widrigkeiten zu kämpfen. Aber der Reihe nach: Der 39-jährige Augenoptikermeister kommt relativ spät zum Handwerk. Er begann seine Ausbildung im Rahmen einer Umschulung, als er 30 Jahre alt war.

Seine Meisterweiterbildung schloss er an, um weitere Aufstiegsmöglichkeiten zu erhalten. An die Übernahme eines Unternehmens hatte er da noch gar nicht gedacht. Während seiner Weiterbildung lernte Özenir den Inhaber des Unternehmens in Düsseldorf kennen und begann zunächst als angestellter Meister dort zu arbeiten. Später, Mitte 2011, hat er den Betrieb im Rahmen einer drohenden Insolvenz übernommen. Der Haken: Er hat ihn mit allen Schulden übernommen. "Ich bin zu naiv an die Sache herangegangen. Erst nach zwei Wochen dämmerte mir, was das für mich bedeutet."

"Ich wollte auf keinen Fall Insolvenz anmelden"

Sertac Özenirs Übernahme lief nicht ganz so einfach; Foto: Andreas Woitschützke Sertac Özenirs Übernahme lief nicht ganz so einfach; Foto: Andreas Woitschützke

Als er mit seinem Anwalt die Buchführung durchging, überblickte der Augenoptiker den gesamten Schaden. "Als dann noch Ende 2011 das Hauptzollamt mit einem Vollstreckungsbescheid wegen fehlender Sozialleistungen vor der Tür stand, war ich erst mal am Boden", gesteht der Vater von zwei Kindern. Doch schnell stand er wieder auf. "Ich wollte auf keinen Fall Insolvenz anmelden."

Also bat er seinen Schwager um ein Darlehen. Der willigte ein mit der Bedingung, dass Özenir vorher seine Schulden halbiert. Gesagt, getan: Er einigte sich mit den meisten seiner Gläubiger auf einen Vergleich. Damit war die Hürde genommen. "Ich bin sehr dankbar, dass das geklappt hat. Ansonsten hätte ich den Laden schließen müssen." So konnte er weitermachen und das Ladenlokal nach Umbau im März 2012 neu eröffnen.

"Ich habe jeden Tag Gänsehaut, wenn ich in mein Geschäft komme"

Da er nur eine Auszubildende beschäftigt, arbeitet er oft über 100 Stunden in der Woche. Mit Erfolg: Er konnte sich einen weit größeren Kundenstamm erarbeiten, eine 400-Euro-Kraft für die Buchhaltung einstellen und sich Anfang dieses Jahres auch endlich selbst einen Lohn auszahlen. Seine Maschinen konnte er noch nicht erneuern. Das will er in naher Zukunft in Angriff nehmen. "Wir haben hier viel durchgemacht. Umso schöner ist es jetzt. Ich habe jeden Tag Gänsehaut, wenn ich in mein Geschäft komme." Und das ist ein Lohn, der mit Geld kaum aufzuwiegen ist.
Foto: Andreas Woitschützke

Text: / handwerksblatt.de