"Der nahende Rückzug der Babyboomer-Generation wird eine große Lücke auf den Chefsesseln im Mittelstand hinterlassen", sagt KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib.

"Der nahende Rückzug der Babyboomer-Generation wird eine große Lücke auf den Chefsesseln im Mittelstand hinterlassen", sagt KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib.  (Foto: © Mark Bowden/123RF.com)

Nachfolge: In der Krise steht die Familie an erster Stelle

Die Baby-Boomer-Generation zieht sich aus den Chefsesseln zurück. Bis Ende 2022 streben laut KfW rund 230.000 KMU die Nachfolge an. Dabei gibt es in der Krise eine interessante Entwicklung: Die Renaissance der Familie.

Der Corona-Schock in 2020 hat die Nachfolgeplanungen vieler Unternehmen erst einmal auf Eis gelegt. Diese Phase scheint jetzt überwunden. Wie das aktuelle KfW-Nachfolge-Monitoring zeigt, planen bis Ende 2022 rund 230.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland eine Nachfolge an. Bis 2025 sind das sogar 600.000 Unternehmen.

170.000 Unternehmen der Unternehmen, die noch in diesem Jahr den Betrieb übergeben möchten, also gut drei Viertel, haben gute Chancen, dass das auch gelingt. Sie haben in der Umfrage angegeben, dass sie bereits eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gefunden haben oder dass sie gerade mitten in den Verhandlungen stecken.

Früher planen und mehrere Optionen in Betracht ziehen

Der Bedarf an Unternehmensnachfolgern wird zunehmen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Nachfolge bis Ende 2022 vollzogen haben möchten, sind im Durchschnitt bereits 66 Jahre alt. 85 Prozent sind über 60.

"Der nahende Rückzug der Babyboomer-Generation wird eine große Lücke auf den Chefsesseln im Mittelstand hinterlassen. Die strukturelle Nachfolgelücke ist aufgrund niedriger Geburtenziffern und sinkender Selbstständigkeitsaffinität der Erwerbsbevölkerung groß", sagt KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib. 

Gerade im Handwerk ist das Thema hochaktuell. In den kommenden fünf Jahren stehen im Handwerk demnach etwa 125.000 Betriebe und rund 78.000 Unternehmen zur Übergabe an. Bis 2030 werde die Zahl schrittweise weiter ansteigen, so eine Studie des Instituts für Handwerkswesen (ifh).

Initiative Unternehmensnachfolge Das Bundeswirtschaftsministerium fördert mit der Initiative "Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis" 18 Modellprojekte der Handwerksorganisationen, die neue Wege der Ansprache und Unterstützung der potenziellen Nachfolger erproben. Natürlich beraten auch alle anderen Handwerkskammern in Deutschland unabhängig von dem Modellprojekt zum Thema Nachfolge und Übernahme. Hier geht es zur Liste der Modellprojekte

Renaissance der Familie

Interessanter Aspekt des KfW-Nachfolge-Monitorings: In der Krise deutet sich eine "Renaissance der Familie" an. Der Anteil realisierter, familieninterner Übergaben ist gestiegen, so die KfW. Viele Mittelständler wünschen sich eine familieninterne Lösung.

Vor der Krise war die externe Übergabe oder der externe Verkauf eine mindestens genauso oft in Betracht gezogene Nachfolgevariante; im Jahr 2019 kam dies für 50 Prozent in Betracht, berichtet die KfW. Seit dem Corona-Jahr 2020 sind es nur noch 41 Prozent – und die Familiennachfolge sei eindeutig die beliebteste Nachfolgevariante.

Familieninterne Nachfolgen seien zudem "um ein Vielfaches besser vorbereitet als externe Nachfolgewünsche", heißt es in dem Nachfolge-Monitoring 2021: Etwa fünfmal häufiger sei die Nachfolge dann bereits in trockenen Tüchern oder kurz davor.

Künftig werde es noch wichtiger, frühzeitig zu planen und mehrere Nachfolgevarianten – familienintern, den Verkauf an Mitarbeiter oder einen externen Interessenten – parallel in Betracht zu ziehen. "Sonst steht zu befürchten, dass ungewollte Unternehmensstilllegungen spürbar zunehmen, so Köhler-Geib.  Die Familienlösung aber auch die externe Nachfolge oder die Übergabe an einen Mitarbeitenden gelingen eben nicht immer.

27.000 Inhaber haben noch nicht mit dem Übergabeprozess begonnen

"Immerhin rund zwölf Prozent der Unternehmen, die eine Nachfolge bis Ende 2022 realisieren möchten, müssen mit dem Scheitern ihrer Nachfolgepläne zum gewünschten Termin rechnen. Dort sind die Inhaber entweder noch gar nicht in den Prozess eingestiegen oder haben bislang nur Informationen gesammelt", berichten die KfW-Experten. Das sind 27.000 Unternehmen. 

Ein großes Problem in Zukunft wird sein, dass einer alternden Unternehmerschaft zu wenige junge Menschen gegenüberstehen, die ein Unternehmen gründen oder übernehmen möchten. Gegenwärtig sind 28 Prozent der Unternehmer 60 Jahre oder älter. Vor 20 Jahren waren es lediglich zwölf Prozent.

Und: Die Nachfolge innerhalb der Familie sei zwar aktuell beliebter denn je, "doch mittelfristig wird der Anteil externer Übergaben allein schon aus demografischen Gründen wieder zunehmen müssen".

Kostenfreie Beratung für Unternehmen

Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich auf die Übergabe vorzubereiten? Wo finde ich eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, wenn die Kinder kein Interesse haben? Wie finde und fördere ich einen engagierten und interessierten Mitarbeiter oder suche einen Kandidaten von Außen? Welche Formen der Übergabe gibt es und was ist mein Betrieb überhaupt wert?  
Einen Betrieb zu übergeben und zu übernehmen ist ein komplexer Vorgang, der viele Fragen aufwirft. Immer an der Seite der Unternehmer stehen die Betriebs- und Unternehmensberater der Handwerkskammern und auch der Fachverbände im Handwerk, für die das Thema Nachfolge einer der Schwerpunkte ihrer Tätigkeit ist.

Die Beratung ist kostenfrei. Genau wie ein Inserat als Angebot oder Gesuch auf den Betriebsbörsen der Handwerkskammern. Diese findet man auf den Seiten der Kammern und auf der bundesweiten Nachfolgebörse nexxt-changenexxt-change.org

Gemeinsam mit dem Inhaber, der Inhaberin und deren Steuerberater sowie Rechtsberater und gegebenenfalls der Hausbank suchen die Experten der Kammern die optimale Lösung.

Ein Nachfolgeprozess kann einige Jahre dauern, deshalb empfehlen die Berater sich so früh wie möglich mit dem Thema zu beschäftigen. Und natürlich können sich auch die Nachfolger mit ihren Fragen an die (Existenzgründungs-)Berater der Kammern wenden.  

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Text: / handwerksblatt.de

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