Ein Meister, der seinen Beruf wegen einer schweren Verletzung oder Behinderung nicht mehr ausübt, kann damit trotzdem sein Know-how über VR an Auszubildende oder Gesellen weitergeben.

Ein Meister, der seinen Beruf wegen einer schweren Verletzung oder Behinderung nicht mehr ausübt, kann damit trotzdem sein Know-how über VR an Auszubildende oder Gesellen weitergeben. (Foto: © Vadim Guzhva/123RF.com)

InKraFT ermöglicht Kfz-Ausbildung für Behinderte

Virtual und Augmented Reality schaffen ein neues Lernerlebnis. Auch gehandicapten Menschen könnten Inhalte der Aus- und Fortbildung vermittelt werden, wie das Forschungsprojekt InKraFT zeigt.

Für einen Querschnittsgelähmten dürfte es schwierig sein, einen Automotor auseinanderzubauen, die einzelnen Teile zu reinigen und wieder zusammenzusetzen. Unmöglich ist es dank digitaler Technologie nicht. Um auch behinderten Menschen eine Ausbildung im Kfz-Handwerk zu ermöglichen, bauen verschiedene Partner im Rahmen des Projekts "InKraFT" eine adaptive Lernplattform auf. Diese passt sich den Handicaps der Nutzer an. "Für Lernbehinderte können wir die Inhalte über Assistenzsysteme in besonders leichte Sprache umwandeln oder Texte vorlesen lassen", führt Simon Bender vom AWS-Institut für digitale Produkte und Prozesse als Beispiele an. Sein Part ist es, eine Lernumgebung in virtueller Realität (VR) zu entwickeln.

Ohne Muskelkraft barrierefrei arbeiten

Mithilfe einer VR-Brille und Controllern sollen die praktischen Teile des Grundlehrgangs "Reparaturtechnik 4" der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung vermittelt werden. Zu dessen Schwerpunkten zählen unter anderem das Messen und Prüfen an Systemen, das Diagnostizieren von Fehlern und Störungen an Fahrzeugen und Systemen sowie das Demontieren, Reparieren und Montieren von Bauteilen, Baugruppen und Systemen.

"In der virtuellen Umgebung können die Nutzer alle Tätigkeiten barrierefrei simulieren, ohne schwer körperlich arbeiten zu müssen." Dieses handlungsorientierte Lernen aus der Ich-Perspektive wird durch die immersive Umgebung noch verstärkt. "Das heißt, der Auszubildende hat durch die VR-Brille das Gefühl, wirklich in der Werkstatt zu sein und praktische Tätigkeiten wie in der realen Welt durchzuführen."

Die Abkürzung InKraFT steht für "Inklusion in der beruflichen Bildung am konkreten Fall der Kfz-Mechatronik mittels Virtual Reality Technologie". Das vom Bundesbildungsministerium geförderte Forschungsprojekt wird von einem Konsortium geführt. Neben dem August-Wilhelm-Scheer-Institut für digitale Produkte und Prozesse gehören das Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, das Center for Cognitive Science an der Technischen Universität Kaiserslautern, die Universität Siegen sowie die information multimedia communication AG zu den Partnern.

Lernende sollen selbständig handeln

Das nötige Wissen – etwa um einen Motor auseinanderzubauen – gibt ein virtueller Ausbilder weiter. Das Assistenzsystem geht zusammen mit dem Nutzer zunächst alle Arbeitsschritte durch und leitet ihn durch schriftliche Instruktionen an. "Danach schalten wir diese Guidance ab und der Lernende handelt selbstständig." Die Unterweisung wird damit auch ortsunabhängig möglich.

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit der VR-Umgebung ist die Fernwartung. Dabei wird mithilfe einer 360-Grad-Kamera ein Rundum-Livestream aus einer Werkstatt in die VR-Brille übertragen. "Ein Meister, der seinen Beruf wegen einer schweren Verletzung oder Behinderung nicht mehr ausübt, kann damit trotzdem sein Know-how über VR an Auszubildende oder Gesellen weitergeben. Das Wissen geht also nicht verloren."

Das Forschungsprojekt "InKraFT" läuft drei Jahre. Ein Drittel der Zeit ist bereits verstrichen. "Die Lernplattform steht schon. Nun fügen wir nach und nach die Inhalte ein. Virtuell kann bereits ein Motor demontiert werden." Die VR-Umgebung soll ab Mitte nächsten Jahres in der Praxis erprobt werden.

Text: / handwerksblatt.de

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