Auf der Roadshow des Bundesbildungsministeriums können die Teilnehmer des Anwender-Workshops zu Social Virtual Learning selbst den Einsatz einer VR-Brille testen. (Foto: © kantver/123RF.com)

Roadshow bietet digitale Medien zum Anfassen

Das Bundesbildungsministerium tourt mit einer Roadshow durch die Republik, um den Betrieben die Nutzung digitaler Medien im Ausbildungsalltag nahe zu bringen. Vor kurzem hat sie Station in Bielefeld gemacht.

Über 200 Projekte fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Bereich digitaler Medien in der beruflichen Bildung. Die Erfahrungen und das Wissen daraus werden an die Anwender weitergegeben. "Wir wollen den Betrieben etwas bieten, damit sie das in den Projekten entstandene Know-how auf die Straße bringen können", erklärt BMBF-Mitarbeiterin Katja Stamm. Beim Transfer stehe der Ansatz "Lernen im Tun" im Vordergrund. Dazu werden im Rahmen der rund fünfstündigen Roadshows verschiedene Anwender-Workshops angeboten. Seit 2016 wird mit dem Format quer durch die Republik getourt. Die Veranstaltung bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld war bereits die 16. Etappe. "Dass sie ausgebucht ist, zeigt, wie gefragt das Thema ist", sagt Elisa Bruhn vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Das BIBB organisiert die Roadshows.

Jeweils drei Anwender-Workshops

Die Themen der drei Anwender-Workshops sind breit gestreut. Das Projekt "Kfz4me" stellen Dr. Markus Schäfer vom Hönne Berufskolleg Menden und Udo Petruschkat vom Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis vor. Bei Kfz4me erstellen und nutzen Auszubildende eigene Erklärvideos, wobei sie ihre Medien-, Sprach- und Sachkompetenz weiterentwickeln. Um Social Virtual Learning – das gemeinsames Lernen in der virtuellen Realität – geht es bei Christian Dominic Fehling von der Bergischen Universität Wuppertal und Dr. Lutz Goertz vom mmb Institut Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung. Die Teilnehmer dieses Workshops können selbst eine VR-Brille aufsetzen und sich an der Wartung einer Druckmaschine versuchen. Die Referenten des dritten Anwender-Workshops sind Olaf Aschmann und Max Zollenkopf von der Kompera GmbH mit dem Projekt "KeaP digital". Sie zeigen, wie betriebliche Experten digitale Lerneinheiten für Anlernprozesse am Produktionsarbeitsplatz entwickeln können.

Facharbeiter werden zu Fachautoren

Partner des Projekts "KeaP digital" ist unter anderem das Chemieunternehmen Evonik. Dort, aber auch in anderen Industriefirmen werden Facharbeiter als Paten eingesetzt, um neue Mitarbeiter in der Produktion einzuarbeiten. Das Modell hat jedoch eine Reihe von Nachteilen. "Die vermittelten Inhalte können je nach Pate variieren, bei Fragen ist der Pate wegen der wechselnden Schichtdienste nicht immer greifbar oder die Chemie stimmt einfach nicht", zählt Olaf Aschmann von der Kompera GmbH auf. "KeaP digital" soll den Wissens- und Erfahrungsaustauch vereinfachen und verbessern. Die Paten werden dabei zu Autoren. Sie erstellen selbst Lerneinheiten auf einer webbasierten Lernplattform. Die Einträge werden etwa während der ruhigeren Nachtschicht von den Facharbeitern verfasst. Als Medium können sie Texte, Bilder oder Filme nutzen, die zum Selbststudium der Einzuarbeitenden geeignet sind. Ergänzend können Übungen erstellt werden. Das können am Computer zu beantwortende Fragen, aber auch Dialogaufforderungen sein, bei denen die Nutzer den Paten bestimmte Fragen zu betrieblichen Abläufen stellen.

Noch vier Stationen in 2019

Die Roadshow steuert dieses Jahr noch vier weitere Städte an. Am 3. Juli wird sie im BBZ der Handwerkskammer Erfurt zu Gast sein, am 17. September bei der Handwerkskammer Düsseldorf, am 24. Oktober bei der Handwerkskammer Schwerin sowie am 6. November bei der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen in Mainz. "Die Roadshow ist aber keine Stand-Alone-Veranstaltung", so BIBB-Mitarbeiterin Elisa Bruhn. Im Fachportal qualifizierungdigital.de seien weitere Informationen zum Projekt "Digitale Medien in der beruflichen Bildung" zu finden, darunter Praxisbeispiele und die Projektdatenbank. 

Text: / handwerksblatt.de

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