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Beim BeQuFA-Projekt der Handwerkskammer Münster wurden Flüchtlinge im Berufsfeld Friseur qualifiziert. (Foto: © HWK Münster)

Erfolgreich ins Handwerk integriert

Mit einem schnellen Einstieg in Ausbildung und Arbeit lassen sich Flüchtlinge und Asylbewerber leichter in die deutsche Gesellschaft integrieren. Das zeigen zwei Beispiele aus Münster und Krefeld.

Das Projekt "Berufsfeldbezogene Qualifizierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in überbetrieblichen Bildungsstätten und staatlichen Fachschulen" hat es Geflüchteten und Asylbewerbern in NRW ermöglicht, sich innerhalb von drei Monaten im jeweiligen Berufsfeld weiterzuqualifizieren – aufbauend auf ihren vorhandenen beruflichen Kompetenzen. Lerninhalte aus dem Friseurberuf bot die Handwerkskammer Münster an. In den Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) Krefeld standen Berufe wie Maurer, Fliesenleger oder Straßenbauer zur Auswahl.

Mit dem Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird seit 2005 das Ziel verfolgt, die Arbeitsmarktchancen von Zuwanderern zu verbessern. Zu den fast 400 Teilprojekten zählt auch die "Berufsfeldbezogene Qualifizierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in überbetrieblichen Bildungsstätten und staatlichen Fachschulen" (BeQuFA). Es wird von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des NRW-Handwerks koordiniert. Fördermittelgeber sind das Bundesarbeitsministerium und der Europäische Sozialfonds, Partner das Bundesbildungsministerium und die Bundesagentur für Arbeit.Jeweils zwölf Zuwanderer haben in Krefeld und Münster die Qualifizierung begonnen. Unter anderem stammten sie aus Syrien, Afghanistan, Ghana, Armenien und Bangladesch. 13 verschiedene Nationalitäten waren in beiden Projekten vertreten. So heterogen wie die Herkunft ist auch ihr Aufenthaltsstatus gewesen. "Er reicht vom geduldeten bis zum anerkannten Flüchtling. Die meisten sind aber im Besitz der BüMA – der Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender", sagt Lehrgangsbetreuerin Fatma Cömert mit Blick auf das Krefelder BeQuFA-Projekt.

Die Altersspanne variierte ebenfalls – von 19 bis 33 Jahren. Viele der in Krefeld teilnehmenden Geflüchteten verfügen über arbeitsmarktrelevante Kompetenzen des jeweiligen Berufsfeldes, sind jedoch nach deutschen Maßstäben eher als Helfer einzustufen. In Münster könnte die nachhaltige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt schneller gelingen: "Ein Viertel unserer Teilnehmer, die das Berufsfeld Friseure erkunden, haben diesen Beruf auch in ihrem Heimatland erlernt", sagt Sozialarbeiterin Christina Rataj.

Umfangreiche Hilfestellungen für den beruflichen Einstieg

So unterschiedlich die Gruppen auch waren – ein Ziel hatten alle gemeinsam: eine Ausbildung oder Beschäftigung im Handwerk. Von August bis November standen die fachpraktische und -theoretische Erprobung und Unterweisung, die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, die Heranführung an das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem sowie besonders die Förderung allgemeiner und berufsbezogener Sprachkenntnisse auf dem Stundenplan. Um das Gelernte zu vertiefen, wurden Theorie und Praxis ständig verknüpft. "Beim berufsbezogenen Sprachunterricht haben wir mit den Teilnehmern erst das Fachvokabular in Wort und Bild gelernt, danach sind wir mit ihnen in die Werkhallen gegangen", verdeutlicht BZB-Mitarbeiterin Fatma Cömert.

Grundtechniken und Fachbegriffe der Bauberufe wurden zunächst im Klassenverband gelernt. Danach konnten die Teilnehmenden in sechs Berufsfeldern, den jeweiligen Vorkenntnissen entsprechend, Praxis und Theorie vereinen. "Am Ende der Maßnahme hat das IQ-Netzwerk den Teilnehmenden bescheinigt, welche berufsbezogenen Qualifikationen und Kompetenzen sie erworben haben. Dazu gehörte auch das erreichte Sprachniveau", so Christina Rataj.

"Trotz der ungewissen Bleibeperspektive und Sprachprobleme waren die Teilnehmenden sehr motiviert und überaus engagiert", fasst Lehrgangsbetreuerin Fatma Cömert für das Krefelder BeQuFA-Projekt zusammen. Das zeigt schon Wirkung. Einer habe sich vorzeitig für eine Einstiegsqualifizierung empfohlen. Jeweils zwei andere seien sozialversicherungspflichtig tätig oder gerade im Bewerbungsverfahren. Für die noch Unversorgten werden Anschlussmöglichkeiten gesucht. "Wenn sie sich beruflich weiterqualifizieren und ihre Deutschkenntnisse verbessern, können sie sich damit für eine Ausbildung oder Beschäftigung empfehlen", ist die BZB-Mitarbeiterin überzeugt.

Positive Nachrichten gibt es auch aus Münster. "Die Teilnehmer konnten berufliche und persönliche Ziele herausarbeiten. Die individuelle Zielplanung ermöglicht ihnen einen flexiblen Übergang in fortlaufende qualifizierende Projekte", so Christina Rataj. Ein Viertel sei bereits in Arbeit vermittelt worden.

Bernd Lorenz; Foto: © HWK Münster

Text: / handwerksblatt.de

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