"Gesellschaftliches Engagement und Handwerk gehen sehr oft Hand in Hand. Gerade in schwierigen Zeiten wie der aktuellen Pandemie gibt das Engagement zahlreicher Handwerksbetriebe für das Gemeinwesen den Menschen Halt, Zuversicht und eine Zukunftsperspektive", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Johann Herges (l.) mit Moneer Benshe. Er kam 2016 als syrischer Flüchtling nach Deutschland und hat inzwischen eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher im Betrieb von Familie Herges absolviert, wo er jetzt als Geselle arbeitet. (Foto: © Herges Schuhmanufaktur)

Engagiertes Handwerk: Die Schuhmanufaktur Herges

Der CSR-Preis der Bertelsmann-Stiftung "Mein gutes Beispiel" geht in der Kategorie Handwerk an die Schuhmanufaktur Johann Herges GmbH aus Saarbrücken, die sich für Nachhaltigkeit und Integration engagiert.

"Im Handwerk tätig zu sein ist immer das, was ich wollte", sagt Johann Herges. "Man ist sehr nah an den Werkstücken dran, die man erschafft." Johann Herges, Dipl.- Ing. (FH) für technische Orthopädie und Maßschuhmacher, führt die gleichnamige Schuhmanufaktur in Saarbrücken in dritter Generation.

Für sein gesellschaftliches Engagement wurde das Familienunternehmen Herges Schuhmanufaktur GmbH mit dem bundesweit ausgelobten Preis "Mein gutes Beispiel" in der Kategorie Handwerk ausgezeichnet - als eines von sechs Unternehmen in 2020. Insgesamt hatten sich 160 Unternehmen beworben.

Der Wettbewerb "Mein gutes Beispiel", den die Bertelsmann Stiftung ausrichtet, würdigt Unternehmen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren und nachhaltig wirtschaften. Upcycling-Projekte, die Begleitung von geflüchteten Menschen bei der Integration und die Vernetzung von Kunsthandwerk und Handwerkskunst seien "Beispiele gelebten unternehmerischen Engagements bei der Schumanufaktur Herges", so die Jury.

Maßschuhe aus recycelten Materialien

"Das Thema Upcycling spielt seit Neuestem eine große Rolle in der Firma", erzählt Geschäftsführerin Karin Herges in ihrer Videobotschaft. Schuhe werden aus Materialien gefertigt, die normalerweise im Müll landen gefertigt. Zum Beispiel alte Jeans.

Der Betrieb, der sich unter anderem auf maßgefertigte Orthopädieschuhe spezialisiert hat, nutzt modernste Technik und treibt die Digitalisierung auch weiter voran. Gleichzeitig setzt er auf traditionelle Handwerkstechniken und bietet im Betrieb auch regionalen Kunsthandwerkern eine Plattform, indem er Ausstellungen organisiert. "Wir fertigen ja auch Unikate und wollten mit anderen Handwerkern näher rücken", berichtet Karin Herges.

Mitarbeiter aus fünf Nationen und sechs Religionen

Darüber hinaus engagiert sich der Betrieb, der 16 Mitarbeiter beschäftigt, für die Integration geflüchteter Menschen und hat beispielsweise ab 2016 einen geflüchteten Syrer ausgebildet, der inzwischen als Geselle im Betrieb arbeitet.

"Ihm haben wir auch dabei geholfen eine Wohnung zu finden oder bei Behördengängen", erzählt Johann Herges. Für sein Engagement war der Handwerksbetrieb bereits 2017 für den Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin nominiert. Menschen aus fünf Nationalitäten und sechs Religionen leben und arbeiten in der Firma friedlich und gut zusammen.

Handwerkspräsident Wollseifer: Gesellschaftliches Engagement und Handwerk gehen Hand in Hand

Die Schuhmanufaktur ist ein ganz besonderes Beispiel, aber längst kein Einzelfall im Handwerk. "Gesellschaftliches Engagement und Handwerk gehen sehr oft Hand in Hand. Gerade in schwierigen Zeiten wie der aktuellen Pandemie gibt das Engagement zahlreicher Handwerksbetriebe für das Gemeinwesen den Menschen Halt, Zuversicht und eine Zukunftsperspektive", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Um solche herausragenden Projekte von Handwerksbetrieben öffentlich zu würdigen, beteiligt sich der Zentralverband des Deutschen Handwerks seit Jahren an der Initiative der Bertelsmann Stiftung "Mein gutes Beispiel". Diese Initiative trage wesentlich dazu bei, das CSR-Engagement der deutschen Wirtschaft sichtbar zu machen und ihm mit den ausgezeichneten Betrieben ein Gesicht zu geben, so Wollseifer.

Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung und Mitglied der Jury, versicherte: "Alle Unternehmen, die sich mit ihren Projekten beworben haben, sind für mich Gewinner."

Das sind die Preisträger 2020:

Sonderpreis "Starke Region – Starke Gemeinschaft"

Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG – Neumarkt i.d. Oberpfalz
Silicon Vilstal gUG – Geisenhausen

Kategorie "Jung und Innovativ"

Patchwork Communities UG (bring-together.de) - Leipzig

Kategorie "Kleine und mittlere Unternehmen"

Followfood GmbH - Friedrichshafen

Kategorie "Große Unternehmen"

Deutsche Amphibolin Werke (DAW) SE – Ober-Ramstadt

Kategorie "Handwerk"

Johann Herges GmbH – Saarbrücken

Wettbewerb "Mein gutes Beispiel"Der Wettbewerb "Mein gutes Beispiel" ist ein bundesweiter Preis für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen. Der Wettbewerb wird seit 2011 jährlich durchgeführt. Er wird federführend von der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit "Die jungen Unternehmer", dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke und engagierten mittelständischen Unternehmern durchgeführt.

Text: / handwerksblatt.de

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