Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass nachhaltiges Wirtschaften für sie selbst und Andere Gutes bewirken kann.

Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass nachhaltiges Wirtschaften für sie selbst und Andere Gutes bewirken kann. (Foto: © Andrea Danti/123RF.com)

Nachhaltiges Wirtschaften zahlt sich aus

Viele Handwerksbetriebe wirtschaften bereits heute nachhaltig, meistens wissen es die Unternehmer nur nicht. Dabei könnten sie damit nicht nur einem Trend der Käufer folgen, sondern auch viel Gutes tun.

Nachhaltigkeit wird den Kunden immer wichtiger, das zeigt eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (ifh), es spricht sogar von einer "Nachhaltigkeitsrevolution". Ein Viertel der Deutschen kauft inzwischen gezielt bei nachhaltigen Anbietern ein.

Das Handwerk könnte von diesem Trend profitieren, denn es hat eigentlich schon immer nachhaltig gewirtschaftet. Handwerksbetriebe sind seit jeher in ihrem sozialen und natürlichen Umfeld tief verwurzelt. Sie sind oft über Jahrzehnte in Familienbesitz, deshalb wird hier generationenübergreifend gedacht. Wegen der kleinen Betriebe besteht ein enges Verhältnis von Arbeitgebern und Mitarbeitern, man sorgt für gute Arbeits- und Lebensbedingungen, um die Mitarbeiter lange im Betrieb zu halten, und setzt auf Aus- und Weiterbildung.

Betriebsinhaber im Handwerk sind größtenteils persönlich haftende Unternehmer. Sie wissen, dass sie bei Fehlverhalten die Folgen zu tragen haben und dass sie auf das stetige Vertrauen ihrer Kunden angewiesen sind. Die Haftung mit dem eigenen Privatvermögen führt zu einer verantwortungsvollen Geschäftsführung. Handwerksunternehmer engagieren sich als ehrenamtliche Prüfer und in der Region, etwa im Gemeinderat und in Vereinen. Das Handwerk stellt individuelle Produkte her, die lange in Gebrauch sein sollen und meistens auch repariert werden können.

Handwerkskammer macht Nachhaltigkeit messbar

"Wir wollen Nachhaltigkeit messbar machen", erklärt Manfred Kleinbielen von der Handwerkskammer Region Stuttgart. Als erste deutsche Handwerksorganisation hat man dort ein eigenes Konzept zur Nachhaltigkeit erarbeitet und möchte sich nach den Vorgaben des sogenannten GRI-Standards zertifizieren lassen. Dafür hat er mit der Kammer eine Liste von messbaren Indikatoren zusammengestellt. Unter anderem mit Kennzahlen für Materialverbrauch, CO2-Emissionen, direkten und indirekten Energieverbrauch, Marktpräsenz vor Ort, Kundenzufriedenheit oder Menschenrechtsaspekte.

Diese Handwerkskammer geht mit gutem Beispiel voran. Nachhaltigkeit zahlt sich aber nicht nur für Umwelt und Gesellschaft aus, sondern auch für das einzelne Unternehmen. Wie ein Handwerksbetrieb nachhaltig wirtschaften und dabei auch geschäftlichen Erfolg haben kann, zeigt die Bäckerei Schüren aus Hilden: Sie gewann 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Viele Betriebe arbeiten schon nachhaltig

Manch ein Handwerker, der sich bislang über das Thema noch keine Gedanken gemacht hat, wird überrascht sein, wie viele Punkte er bereits heute umsetzt. Oft, ohne sie mit dem Schlagwort Nachhaltigkeit in Verbindung zu bringen. Zum Beispiel der Metzgerbetrieb, der nur Fleisch von ihm bekannten Bauern der Region verarbeitet; der Schlosser, der einen Gesellen auch nach Eintritt in die Rente weiterbeschäftigt, weil er dessen Erfahrung schätzt; der Friseurbetrieb, der komplett auf Ökostrom umgestellt hat; die Kfz-Werkstatt, die Azubis mit Migrationshintergrund ausbildet; der Malermeister, der umweltfreundliche Lacke und Farben verarbeitet; der Tischler, der seine Kunden als Kapitalgeber an seinem Unternehmen beteiligt; oder auch der SHK-Installateur, der seinen Kunden morgens gratis frische Brötchen mitbringt und damit für Kundenbindung sorgt. Für viele Unternehmer ist dieses Engagement selbstverständlich und wird oft gar nicht dem relativ neuen Begriff CSR zugeordnet.

Wer sich für nachhaltiges Wirtschaften interessiert, aber noch keine konkrete Idee hat, kann anhand einer einfachen Checkliste feststellen, welche Kriterien sein Betrieb erfüllt. Dazu zählen beispielsweise langfristige Kundenbeziehungen, kurze Transportwege, gute Ausbildung, sparsamer Ressourcenverbrauch. Dr. Ursula Binder, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Köln, hat in ihrem Buch "Nachhaltige Unternehmensführung" diese Liste zusammengestellt.

Mit dem Prüfsiegel des Tüv Rheinland kann ein Betrieb seine Haltung auch nach außen dokumentieren und damit bei den Kunden punkten.Nachhaltigkeit
Immer nur so viel Holz schlagen, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann! Das forderte 1713 der Förster Hans Carl von Carlowitz und gilt damit als Vater der nachhaltigen Wirtschaft. Der Brundtland-Bericht der Uno-Kommission hat 1987 auch die globale Komponente hinzugefügt. Kerngedanke der Nachhaltigkeit ist, dass zukünftige Generationen dieselben Chancen auf ein erfülltes Leben haben sollen wie wir. Nachhaltige Entwicklung verbindet deshalb wirtschaftlichen Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz. Wie ein Betrieb mit der Umwelt umgeht, ist wichtig, aber ebenso, wie er Mitarbeiter und Arbeitspartner behandelt und die Herkunft der Produkte. Familienfreundlichkeit, Integration, (Aus-)Bildung, fairer Handel sind weitere wichtige Aspekte, also alles, was heute mit dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) umschrieben wird.

Text: / handwerksblatt.de

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