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Mindestlohn: Was gilt wo, wann und für wen?

Zum 1. Januar 2020 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 9,35 Euro. Auch in vielen Handwerksbereichen steigen die Branchen-Mindestlöhne. Und die liegen teilweise deutlich darüber. Ein Überblick.

Zum 1. Januar 2020 steigt der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 9,19 Euro auf 9,35 Euro brutto die Stunde. Viele Arbeitgeber müssen jetzt prüfen, ob Arbeitsstunden und Gehalt ihrer Mitarbeiter noch zusammenpassen.

Auch etliche Branchen-Mindestlöhne steigen 2020. Diese Löhne werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in Tarifverträgen ausgehandelt. Wie heftig die Verhandlungen teilweise ablaufen können, machen aktuell die Gebäudereiniger und das Baugewerbe deutlich. Ein Überblick.

Gebäudereiniger

Monatelang dau­erte der Tarifstreit in einer der größten deutschen Handwerksbranchen – der Gebäudereinigung. Erst nach der sechsten Verhandlungsrunde haben sich der Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks (BIV) und die IG Bau Ende Oktober auf einen Rahmentarifvertrag für die 650.000 Beschäftigten geeinigt.

Für die Gebäudereiniger bedeutet das unter anderem höhere Lohnzuschläge und etwas mehr Urlaub. Alle Mitarbeiter erhalten künftig einen Belastungszuschlag von 25 Prozent ab Überschreitung der 8. Arbeitsstunde. Das zentrale Streitthema Weihnachtsgeld / 13. Monatsgehalt wird auf die Lohnrunde 2020 vertagt.

"Es ist hilfreich für die Attraktivität der beschäftigungsstärksten Handwerksbranche Deutschlands, dass wir neben steigenden Tariflöhnen nun auch wieder faire und rechtssichere Spielregeln für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verabredet haben", kommentierte BIV-Verhandlungsführer Christian Kloevekorn das Ergebnis.

Der Mindestlohntarifvertrag ist seit Januar 2018 in Kraft.

Der Mindestlohn für die Glas- und Gebäudereinigung (Lohngruppe 1) steigt demnach ab 1. Januar 2020 auf 10,80 Euro (West) und 10,55 Euro (Ost) beziehungsweise auf 14,10 Euro (West) und 13,50 Euro (Ost) für die Glas- und Fassadenreinigung (Lohngruppe 6). Ab 1. Dezember 2020 gibt es bundeseinheitlich 10,80 Euro bzw. 14,10 Euro.

Baugewerbe

Das Baugewerbe mit seinen rund 850.000 Beschäftigten kann noch keine Einigung im aktuellen Tarifstreit vermelden. Die dritte Tarifverhandlung zwischen der IG BAU und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes endete Ende Oktober ergebnislos. "Die Fronten sind völlig verhärtet. Der Tarifstreit ist festgefahren – und jetzt ein Fall für den Schlichter", erklärte IG Bau-Verhandlungsführer Dietmar Schäfers.

Die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten auf dem Bau (Mindestlohn 1) liegt momentan bei bundesweit 12,20 Euro pro Stunde. Den Mindestlohn 2 für Facharbeiten gibt es nur in den alten Bundesländern und in Berlin. Er beträgt derzeit 15,20 Euro (Berlin: 15,05 Euro).

Die Gewerkschaft fordert eine Anhebung. Außerdem solle der Mindestlohn für Facharbeiten auch in den ostdeutschen Bundesländern wieder eingeführt werden. Die Arbeitgeberverbände wollen das Gegenteil, nämlich die die Abschaffung des Mindestlohns 2 für Facharbeiter in den westlichen Ländern. Der Mindestlohn-Tarifvertrag ist noch bis 31. Dezember 2019 gültig.

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Dachdecker

Der Mindestlohn für Dachdecker steigt zum 1. Januar 2020 auf 13,60 Euro und ab 1. Januar 2021 liegt er dann bei 14,10 Euro. Ungelernte Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk erhalten ab 1. Januar 2020 mindestens 12,40 Euro und ab 2021 dann 12,60 Euro. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks und die IG Bau haben gemeinsam einen Antrag beim Bundesarbeitsministerium gestellt, damit der Mindestlohn allgemeinverbindlich wird.

"Uns ist durchaus bewusst, dass wir mit einem Mindestlohn von über 14 Euro ab 2021 deutlich oberhalb des gesetzlichen Minimums liegen", erklärte Verbandspräsident Dirk Bollwerk. Auf der anderen Seite stehe das Dachdeckerhandwerk in Konkurrenz um Fachkräfte und Auszubildende. "Und hier müssen wir auch finanzielle Anreize setzen, sonst laufen unsere Bemühungen um Nachwuchs ins Leere." Der Tarifvertrag endet am 31. Dezember 2021.

Elektrohandwerk

Elektriker bekommen aktuell mindestens 11,40 Euro die Stunde. Zum Jahreswechsel steigt der Branchenmindestlohn um 4,4 Prozent. Für die Mitarbeiter gibt es dann mindestens 11,90 Euro. Erstmals bekommen alle Beschäftigten, die mit elektrotechnischen Arbeiten unmittelbar zu tun haben, das Mindestentgelt und nicht, wie bisher, nur die Monteure.

Bis 2024 steigt der Mindestlohn schrittweise auf 13,95 Euro die Stunde (jedes Jahr 50 Euro mehr). Das Bundesarbeitsministerium hat dem Antrag der IG Metall und des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) auf Allgemeinverbindlichkeit Ende Oktober zugestimmt.

Maler- und Lackierer

Das Maler- und Lackiererhandwerk unterscheidet zwischen dem Mindestlohn 2 für "Gelernte Arbeitnehmer (Gesellen)" und dem Mindestlohn 1 für "Ungelernte Arbeitnehmer". Gesellen im Tarifgebiet West (inklusive Berlin) bekommen seit 1. Mai dieses Jahres mindestens 13,30 Euro die Stunde (Ost: 12,95 Euro). Ungelernte erhalten mindestens 10,85 Euro (bundesweit).

Ab 1. Mai 2020 steigt der Mindestlohn für Gesellen erstmals bundesweit einheitlich auf 13,50 Euro. Ungelernte Arbeitnehmer erhalten mindestens 11,10 Euro die Stunde.

Steinmetz- und Steinbildhauer

Der Mindestlohn im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk liegt seit Mai 2019 bei 11,85 Euro und steigt am 1. Mai 2020 auf 12,20 Euro. Der Tarifvertrag tritt am 31. April 2021 außer Kraft.

Gerüstbauer

Seit dem 1. Juni 2019 steht den Beschäftigten im Gerüstbauerhandwerk ein Mindestlohn von 11,88 Euro zu.

Schornsteinfeger

Für die Beschäftigten im Schornsteinfegerhandwerk gilt bis Dezember 2020 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 13,20 Euro.

Text: / handwerksblatt.de

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