Gelassenheit, technisches Know-how und keine zu hochgeschraubten Erwartungen könnten für Simon Kazimirowicz der Schlüssel zum Erfolg bei den WorldSkills sein. (Foto: © Werner Harnischmacher)

Startklar für die WorldSkills in Russland

Kfz-Technikermeister Simon Kazimirowicz will bei den WorldSkills in Kasan (Russland) sein Bestes geben. Die tägliche Arbeit bei Witteler Automobile in Brilon gehört für ihn zum Trainingsprogramm.

Vor acht Jahren hat sich Franz Havlat mit einem faszinierenden Virus infiziert – dem "WorldSkills"-Virus. Der Kfz-Technikermeister war Teilnehmer an der Berufsweltmeisterschaft in London 2011. Bei der Heim-WM in Leipzig zwei Jahre später hat er die Organisation des Skills "Automobile Technology" verantwortet. Inzwischen sucht und betreut der Junior-Chef des Autohauses Olaf Havlat in Großschönau die neuen deutschen Hoffnungsträger für die WorldSkills.

Einer ist ihm beim Bundesleistungswettbewerb und beim EuroCup in Bern besonders aufgefallen: Simon Kazimirowicz. "Seine Stärke ist die Fehlersuche in der Elektrik. Außerdem strahlt er eine ungeheure Ruhe aus", fasst Franz Havlat seine Eindrücke des 22-jährigen Sauerländers zusammen, der bei der Paul Witteler GmbH in Brilon arbeitet.

Training mit den komplizierten Fällen

Einen großen Teil des Trainingsprogramms für die WorldSkills in Kasan (Russland) macht die tägliche Arbeit im Mercedes-Autohaus aus. "Wir geben Simon gezielt die komplizierten Fälle. So kann er sich regulär im Alltag austoben", sagt Michael Froese, Betriebsleiter bei der Paul Witteler GmbH, lachend. Mit seinem Trainer Franz Havlat mailt und telefoniert Simon Kazimirowicz zurzeit nur. Für regelmäßige Treffen ist die Entfernung zwischen dem Sauerland und dem äußersten Zipfel von Sachsen zu groß. Für die gemeinsame Vorbereitung muss eine Woche in der Kfz-Werkstatt der Handwerkskammer Dresden reichen. "Da geht es um die Feinheiten", vermutet der 22-jährige Kfz-Technikermeister.

Franz Havlat möchte mit ihm möglichst alle Stationen durchgehen, sich aber vor allem auf dessen Schwächen – Motormechanik und Motorvermessung – konzentrieren. Dann gilt es, das Geübte unter Wettbewerbsbedingungen zu simulieren und die Aufgaben unter Zeitdruck zu bewältigen. Beim EuroCup hat Simon Kazimirowicz bereits einen Eindruck davon bekommen, was ihn bei den WorldSkills erwartet. "Man hat uns schon vorher gesagt: Die Stationen sind in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen." Da die Aufgaben der WorldSkills im Kern über die Jahre gleich geblieben sind, hat sich Franz Havlat eine Taktik überlegt. "Wir werden uns genau anschauen, wo es die meisten Punkte gab und uns auf diese Aufgabenteile konzentrieren."

Neue Station: Hybrid- und Elektrofahrzeuge

Der Wettkampf dauert vier Tage. Zwei Stunden haben die Teilnehmer für jede Station Zeit. Neun gibt es insgesamt zu meistern. "Bei den WorldSkills in Abu Dhabi waren es noch acht Stationen. Nun kommen noch Hybrid- und Elektrofahrzeuge neu dazu", erklärt Franz Havlat. Über den Erfolg entscheiden viele Faktoren. "Man muss in allen Bereichen seines Berufes sehr gut sein und sein Wissen auch auf die Modelle verschiedener Hersteller übertragen können", weiß der Bundestrainer aus Erfahrung.

Erschwerend kommen die ungewohnte Umgebung und der extreme Zeitdruck dazu, der allen Teilnehmern im Nacken sitzt. "Beim Wettkampf sind nicht nur die fachlichen Leistungen gefragt, sondern auch, ob man sie mental an allen vier Tagen abrufen kann." Michael Froese vertraut darauf, dass sein Top-Mitarbeiter wie gewohnt die Nerven behält. "Wenn Simon konzentriert bleibt, arbeitet er alles sauber weg. Dann kann er es weit bringen." Das große Talent des 22-Jährigen habe Pkw-Werkstattleiter Peter Fink bereits früh erkannt und ihn entsprechend gefördert.

Voller Terminplan bis August

Bis zum Beginn der Berufs-WM ist der Terminplan gut gefüllt. Das Team von WorldSkills Germany hat sich bereits zu einem dreitägigen Kennenlernen in Erfurt getroffen. "Mit einem Steinmetz habe ich mich ganz gut verstanden. Wir werden uns wohl auch in Kasan wieder ein Zimmer teilen", erklärt Simon Kazimirowicz. Ende Mai reist er voraussichtlich für eine Woche nach China, um an einem internationalen Wettkampf teilzunehmen.

"Fremdes Land, fremde Leute, andere Sprache – dort wird sich zeigen, wie er mit der ungewohnten Situation zurechtkommt", gibt sich Franz Havlat gespannt. Neben der Woche in Dresden stehen vor dem Abflug nach Russland noch zwei weitere mehrtägige Termine in Berlin und Frankfurt an. Simon Kazimirowicz muss dafür aber nicht extra Urlaub nehmen. "Wenn es jemand aus unserem Betrieb so weit bringt, dann schaufeln wir die Zeit gerne für ihn frei", versichert Michael Froese.

Starke Konkurrenz erwartet

Simon Kazimirowicz geht offen an das Projekt WorldSkills heran. "Natürlich wäre es schön, am Ende weit vorne zu sein, aber ich mache mir keinen Stress", sagt er bedächtig. Dass zu hohe Erwartungen enttäuscht werden können, hat sein Trainer in London zu spüren bekommen. "Plötzlich staunt man, dass Länder vor einem stehen, von denen man vorher nie etwas gehört hat", kommentiert Franz Havlat seinen für ihn enttäuschenden 17. Platz. Die Weltelite sei schon 2011 extrem dicht beisammen gewesen. Das zeigt die Exzellenzmedaille, die ihm für seine überdurchschnittlich gute Leistung verliehen worden ist. In Kasan könnte es ebenfalls sehr eng im Titelrennen werden. Deshalb hält der Bundestrainer den Ball bewusst flach. "Alleine an den WorldSkills teilnehmen zu dürfen, ist eine Erfahrung fürs Leben."

Die WorldSkills 2019 finden vom 22. bis 27. August in Kasan (Russland) statt. Auf dem Gelände des "Kazan Expo International Exhibition Centre" werden Teilnehmer aus über 60 Staaten erwartet. Sie treten in 56 "Skills" gegeneinander an. Im Skill "Automobile Technology" gehen die Kfz-Mechatroniker auf die Jagd nach Auszeichnungen. Doch nicht nur die Erstplatzierten können sich über Gold, Silber und Bronze freuen. Alle Teilnehmer, die mindestens 700 Punkte erreichen, erhalten für ihre herausragende Leistung ein "Medaillon for Excellence". Das Höchstalter für die Teilnahme an den WorldSkills liegt bei 22 Jahren. In einzelnen Skills sind Ausnahmen möglich.

 

Text: / handwerksblatt.de

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