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Immer und überall bargeldlos zahlen?!

Ob beim Bäcker, Fleischer oder im Supermarkt: Die Kunden sollen die Wahl haben, ob sie mit Karte, übers Handy oder Bar bezahlen. Der Digitalverband Bitkom fordert sogar politische Maßnahmen.

Was in anderen Ländern selbstverständlich ist, ist in Deutschland noch die Ausnahme: die Kartenzahlung auch für kleine Beträge. Foto: © Wavebreak Media LTD/123RF.com
Was in anderen Ländern selbstverständlich ist, ist in Deutschland noch die Ausnahme: die Kartenzahlung auch für kleine Beträge.

Im Supermarkt kann man jederzeit mit Karte zahlen. Oft auch kontaktlos mit dem Smartphone, zum Beispiel über Anbieter wie Googlepay oder Apple Pay (soll im November in Deutschland starten).

Längst nicht alle Bäcker, Metzger oder die Eisdiele nebenan bieten das bargeldlose Bezahlen an. In Straßenbahnen bestehen viele Ticketautomaten sogar auf Münzen, nehmen also noch nicht einmal Scheine an! 

Geht es nach dem Digitalverband Bitkom soll damit bald Schluss sein. "In allen Geschäften und bei allen Einkäufen soll es die Wahlfreiheit für den Kunden geben, elektronisch oder bar zu bezahlen", fordert der Verband. Er schlägt sogar vor, dass der Gesetzgeber hier entsprechende Vorgaben macht. "Die Möglichkeit, überall bargeldlos bezahlen zu können, schafft Wahlfreiheit für die Verbraucher", meint Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Gleichzeitig werde die Freiheit derjenigen, die lieber mit Bargeld bezahlen, nicht eingeschränkt.

Deutscher Fleischer-Verband unterstützt die Mitgliedsbetriebe

"Wir halten das Thema bargeldloses, kontaktloses und Bezahlen per Smartphone aus denselben Gründen für wichtig", sagt Gero Jentzsch, Pressesprecher des Deutschen Fleischer-Verbandes gegenüber dem Handwerksblatt. Der Verband unterstütze seine Betriebe hier mit Hilfe eines Partnerunternehmens, das bei der Einführung solcher Systeme hilft und zudem für Innungsbetriebe besonders günstige Konditionen bietet.

Jentzsch: "Wir stellen zudem fest, dass immer mehr Fleischer-Fachgeschäfte Kartenzahlung anbieten, nicht zuletzt, weil sie, neben den genannten Vorteilen, gerade bei der jüngeren Kundschaft inzwischen als selbstverständlich angesehen wird. Eine einseitige, steuerliche Förderung des bargeldlosen Bezahlens zuungunsten anderer Bezahlweisen halten wir allerdings nicht für sinnvoll."

Umsatzsteuervergünstigungen für kleinere Händler?

Gerade das fordert aber der Verband Bitkom. Er schreibt: "Wir brauchen aber jetzt politische Maßnahmen, um den Verbrauchern komfortable und sichere Bezahlmöglichkeiten zu geben, die zum Beispiel in Skandinavien längst selbstverständlich sind. Um insbesondere kleine Händler bei Investitionen in entsprechende Lesegeräte zu unterstützen, schlägt der Verband Umsatzsteuervergünstigungen vor.

Auf Bargeld ganz verzichten wollen die Wenigsten

Der Bitkom hat die Bundesbürger zur bargeldlosen Bezahlung befragt. Demnach geht jeder Fünfte (21 Prozent) davon aus, dass auch in 20 Jahren hierzulande Bargeld noch das dominierende Zahlungsmittel sein wird. Jeder Dritte (35 Prozent) glaube dagegen, dass es damit spätestens in zehn Jahren vorbei ist.

55 Prozent der Befragten kann sich noch nicht vorstellen, vollständig auf Bargeld zu verzichten. 80 Prozent nennen als Begründung, dass sie es schlicht mögen, mit Scheinen und Münzen zu bezahlen. Drei Viertel geben an, dass Bargeldzahlungen Anonymität garantieren.

Folgende Vorteile zählt der Verband Bitkom auf:

  • Kontaktloses Bezahlen sei schneller als das Hantieren mit Wechselgeld und damit ein wirksames Mittel gegen Warteschlangen.
  • Elektronisches Bezahlen bringe den Händlern mehr Umsatz, etwa durch den Einsatz von einfachen und komfortablen Kundenbindungsprogrammen.
  • Händler könnten die Kosten durch den Umgang mit Bargeld einsparen und zum Beispiel ihre Buchhaltung direkt an die Bezahlsysteme anschließen.
  • Da es dank elektronischem Bezahlen schwieriger werde, sich der Besteuerung zu entziehen, werde die Schattenwirtschaft eingeschränkt und das Steueraufkommen steige.
Text: / handwerksblatt.de

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