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Handwerk: Welcher Abschwung?

Die ganze Wirtschaft befürchtet einen drohenden Abschwung. Falsch! Nicht die ganze Wirtschaft. Im Handwerk ist die Stimmung zum Jahresbeginn weiterhin bestens, berichtet die Creditreform.

Foto: © Creditreform

Ähnlich wie im Vorjahr schätzen drei Viertel aller Handwerksunternehmer ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut ein. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Geschäftslage im Wirtschaftsbereich Handwerk nahezu kontinuierlich von Jahr zu Jahr verbessert. Der Saldo zwischen positiven und negativen Geschäftsmeldungen hat den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht.

"Von einer Wachstumsverlangsamung ist das Handwerk bis auf Weiteres nicht betroffen", das betonte Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer der Creditreform, vor der Presse auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München. 

Stimmung im Baugewerbe nicht mehr ganz so euphorisch

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Nach wie vor am höchsten, allerdings nicht mehr ganz so euphorisch wie im Vorjahr, sei die Stimmung im Bauhauptgewerbe und bei den Ausbauhandwerken. Im Metall-, Kfz- und Nahrungsmittelhandwerk verbesserte sich die Geschäftslage sogar.

"Somit dürfte das Baugewerbe zwar weiterhin die Rolle der Konjunkturlokomotive im Handwerk innehaben, allerdings kommt mehr Schub jetzt auch aus anderen Bereichen des Handwerks", erklärte Ulbricht. "Die positive Entwicklung ruht also jetzt auf mehr Schultern."

Umsatzplus in weiten Teilen des Handwerks

Die gute Stimmung spiegelt sich in den Umsätzen der Betriebe. Vier von zehn der Befragten verbuchten im vergangenen Jahr ein Umsatzplus (40,7 Prozent).  Allerdings nahm der Anteil der Betriebe zu, die Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatten (von 6,7 auf 9,5 Prozent).   

Die Preise für Handwerksleistungen sind weiter gestiegen. Knapp 61 Prozent der Unternehmen haben in den letzten Monaten ihre Preise erhöht. Im Jahr zuvor waren das 53 Prozent. 62,3 Prozent planen in den nächsten Monaten Preiserhöhungen.

Arbeitsmarkt ist leergefegt

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Ein Showstopper in vielen Betrieben ist das Thema Fachkräfte. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Nicht alle Firmen können offene Stellen besetzen. Immerhin haben es knapp 29 Prozent der Betriebe im letzten Jahr geschafft, ihr Personal aufzustocken.

Auch in den kommenden Monaten suchen viele Handwerker neue Mitarbeiter. 27,4 Prozent der Befragten planen, ihr Team zu vergrößern. Etwa 68 Prozent wollen ihre Belegschaft konstant halten, was ebenfalls mit Neueinstellungen verbunden ist, wenn Kollegen in Rente gehen.

Neubesetzung von Stellen im Handwerk gelinge vor allem durch Ausbildung. Jedes zweite der von Creditreform befragten Unternehmen bildet aus.Hoffnung setze das Handwerk auch in die Zuwanderung aus dem Ausland. 

Handwerker blicken zuversichtlich in die Zukunft

Was ihre Zukunft angeht, sind die Unternehmerinnen und Unternehmer weiterhin zuversichtlich. "Das Handwerk profitiert stark von der Binnennachfrage, und hier zeigten sich noch keine Abschwächungen", erklärte Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Verschlechterte Konjunkturmeldungen und höhere Risiken, insbesondere im Außenhandel, hätten das Handwerk bislang nicht nennenswert beeinträchtigt.

42,7 Prozent der Befragten erwarten steigende Umsätze im kommenden halben Jahr (Vorjahr 40,6 Prozent). Mit Umsatzeinbußen rechnen demnach nur 6,2 Prozent der Befragten.

Investitionen planen etwa 60 Prozent der Unternehmen. Jeder dritte Unternehmer stemmt solche Investitionen ausschließlich mit Eigenkapital. Die Hälfte der Unternehmen setzt auf einen Mix aus Eigen- und Fremdkapital. Optimistisch blicken über 90 Prozent der Betriebe auf ihre künftige Ertragslage. Allerdings hat der Anteil der Pessimisten leicht zugenommen. Bretz: "Diese Spuren der Zurückhaltung sind ein typisches Phänomen, wenn der konjunkturelle Wind sich dreht." 

Sonderumfrage zum Meisterbrief

Der Bundesrat hat sich dafür ausgesprochen, in einigen Berufen den Meisterbrief wieder einzuführen. Von den Handwerksbetrieben werden diese Pläne weitgehend positiv aufgenommen. 

  • 80,6 Prozent der von Creditreform Befragten sehen in diesem Falle positive Effekte für die Qualität der Handwerksleistungen.
  • 72,3 Prozent der befragten Betriebe meinen, dass dieser Schritt positiv für die Nachwuchsgewinnung sein wird.
  •  Insgesamt würde die wirtschaftliche Situation der Handwerksbetriebe in Deutschland von einer Rückkehr zur Meisterpflicht profitieren, so die Meinung von 71,9 Prozent der Befragten.
  • Auch in den derzeit zulassungsfreien Handwerken ist die Mehrzahl der Befragten für eine Rückkehr zur Meisterpflicht.


Die Befragung hat ergeben, dass in den zulassungspflichtigen Handwerken (also mit Meisterpflicht) tatsächlich mehr ausgebildet wird. Der Anteil der zurzeit ausbildenden Betriebe liegt etwa doppelt so hoch. Am höchsten ist der Anteil der ausbildenden Betriebe im Kfz-Gewerbe, am niedrigsten im Handwerk für personenbezogene Dienstleistungen. Unter dem Mangel an Ausbildungsbewerbern haben überdurchschnittlich oft Bauhauptgewerbe, Nahrungsmittelgewerbe und Metallgewerbe zu leiden.

Hauptgründe für die Nichtausbildung im Handwerk sind

  • fehlende Bewerber (39,5 Prozent), gefolgt von
  • schlechten Erfahrungen mit Auszubildenden in der Vergangenheit (20,6 Prozent).
  •  15,1 Prozent der befragten Betriebe sehen derzeit keine Notwendigkeit auszubilden und 
  •  21,5 Prozent der Befragten besitzen keine Ausbildungsberechtigung.

 

Text: / handwerksblatt.de
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