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Vordenker und Vorkämpfer im Handwerk

Vordenker und Vorkämpfer sind eine Minderheit – immer und überall. Aber sie sind wichtig. Das Deutsche Handwerksblatt ist auf der Internationalen Handwerksmesse drei solcher Menschen begegnet.

Vordenker und Vorkämpfer im Handwer
(Foto: 123rf)

Sie kommen, um sich zu infomieren. Sie kommen, um von anderen Handwerksbetrieben zu lernen. Sie kommen, um Innovationen zu sehen. Sie kommen, weil sie erfahren wollen, was die Digitalisierung für das Handwerk bringt. Sie kommen, weil sie kaufen oder verkaufen wollen. Und sie kommen in Massen: Rund 126.000 Besucher haben sich in diesem Jahr auf den Weg nach München gemacht, um die Internationale Handwerksmesse (IHM) zu besuchen. Es gab Premieren auf dieser IHM: Zum Beispiel die erste Fachtagung der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH). Und es gab Publikumsmagnete – zum Beispiel die Stände von Handwerksbetriebe, die als sogenannte Vorzeigeunternehmen gelten.

An den Ständen, in den Foren und nach den Vorträgen gab es Gespräche, zum Teil sehr intensive Gespräche. Zum Beispiel mit Handwerkern, die sich nicht nur mit der Entwicklung ihres eigenen Betriebs beschäftigen – so wie die Inhaber der Tischlereien Bächer Bergmann und Dickmänken. Und es gab den Blick von außen auf das Handwerk – zum Beispiel durch die Trendforscherin Dr. Monique R. Siegel bei der UFH-Fachtagung. Was kann das Handwerk von ihnen lernen? Das DHB hat mit ihnen gesprochen: über das Handwerk, die Frauen und die Zukunft.

"Miss Handwerk" – ein Paradebeispiel für den weiblichen Nachwuchs

Dr. Monique R. Siegel ist Mitglied im Club der Querdenker, nennt sich Zukunftsforscherin und wenn sie die Bühne betritt, dürfte der ein oder andere überrascht sein, dass eine grauhaarige Dame ans Rednerpult tritt. Das Erstaunen hält nicht lange an, Dr. Monique R. Siegel braucht nur wenige Minuten, um ihr Publikum davon zu überzeugen, dass Vordenken keine Altersfrage ist. Auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) haben die Unternehmerfrauen im Handwerk für ihre erste IHM-Fachtagung die renommierte Wirtschaftsethikerin eingeladen, die sich schon lange mit dem Thema Frauen in der Wirtschaft beschäftigt. Siegel war auch hier ihrer Zeit voraus, bereits 1985 veranstaltete sie in Zürich das erste Management-Symposium für Frauen.

Zum Thema Handwerk habe sie noch nie gesprochen, vertraut sie ihren rund 130 Zuhörerinnen in München gleich zu Beginn an, aber der Wirtschaftszweig ist ihr überaus sympathisch, vernetze er doch wie kein anderer Kopf, Herz und Hand. Sie zitiert als Beleg den US-amerikanischen Soziologen Richard Sennett: "Handwerkliches Können hält zwei emotionale Belohnungen für den Erwerb von Fähigkeiten bereit: Verankerung in der greifbaren Realität und Stolz auf die eigene Arbeit." Und Stolz auf die eigene Arbeit sei heute selten geworden, betont die Trendforscherin: "Denken Sie nur an das Management – da ist in puncto Stolz nicht viel zu holen."

Junge Frauen überholen ihre männlichen Zeitgenossen

Vordenker und Vorkämpfer im HandwerkDoch ihr Kernthema ist eben jenes "Female Shift". Dieser "Mega-Trend" bedeute, dass "weltweit die junge Generation von Frauen ihre männlichen Zeitgenossen in Bezug auf Bildung hinter sich gelassen hat. Keine Generation von Frauen war bisher so hoch qualifiziert, engagiert und ambitioniert." Dadurch sei eine langsame, aber unumkehrbare Verlagerung von Kompetenzen, Entscheidungsfunktionen und Verantwortung von den Männern zu den Frauen in Gang gesetzt worden, betont die Wirtschaftsethikerin. Dabei verliert Monique R. Siegel die Praxis nicht aus dem Auge. Sei es beim wirtschaftlichen Erfolg ("Gemischte Führungsteams sind profitabler"), sei es beim Fachkräftemangel ("Wir haben nicht genügend junge Männer, um alle Jobs zu besetzen"), sei es beim Marketing ("80 Prozent der Ausgaben für Konsumgüter werden weltweit von Frauen bestimmt"). Deshalb sollten gerade im Handwerk Frauen gefördert werden, sowohl von den Unternehmerfrauen im Handwerk als auch von Handwerkskammern und Verbänden, fordert die Publizistin.

Ihre Zukunftshoffnung setzt Siegel auf die sogenannten Millennials, also die nach 1980 Geborenen: "Sie haben ein anderes Geschlechterverhältnis und denken nicht mehr so stark in der Kategorie Mann oder Frau." Ein Paradebeispiel dafür präsentiert sie am Ende ihres Vortrags. Sie zeigt einen kurzen Filmabschnitt, den sie zufällig im TV gesehen hat: Es ist der ZDF-Beitrag in der Sendung "Hallo Deutschland". Porträtiert wird die Steinmetzin und Maurerin Helena Reppin. Sie wurde aktuell auf der IHM beim Wettbewerb des Deutschen Handwerksblatts zur "Miss Handwerk" gekürt ...

 

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