Im Homeoffice träumen viele Deutsche von einer eigenen Immobilie. Das nach wie vor niedrige Zinsnivau verstärkt den Wunsch.

Im Homeoffice träumen viele Deutsche von einer eigenen Immobilie. Das nach wie vor niedrige Zinsnivau verstärkt den Wunsch. (Foto: © ahfotobox/123RF.com)

Bauunternehmen blicken überwiegend positiv ins neue Jahr

Betriebsführung

Deutschlands Bauunternehmen bleiben eine Stütze der Konjunktur. Am besten kommt der Wohnungsbau durch die Corona-Krise. Der Trend zum Homeoffice stärkt den Wunsch nach einer eigenen Immobilie. Für 2021 wird ein Null-Wachstum erwartet.

Die Bauwirtschaft hat auch 2020 die Gesamtkonjunktur gestützt. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe gehen davon aus, dass die Umsätze im Bauhauptgewerbe im laufenden Jahr nominal um drei Prozent zulegen werden. Bei einer erwarteten Preissteigerung von 2,5 Prozent verbleibe damit noch ein leichtes reales Plus von 0,5 Prozent.

Das sei nicht nicht zuletzt den großen Anstrengungen der Firmen und Mitarbeiter geschuldet. "Wir haben im Frühjahr sehr schnell Maßnahmen zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen getroffen. Im Einvernehmen mit den Tarifvertragspartnern, der Bau-Berufsgenossenschaft und der Bundesregierung wurde erreicht, dass der Baustellenbetrieb aufrechterhalten werden konnte." Das erklärten die Präsidenten der beiden Verbände Peter Hübner (Bauindustrie) und Reinhard Quast (Baugewerbe) auf der gemeinsamen Jahresabschluss-Pressekonferenz. 

Für 2021 erwartet die Branche eine Stagnation der baugewerblichen Umsätze auf dem Niveau des Jahres 2020, unter Berücksichtigung der Preise würde das ein reales Minus von zwei Prozent bedeuten. Die Firmen stellen sich also auf ein härteres Baujahr 2021 ein.

Wohnungsbau ist und bleibt die wichtigste Bausparte

Der Wohnungsbau dürfte laut der Verbände am besten durch die Corona-Krise kommen. Es konnte ein Umsatzwachstum von vier Prozent erreichet werden. 2021 geht man davon aus, dass das mit drei Prozent nur geringfügig niedriger ausfallen dürfte.  

Mit einem Umsatz von 52,6 Milliarden Euro werde der Wohnungsbau auch 2021 die wichtigste Bausparte bleiben. "Der Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsgebieten hat sich nicht abgeschwächt. Aufgrund des durch Corona gestärkten Trends zum Homeoffice scheint eine eigene Immobilie noch erstrebens­werter", so Peter Hübner. Baugenehmigungen nahmen in den ersten drei Quartalen um 7,3 Prozent zu und entsprechend auch die Aufträge bei den Unternehmen.

Die Haupttriebfeder der Wohnungsbauaktivitäten in den vergangenen Jahren sei das niedrige Zinsniveau. Und das habe auch weiterhin Bestand. "Die Attraktivität von Investitionen im Wohnungsbau bleibt also ungebrochen."

Mitarbeiter und Auszubildende Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe hat sich 2020 um 10.000 auf 880.000 erhöht. Verglichen mit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 seien die Personalkapazitäten um ein Viertel ausgebaut worden. Für 2021 gehen die  weiter von einem leichten Beschäftigungsaufbau um etwa 5.000 Personen aus. Auch die Ausbildung bleibt stabil.

14.146 junge Leute begannen in diesem Herbst ihre Ausbildung in einem Bauunternehmen. "Dies sind 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr und damit die höchste Anzahl an Auszubildenden seit über 15 Jahren. Insgesamt werden in der Bauwirtschaft derzeit 41.307 junge Menschen ausgebildet – auch das ist ein neuer Höchststand seit 2002", erläuterte Reinhard Quast.

Gewerbebau leidet unter den den Folgen der Corona-Krise

2020 und 2021 wird der Gewerbebau am deutlichsten unter den Folgen der Corona-Krise leiden. Der schwache Wirtschaftshochbau werde dazu führen, dass die Umsätze im Wirtschaftsbau 2020 nominal nur um ein Prozent zulegen und im kommenden Jahr um zwei Prozent zurückgehen werden, so die Verbandspräsidenten. Das Volumen werde 2021 bei 48,7 Milliarden Euro liegen.

"Die großen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes erwarten für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang, der bis zu 15 Prozent erreichen soll", betonte ZDB-Präsident Quast. Noch stärker betroffen seien viele Dienstleistungsbereiche, die auf direkten Kundenkontakt angewiesen sind und vom Lockdown ganz oder teilweise betroffen waren und sind. Ihre Investitionsfähigkeit und -bereitschaft habe einen "starken Dämpfer" erlitten, der sich vor allem im kommenden Jahr zeigen werde.

Wirtschaftstiefbau stabilisiert den Wirtschaftsbau

Stabilisierend auf den Wirtschaftsbau wirke der Wirtschaftstiefbau. Dieser stützt sich auf die Investitionstätigkeit der Ver- und Entsorgungsunternehmen, den Breitbandausbau sowie die Investitionen der DB AG. Für die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau erwarten die Verbände im laufenden Jahr noch ein  Plus von nominal drei Prozent, das sich allerdings 2021 in ein Minus von zwei Prozent umkehren werde.

Das Umsatzvolumen werde 2021 knapp 30 Milliarden Euro erreichen, wobei der öffentliche Hochbau voraussichtlich besser durch die Krise komme als der Tiefbau. "Wir appellieren an die öffentliche Hand, ihre Investitionen weiterhin mindestens beizubehalten und mehr in die Infrastruktur zu investieren. Denn wir befürchten aus leidvoller Erfahrung, dass Investitionen auf den Prüfstand gestellt werden, wenn nach der Pandemie gespart werden muss", so Hübner. 

Um die Klimaziele zu erreichen, fordert das Baugewerbe mehr Anstrengungen seitens der Politik aber auch der Baustoffhersteller. Gefordert werden unter anderem ergänzende Rahmenbedingungen, die eine energetische Sanierung lukrativ werden lassen. Die Hersteller seien aufgefordert, in CO2-neutralere Baustoffe und Herstellungsverfahren zu investieren.

Insgesamt blicken die Bauunternehmen optimistisch in die Zukunft. Nach dem Motto: "Gebaut wird immer."

Quellen: HDB; ZDB

Text: / handwerksblatt.de

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