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Dachdecker: Trübe Aussichten trotz voller Auftragsbücher

Das Dachdeckerhandwerk leidet im zweiten Jahr in Folge unter einer Materialkrise, dazu kommen drastische Preissteigerungen. Engpässe zeichnen sich auch bei Solarmodulen ab.

Die Stimmung bei Deutschlands Dachdeckern ist eingetrübt. Die schon 2021 spürbare Verknappung wichtiger Baumaterialien - etwa Holz oder Dämmstoffe - hat sich weiter verschärft. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs spielen zudem eine große Rolle. "Die erheblichen Preissteigerungen sowie Unsicherheiten bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Lage machen unseren Betrieben zu schaffen", berichtet Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Dachdeckerhandwerks (ZVDH).

Durch die aktuell drastisch gestiegenen Preise bei Energie, Kraftstoffen und nahezu der gesamten Produktpalette im Bereich Außenwand/Dämmung, Dach- und Holzbau, Türen und Fenster, Bauchemie sowie Werkzeug sei die über die letzten vier Jahre gesehene positive Entwicklung in Gefahr, befürchtet der ZVDH.

Auftraggeber ziehen Aufträge zurück

Auch bei den Auftraggebern seien die finanziellen Mittel begrenzt, so Marx. "So kommen bereits angebahnte Bauverträge vermehrt nicht mehr zum Abschluss oder zur Umsetzung. Außerdem wird es für unsere Betriebe angesichts nie dagewesener Preisschwankungen fast unmöglich, Angebote realistisch vorzukalkulieren. Materialengpässe und schwindende Lagerbestände erschweren die Arbeit auf Baustellen."

Zwölf Monate Wartezeit bei PV-Anlagen

Diese Situation habe auch fatale Folgen für den Bau der Klimawende, denn auch auf dem Markt der Solarmodule zeichneten sich Lieferhemmnisse und Preissteigerungen ab. "Unsere Dachdeckerbetriebe berichten, teilweise mehr als zwölf Monate auf PV-Anlagen zu warten". Damit sei auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien gefährdet.

Wohnungsbau verliert an Schwung

Ulrich Marx Foto: © ZVDHUlrich Marx Foto: © ZVDH

Alle drei Bausparten seien betroffen, auch der Wohnungsbau - seit mehr als einem Jahrzehnt Impulsgeber der Bauwirtschaft - verliere an Schwung. Dazu habe auch die sich schnell ändernde Förderkulisse seitens des Bundes beitragen, "die immer noch für Unsicherheiten sorgt", kritisiert Marx. Beispielsweise liegt das angekündigte Programm "Klimafreundliches Bauen", das ab Januar 2023 starten soll, noch nicht vor.

Noch würden die Auftragspolster die schwierigen Zeiten eine Weile aufhalten können. Jetzt hänge viel davon ab, wie lange der Ukraine-Krieg und deren Folgewirkungen andauern werden, macht der Dachdeckerverband deutlich.

"Obendrein muss der Politik klar sein: Wird weniger saniert, ist dies eine ernste Gefahr für das Erreichen der Klimaziele, denn eine deutliche Zunahme der Maßnahmen bei der energetischen Gebäudesanierung ist dafür unabdingbar", so Marx weiter.

Realer Umsatzrückgang um neun Prozent

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Das Dachdeckerhandwerk erzielte 2021 einen Gesamtumsatz von 11,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2020 bedeutet das einen Rückgang um ein Prozent oder 113 Millionen Euro. Die  Preissteigerungen bei Holz und anderen wichtigen Baustoffen lagen allerdings bei knapp 20 Prozent und der Materialkostenanteil bei etwa 40 Prozent. Daher sei der Gesamtumsatz der Betriebe allerdings real um rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen, so der ZVDH. "Die Ergebnisse fielen damit auf das Niveau von vor 2018 zurück."

Auch wenn die Ertragslage vielfach als zufriedenstellend angesehen wird, hat sich die finanzielle Stabilität der Betriebe im Vergleich zu den Vorjahren verschlechtert. Immerhin: Die Insolvenzquote im Dachdeckerhandwerk liegt 2021 mit 91 Insolvenzeröffnungsverfahren (0,6 Prozent) auf einem äußerst niedrigen Niveau.

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Text: / handwerksblatt.de

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