Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer begrüßt den Vorstoß der FDP-Bundestagsfraktion, die Begabtenförderungswerke auch für beruflich Qualifizierte zu öffnen.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer begrüßt den Vorstoß der FDP-Bundestagsfraktion, die Begabtenförderungswerke auch für beruflich Qualifizierte zu öffnen. (Foto: © ZDH/Schuering)

FDP will Spitzen-Azubis besser fördern

Betriebsführung

Die Liberalen wollen den Talenten der beruflichen Bildung einen Zugang zu den Stipendien der akademischen Begabtenförderungswerke eröffnen. Der ZDH begrüßt diesen Vorstoß.

Beruflich Qualifizierte sollen – wie Studierende – eine finanzielle Förderung von 300 Euro pro Monat erhalten. Damit könnten sie etwa Lern- und Hilfsmittel anschaffen oder an Sprachkursen oder Fachtagungen teilnehmen. Das hat die FDP laut dem Informationsdienst "Heute im Bundestag" in einem Antrag formuliert. Von besonderer Bedeutung sei nach Ansicht der Liberalen die Öffnung der ideellen Förderung. Die gemeinsame Teilnahme an Programmen, Seminaren und Exkursionen würde den Erfahrungsaustausch zwischen den Talenten der beruflichen und der akademischen Bildung erweitern.

Nach den Vorstellungen der FDP sollen die Begabtenförderungswerke frei über eine Öffnung und damit verbundene Auswahlverfahren und Angebote entscheiden können. Sofern sie ihre Stipendienprogramme zunächst für mindestens zehn Prozent der Teilnehmer aus der beruflichen Bildung öffnen, sollen den Begabtenförderungswerken zusätzliche Mittel zufließen. Langfristig soll ein Prozent aller Menschen in beruflicher Aus- und Weiterbildung durch ein Begabtenförderungswerk unterstützt werden.

Ziel der Öffnung ist es, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern. Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) solle neben den 13 Begabtenförderungswerken und dem Deutschlandstipendium weiter bestehen bleiben und gestärkt werden.

Begabtenförderung endlich auf Augenhöhe

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer begrüßt den Vorstoß der FDP-Fraktion, "Spitzen-Azubis" künftig stärker zu fördern. Damit werde eine seit langem auch vom Handwerk vorgebrachte Forderung aufgegriffen, die Begabtenförderung in der beruflichen Bildung endlich auf Augenhöhe mit der akademischen Begabtenförderung zu stellen. Insbesondere die Forderung der FDP, die finanziellen Mittel deutlich aufzustocken, müsse aus Sicht des Handwerks dringend umgesetzt werden.

"Es ist für mich unverständlich, warum die Bundesregierung im Haushaltsentwurf für 2020 erneut die akademische Begabtenförderung mit 300 Millionen Euro deutlich besser ausstatten will als die Begabtenförderung in der beruflichen Bildung, die mit 61 Millionen Euro nur ein Fünftel so viel Mittel erhält", kritiert ZDH-Präsident Wollseifer. Dies sei – vor dem Hintergrund des bereits kostenlosen Studiums – den angehenden Meistern nur schwer zu vermitteln.

Die ideellen Förderangebote der akademischen Begabtenförderungswerke auch für beruflich Qualifizierte zu öffnen, wie es die FDP in ihrem Antrag vorsieht, ließe sich vergleichsweise kurzfristig umsetzen. Von dem daraus resultierenden fachlichen Austausch und der engen Vernetzung beruflich und akademisch Qualifizierter profitieren die Beteiligten selbst und ihre Betriebe. Wichtig sei jedoch, etablierte Strukturen zu stärken und den Aufbau von Parallelstrukturen zu vermeiden. "Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung und die Handwerkskammern betreuen Stipendiaten in der beruflichen Bildung seit Jahren gut und effizient."

SBB freut sich über Anerkennung

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) findet es begrüßenswert, wenn die Leistungen von beruflichen Talenten noch mehr als bisher anerkannt werden und die Begabtenförderung im Bereich der beruflichen Bildung gestärkt wird. Im Bereich der beruflichen Bildung gebe es seit langem eine Stipendienkultur mit breiter Wirkung; so etwa das seit 28 Jahren bestehende Weiterbildungsstipendium für Berufseinsteiger, ein Bundesprogramm, das sich an begabte Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung richtet. Mit aktuell rund 18.000 beruflichen Talenten in der Förderung sei es eines der größten Stipendienprogramme in Deutschland.

Weiterbildungsstipendium für Berufseinsteiger

Das Weiterbildungsstipendium richtet sich an junge Fachkräfte, die nach der erfolgreichen Erstausbildung beruflich noch mehr erreichen wollen. Für die Dauer von maximal drei Jahren können die Stipendiatinnen und Stipendiaten zurzeit jeweils 7.200 Euro für die Kosten von anspruchsvollen Weiterbildungen oder für ein berufsbegleitendes Studium abrufen. Gefördert werden fachliche Weiterbildungen, etwa die Vorbereitung auf die Meisterprüfung, aber auch fachübergreifende Lehrgänge, wie etwa ein Intensivsprachkurs oder Software-Kurse. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten profitieren vom Weiterbildungsstipendium direkt: Da ist zum Beispiel die Lackiererin, die nach dem vom Stipendium unterstützten Meisterlehrgang nun ausbildet und einen eigenen Betrieb eröffnet hat, da ist der Kunstschmied, der mit dem Stipendium Restaurierungstechniken für historische Objekte erlernen kann.

Bei der Vergabe der Weiterbildungsstipendien habe sich die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren bewährt: Stipendiengeber sei das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die SBB Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung koordiniere die Förderung bundesweit. Hinter der SBB stehen der DIHK, der ZDH und der Bundesverband der Freien Berufe mit ihrem Netzwerk an fachkompetenten Kammern, die vor Ort die Auswahl und die Förderung umsetzen.

Aufstiegsstipendium für Fachkräfte mit Praxiserfahrung

Zudem gebe es seit 2008 das Bundesprogramm Aufstiegsstipendium, eine Studienförderung, die sich an Fachkräfte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Praxiserfahrung richte. Bei der Bewerbung spiele der Schulabschluss keine Rolle, was zähle, seien die Leistungen in Ausbildung und Beruf. Die Förderung ist unabhängig vom Einkommen, neben einem Vollzeitstudium werden auch berufsbegleitende Studiengänge unterstützt. Mit regelmäßig jährlich 1.000 Neuaufnahmen gehört das Aufstiegsstipendium zu den größten Studienstipendien.

Text: / handwerksblatt.de

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