Aufkleber der Kampagne "Ich zahle faire Löhne" in einem Friseursalon.

Aufkleber der Kampagne "Ich zahle faire Löhne" in einem Friseursalon. (Foto: © LIV Friseure und Kosmetik Rheinland)

Friseure zahlen weiterhin deutlich über dem Mindestlohn

Betriebsführung

Vertrag: Der Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland und die Gewerkschaft Verdi wollen Allgemeinverbindlichkeit für neuen Tarif.

Am 1. Oktober stieg der gesetzliche Mindestlohn auf zwölf Euro die Stunde. Laut der Landesregierung und dem DGB Rheinland-Pfalz / Saarland profitieren in Rheinland-Pfalz 289.713 Beschäftigte von der Erhöhung des Mindestlohns um 1,55 Euro. Für das Friseurhandwerk im Land war das nicht genug. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben; gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel möchte man attraktiver werden.

Daher verständigte sich der Landesverband Friseure und Kosmetik Rheinland mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifvertrag, der eine Entgeltstaffelung von 13 Euro bis 17,50 Euro vorsieht, wie der Landesverband bereits Ende September informierte. Der Tarifvertrag hat eine vereinbarte Laufzeit von zwei Jahren.

Wichtiges Signal für die Friseurbranche

Der Vorsitzende Landesinnungsmeister Guido Wirtz bezeichnete den Tarifabschluss als wichtiges Signal an die Branche, dem Friseurberuf wieder mehr Attraktivität zu verleihen und zukünftig mehr Berufsnachwuchs zu gewinnen. Verdi und der Landesverband seien sich einig, die Allgemeinverbindlichkeit für diesen neuen Tarifvertrag beantragen zu wollen. 

Der neue Tarifvertrag werde vom Landesverband mit einer umfassenden Kampagne unter dem Motto "Ich zahle faire Löhne!" flankiert. Alle Innungsfriseure erhielten speziell zugeschnittene Informationen und Hilfestellungen für die Kundenansprache. "Das Friseurhandwerk muss die Kunden auf der Reise der Preisanpassungen mitnehmen. Der Kunde muss wissen, dass er mit den neuen Preisen im Salon maßgeblich daran mitwirkt, dass Fachkräfte fair bezahlt werden. Das sollte ihm sein Lieblingsfriseur wert sein", ist Guido Wirtz überzeugt.

Auch in Zukunft weiter steigende Preise

Höhere Lohnkosten, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie die steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten hätten zur Folge, dass die Preise beim Friseurbesuch auch in Zukunft weiter ansteigen würden, ist man seitens des Landesverbands überzeugt. Werde der Friseurbesuch dadurch zum Luxusgut? Guido Wirt sieht das anders: "Wenn Du denkst, ein guter Friseur ist teuer, dann hattest du noch keinen schlechten", betont Wirtz. "Denn ein Friseurbesuch ist so viel mehr als nur ein bisschen Haare schneiden. Für Sie als Kunde ist es eine kleine Auszeit vom Alltag, ein Wohlfühl-Moment, etwas was man sich gönnt, um sich schön zu fühlen."

Auch im Salon Haarmonie in Selters steht eine Preiserhöhung aufgrund der tariflichen Lohnanpassung an. Inhaber und Landesinnungsmeister Ingo Schmidt erklärt, warum es ihm wichtig ist, faire Löhne zu zahlen und was das für sein Team und seine Kunden bedeutet: "Ich mochte noch nie der Salon sein, wo die Mitarbeiter unfair behandelt werden. Die Kunden haben ein gutes Gefühl, wenn die Angestellten kommunizieren, dass die Preiserhöhung in die Lohntüte wandert."

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Text: / handwerksblatt.de