Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Besonders das verarbeitende Gewerbe ist betroffen.

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Besonders das verarbeitende Gewerbe ist betroffen. (Foto: © Mariok/123RF.com)

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Firmeninsolvenzen in Deutschland 2025 auf Rekordniveau

Betriebsführung

Im Jahr 2025 haben die Firmeninsolvenzen in Deutschland einen neuen Höchststand seit 2005 erreicht. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe. Frühindikatoren deuten auch für das erste Quartal 2026 auf hohe Insolvenzzahlen hin.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland so viele Firmeninsolvenzen verzeichnet wie seit 20 Jahren nicht mehr. Laut einer aktuellen Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften im Dezember 2025 erneut deutlich gestiegen. Im gesamten Jahr 2025 gab es mehr Firmenpleiten als in jedem Jahr seit 2005. Diese Entwicklung geht mit erheblichen und anhaltenden Einkommens- und Lohnverlusten für die betroffenen Beschäftigten einher.

Im Dezember 2025 registrierte das IWH 1.519 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Dies entspricht einem Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem Vormonat, 14 Prozent gegenüber Dezember 2024 und 75 Prozent gegenüber dem Durchschnitts-Dezember der Jahre 2016 bis 2019.

Zahl der betroffenen Arbeitsplätze und Branchen

In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Dezember mehr als 15.000 Arbeitsplätze betroffen. Das sind mehr als zwei Drittel über dem Vormonatswert, etwas unter dem Stand vom Dezember 2024 und 70 Prozent mehr als im Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.

Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland laut IWH insgesamt 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften festgestellt – der höchste Wert seit 20 Jahren. Zum Vergleich: Im Jahr der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund fünf Prozent niedriger. Etwa 170.000 Arbeitsplätze waren im vergangenen Jahr von Insolvenzen betroffen. Wie bereits im Jahr 2024 entfiel auch 2025 der größte Anteil der von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze auf das verarbeitende Gewerbe mit rund 62.000 Stellen.

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Aktuelle Ursachen und Ausblick

Nach Einschätzung des Leiters der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller, sind die aktuell hohen Insolvenzzahlen nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie und die jahrelange Niedrigzinspolitik zu erklären. "Mittlerweile aber dürften die Nachholeffekte an Kraft verloren haben. Die aktuell hohen Insolvenzzahlen spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider", erklärt Müller. Insolvenzen seien jedoch auch ein normaler Bestandteil der Marktwirtschaft, da sie zu Marktbereinigungen und Raum für zukunftsfähige Unternehmen führen.

Frühindikatoren deuten für das erste Quartal 2026 weiterhin auf sehr hohe Insolvenzzahlen hin. Das IWH analysiert monatlich aktuelle Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte und verknüpft die Daten mit den Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Die Ergebnisse des IWH-Insolvenztrends weichen nur geringfügig von den amtlichen Zahlen ab, die rund zwei Monate später veröffentlicht werden.

Methodik und Vergleich zur amtlichen Statistik
Der IWH-Insolvenztrend gilt als verlässlicher Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gemeldeten Insolvenzen für Personen- und Kapitalgesellschaften decken in der Regel mehr als 90 Prozent der betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen ab. Die amtliche Statistik umfasst dagegen alle Regelinsolvenzen, darunter auch Kleinstunternehmen und bestimmte natürliche Personen, deren volkswirtschaftliche Bedeutung jedoch gering ist.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle mit Sitz in Halle (Saale) gehört zu den führenden Einrichtungen im Bereich der Insolvenzforschung. Weitere Informationen und Methodik finden Sie unter iwh-halle.de/insolvenzforschung.

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Text: / handwerksblatt.de

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