In Deutschland wird immer noch viel mit Bargeld bezahlt. Doch die Bankfilialen, in denen die Betriebe ihre Tageseinnahmen abgeben können, werden Jahr für Jahr weniger.

In Deutschland wird immer noch viel mit Bargeld bezahlt. Doch die Bankfilialen, in denen die Betriebe ihre Tageseinnahmen abgeben können, werden Jahr für Jahr weniger. (Foto: © dolgachov/123RF.com)

Immer weniger Bankfilialen: Ein Problem für Geschäftsleute

Es gibt immer weniger Bankfilialen vor Ort, in denen sich Händler und Handwerker mit Münzrollen versorgen und ihre Tageseinnahmen abgeben können. Nach einem Bericht der Bundesbank wurde in den letzten fünf Jahren jede dritte Filiale geschlossen.

Viele Händler und Handwerker mit hohem Bargeldumsatz, wie Bäcker, Fleischer, Eiscafé-Betreiber oder Friseure, müssen inzwischen weite Wege zurücklegen, um sich mit Wechselgeld für den Tag einzudecken und um nach Geschäftsschluss ihre Tageseinnahmen zur Bank zu bringen. Das Filialnetz wird Jahr für Jahr merklich dünner.  

Laut dem von der Bundesbank Ende Juni vorgestellten Bericht zur Bankstellenentwicklung wurde in den letzten fünf Jahren beinahe jede dritte Bankstelle geschlossen. Die Anzahl inländischer Zweigstellen verringerte sich auch 2021 deutlich um fast zehn Prozent auf 21.712. Die Bundesbank führt das auf die Corona-Pandemie und die damit verbundene starke Zunahme des Onlinebankings zurück.

Nicht überall gibt es Ersatz SB-Geräte für Händler

"Und bei weitem nicht in allen Fällen wurden als Ersatz SB-Geräte für die Ausgabe von Münzrollen und zur Einzahlung der Tageseinnahmen der Händlerinnen und Händler installiert, was besonders kleine Unternehmen vor Herausforderungen stellt", sagt Zahlungsexperte Ulrich Binnebößel vom Einzelhandelsverband HDE. Insgesamt sei zu beobachten, dass sich die Kreditwirtschaft zunehmend von der Bereitstellung von Bargelddienstleistungen verabschiede.

Filial-Rückgang Die Zahl der inländischen Zweigstellen verringerte sich demnach in 2021 deutlich um fast zehn Prozent auf 21.712 nach einem Abbau von 2.567 Zweigstellen im Jahr zuvor, so der Bericht der Bundesbank.
Besonders deutlich war der Filial-Rückgang bei den Großbanken um 1.109 (minus 21,6 Prozent) auf 4.037.
Auch im Sparkassenbereich (einschließlich Landesbanken) kam es zu einem Filialabbau von 617 auf 7.911 Filialen. Mit einem Anteil von 36,4 Prozent wird hier jedoch weiterhin die größte Anzahl inländischer Zweigstellen unterhalten, so die Bundesbank. 
Im genossenschaftlichen Sektor, also vor allem die Volks- und Raiffeisenbanken, sank die Zahl der Zweigstellen um 468 auf 7.310. Hier liegt der Anteil an inländischen Zweigstellen bei 33,7 Prozent.

Binnebößel: "Die Beschaffung von Münzrollen ist inzwischen für viele kleinere Unternehmen durchaus zu einer Herausforderung geworden und auch die Abgabe der Tageseinnahmen stellt sie durch den Wegfall der Einzahlungsmöglichkeiten vor Probleme." Dabei helfe auch die Möglichkeit der Bargeldauszahlung an Kunden nicht wirklich, da diese im Gegenzug durch entsprechende Kartengebühren belegt werden. "Auch die Beauftragung von Wertdienstleistern stellt einen zusätzlichen Kostenblock dar, der zuvor meist in Eigenregie übernommen wurde."

Bargeldloses Bezahlen Bargeldlose Transaktionen bieten nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Unternehmer beziehungsweise der Unternehmerin viele Vorteile. Lesen Sie mehr.
Bäckermeister Michael Gauert hat in einer Filiale seiner Bäckerei Bulle unter anderem auch wegen der umständlichen Versorgung mit Münzgeld das Bargeld abgeschafft und damit für Diskussionen gesorgt. Lesen Sie hier, was seine Gründe dafür sind.

Handel fordert "nationale Paymentstrategie"

Der Handelsverband setze sich für die Schaffung einer nationalen Paymentstrategie der Bundesregierung ein, um Klarheit über die Gestaltung des künftigen Zahlungsmixes zu erhalten. "Es sollte eine intensive Diskussion darüber geführt werden, wieviel Bargeld in Zukunft gewünscht ist und wer die Lasten hierfür trägt," so Binnebößel. Dabei sei die Aufrechterhaltung eines effizienten Bargeldhandlings auch mit Blick auf mögliche Ausfälle der unbaren Zahlungssysteme "dringend erforderlich".

Quellen: Bundesbank; HDE

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Text: / handwerksblatt.de

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