Ulrich Leitermann - der neue Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna. Foto: © Andreas Buck

Ulrich Leitermann - der neue Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna. Foto: © Andreas Buck

Neuer Signal Iduna-Chef legt Wert auf Nachhaltigkeit

Betriebsführung

Ulrich Leitermann ist der neue Kopf der Signal Iduna. Im Gespräch mit dem Deutschen Handwerksblatt warnt der Vorstandsvorsitzende energisch vor einer Bürgerversicherung.

Signal-Iduna-Vorstandschef Ulrich Leitermann kennt die mittelständische Arbeitswelt bestens. Als Sohn eines Einzelhandelsunternehmers hat er früh mit angepackt. Das will er auch in seiner neuen Funktion als Chef der zehntgrößten Versicherung in Deutschland tun. Als ehemaliger Finanzvorstand kennt er sich mit solider Finanzierung aus. Das soll den Kunden der Signal Iduna im Land zugutekommen.

DHB: Herr Leitermann, wie ist es um die private Krankenversicherung bestellt? Bekommen wir eine Bürgerversicherung?
Ulrich Leitermann: Die private Krankenversicherung ist gut aufgestellt. Gesundheit wird teuer, aber das ist nicht nur ein Thema für uns, sondern auch für die gesetzliche Krankenversicherung. Wir stellen fest, dass es für Personen ab einem Lebensalter von 65 Jahren im Durchschnitt Beitragsrückgänge gibt – wegen der Altersrückstellungen. Die Krankenversicherer der Signal Iduna konnten dieses und werden im nächsten Jahr die Beiträge komplett stabil halten. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es in der Altersgruppe von 55 bis 65 Jahren erkennbare Steigerungen gibt.

DHB: Liegt das an den Anforderungen der Versicherten?
Leitermann: Wir sprechen von einer medizinischen Inflation, weil sich die Leistungen in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert haben. Deutschlands Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Wenn jetzt Versicherte immer mehr diese Spitzenleistungen haben wollen, muss das bezahlt werden. Das hat natürlich seinen Preis.

"Wir legen absoluten Wert auf Nachhaltigkeit"

HandwerkDHB: Dennoch schielen die Verfechter der Bürgerversicherung auf die Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherung.
Leitermann: Das ist ja keine Überraschung, schließlich geht es um 180 Milliarden Euro. Doch die Portabilität für Bestandsversicherte vor 2009 ist aus unserer Sicht absolut unsolidarisch, die Altersrückstellung gehört dem Kollektiv und darf ihm nicht entzogen werden. Alternativ können wir aber das Thema Tarifwechsel beim jeweiligen Versicherten noch klarer anbieten, noch transparenter machen – und können den Versicherten sicherlich noch passgenauere Angebote machen. Wichtig ist hier im Vorfeld eine professionelle Beratung. Sonst bereut man den Wechsel schnell. Außerdem ist die Union für das duale System der Krankenkassen, insofern erwarte ich nicht, dass das Projekt der SPD eine Mehrheit findet.

DHB: Die Lebensversicherung, lange als die Ergänzung zum staatlichen Rentensystem hochgelobt, hat die Krisen der vergangenen Jahre besonders gespürt. Die Rendite ist schlechter geworden. Sie haben einmal die Bankenlastigkeit Ihrer Konkurrenz getadelt. Was unterscheidet Sie von anderen?
Leitermann: Wie der ein oder andere Mitbewerber das eingezahlte Geld angelegt hat, ist für mich schwer nachvollziehbar. Wir legen absoluten Wert auf Nachhaltigkeit, denn wer zu gewagt agiert, wird irgendwann von seinen unseriösen Anlagen eingeholt. Wir haben einen breiten Mix an Anlagen mit soliden Erträgen, etwa auf dem Immobilienmarkt. Unsere Immobilienquote ist mit rund sieben Prozent doppelt so hoch wie der Marktdurchschnitt, in der Lebensversicherung liegen wir mit neun Prozent in Hypothekendarlehen ebenfalls über dem Markt.

DHB: Die Außenwirkung ist eine andere ...
Leitermann: ... wobei Politik und vermeintliche Verbraucherschützer niemandem einen Gefallen tun, wenn sie Lebensversicherungen auf Dauer schlechtreden. Das entspricht auch nicht den Tatsachen, die Rendite ist solide! Wir müssen das nur klarer in der Öffentlichkeit darstellen. Leider ist das Thema Versicherung nicht so attraktiv und so begehrt wie Ihr Kalender mit den jungen Handwerkern und Handwerkerinnen (Germany's Power People, Anm. d. Redaktion).

"Ich weiß, was es heißt zu arbeiten!"

Handwerk DHB: Das bietet uns die Chance zu fragen, wie die Signal Iduna künftig ihre Rolle gegenüber dem Handwerk sieht?
Leitermann: Themen, die das Handwerk betreffen, sind auch unsere Themen. Wir sind eine handwerkliche Gründung und daher dem Handwerk per se nah. Ich komme aus einem mittelständischen Betrieb des Textileinzelhandels. Deshalb weiß ich, wovon der Handwerksunternehmer als Mittelständler spricht. Ich weiß um die täglichen Nöte, Anforderungen und Herausforderungen – gerade auch wenn der Generationswechsel ansteht. Das Großwerden und die Mitarbeit in einem solchen Betrieb haben mich in meiner ganzen Auffassung geprägt. Ich weiß, was es heißt zu arbeiten!

DHB: Wird der Außendienst künftig überflüssig, wenn die Menschen immer häufiger das Internet als Berater nutzen?
Leitermann: Wir bieten Qualitätsprodukte, die unabdingbar mit einer sehr guten Beratung verbunden sind. Natürlich müssen wir uns auf das veränderte Kommunikationsverhalten einstellen und sind dabei, entsprechende Kommunikationskanäle zur Ansprache zu nutzen. Aber wir werden weiterhin neben den elektronischen Medien auf persönliche Beratungen setzen.

DHB: Wie sehen Sie die Kooperation mit den Innungskrankenkassen?
Leitermann: Die Zusammenarbeit ist für uns strategisch bedeutend und noch ausbaufähig. Ich bin da sehr optimistisch, vor allem mit Blick auf das Leistungsangebot für die Versicherten.

Das Gespräch führten Rüdiger Gottschalk und Stefan Buhren/ Fotos: © Andreas Buck

Text: / handwerksblatt.de

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