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So schützen Sie Ihre Mitarbeiter vor dem Burn-out

Betriebsführung

Erkrankt einer Ihrer Mitarbeiter an Burn-out, kann das auch für einen Betrieb im Handwerk schwierig und teuer werden. Darum sollten Sie Warnsignale rechtzeitig erkennen und Risiken vorbeugen.

Wovon bis vor ein paar Jahren die meisten Menschen noch nie etwas gehört hatten, ist als Ursache für langfristige Arbeitsunfähigkeit auch durch prominente Beispiele heute kein Tabu mehr: Burn-out. Aber handelt es sich dabei um eine reine Manager-Krankheit oder kann es in einer Zeit, in der überall immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit erledigt werden muss, jeden treffen? Und wie können Unternehmer sich und ihre Mitarbeiter davor schützen? Nach Angaben der größten deutschen Innungskrankenkasse IKK classic nahmen psychische Erkrankungen 2010 Platz vier in der Statistik der häufigsten Krankheitsursachen ein. Ihr Anteil hat außerdem in den letzten Jahren ständig zugenommen. Dazu kommt, dass sie oft zu überdurchschnittlich langen Fehlzeiten führen.

Burn-out wird bei der IKK classic bisher zwar noch bei einem geringen Anteil der im Handwerk beschäftigten Versicherten als Hauptursache für eine Erkrankung genannt. Doch im Vergleich zu 2004 betrug der Anstieg im vergangenen Jahr annähernd 500 Prozent – mit Fehlzeiten von durchschnittlich 21 Tagen. "Gerade im Handwerk treffen wir aktuell auf große Aufmerksamkeit, wenn wir Veranstaltungen zum Umgang mit psychischen Belastungen durchführen", stellt Katja Keller-Landvogt, Diplom-Pädagogin und Präventionsfachfrau bei der IKK classic, fest.

Die Präventions-Expertin rät Unternehmern und Führungskräften in diesen Fällen zum offenen, aber vertraulichen Gespräch mit dem Mitarbeiter: "Hierzu muss ein Termin vereinbart werden, ohne dass die Kollegen den Grund dafür erfahren. Dabei sollten nur konkrete, belegbare Fakten und keine Vermutungen geäußert werden. Wichtig ist, dem Mitarbeiter zu vermitteln, dass es um Hilfe und Unterstützung, nicht um Vorwürfe geht." Im ersten Schritt sollte mit dem Mitarbeiter gemeinsam erkundet werden, ob und warum er sich psychisch belastet fühlt. Als konkrete Maßnahmen können dann beispielsweise Tages- und Arbeitsabläufe hinterfragt, Aufgaben delegiert, Verantwortlichkeiten umorganisiert und Arbeitszeiten neu geregelt werden. Ergänzend helfen Kurse zu Zeitmanagement oder Entspannungstechniken.

Doch auch der betroffene Mitarbeiter ist gefragt: Er muss das Problem erkennen und darauf achten, sich nicht zu viel zuzumuten. Es liegt auch in seiner Verantwortung, Arbeits- und Pausenzeiten einzuhalten, Sport, Urlaub und soziale Kontakte als Ausgleich zu nutzen und ausreichend Zeit für sein Privatleben einzuplanen. "Darüber hinaus kann ein Besuch beim Arzt oder Verhaltenstherapeuten ein guter Weg für den Mitarbeiter sein, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit wiederzufinden", so Keller-Landvogt.

Unterstützung und Informationen können Unternehmer und ihre Mitarbeiter auch bei den Krankenkassen erhalten. Diese bieten etwa Informationsveranstaltungen zum Thema Burn-out oder Kurse zu Entspannungstechniken an. Außerdem bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Informationen zu psychischen Belastungen im Arbeitsleben sowie praktische Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Stress für die gesamte Belegschaft an.

Text: Erika Strauß

Fragen Sie den betroffenen Mitarbeiter, ob er sich in diesen Aussagen wiederfindet. Ist dies bei mehr als fünf Punkten der Fall, muss gehandelt werden, rät die Krankenkasse IKK classic.

  1. Durch meine Arbeit bleibt mir kaum Zeit für private Kontakte und für meine Hobbys.
  2. Ich bin dauernd müde. Schon morgens beim Aufstehen fühle ich mich zerschlagen.
  3. Manchmal habe ich das Gefühl, nur zu "funktionieren".
  4. Ich habe das Interesse an meiner Arbeit verloren. Sie frustriert mich nur noch.
  5. Meine Leistung wird nicht genügend anerkannt.
  6. Ich schlafe oft schlecht.
  7. In der letzten Zeit bin ich reizbar, nervös und ruhelos.
  8. Ich habe Angst, dass mir alles über den Kopf wächst. Meine To-Do-Listen und Stapel mit unerledigter Arbeit werden immer größer.
  9. Meine Kollegen unterstützen mich nicht. Ich muss mich um alles selbst kümmern.
  10. Ich bin oft krank. Kopfschmerzen, Erkältungen, Magenprobleme machen mir besonders zu schaffen.
  11. Abends brauche ich häufig Alkohol, um abzuschalten und mich entspannt zu fühlen.
  12. Zu etwas Neuem kann ich mich nicht aufraffen.
  13. Es fällt mir immer schwerer, mich zu konzentrieren.

 

Die Zahlen und Fakten zum Thema Burn-out sollten Unternehmer alarmieren:

  • Von rund einer Million berufstätigen Versicherten der Innungskrankenkasse IKK classic waren 8,3 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr 2010 auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Diese lagen damit auf Platz 4 der Krankheitsursachen.
  • Bei den im Handwerk beschäftigten Versicherten der IKK classic wurde Burn-out 2010 fast sechsmal so häufig wie 2004 als Hauptursache für eine Erkrankung diagnostiziert. Die durchschnittliche Falldauer stieg dabei in diesem Zeitraum von 13,5 auf 21,3 Tage an.
  • Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen lagen laut AOK 2010 mit 23,4 Tagen ungefähr doppelt so hoch wie der Durchschnitt mit 11,6 Tagen.
     
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  • Laut AOK Bundesverband ist zwischen 2004 und 2010 die Zahl der Krankheitstage wegen Burn-out fast um das Neunfache angestiegen
  • Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat ermittelt, dass ein Tag Arbeitsunfähigkeit ein Unternehmen durchschnittlich mit 163 Euro (2009) belastet.
  • Der deutschen Wirtschaft entsteht jährlich ein Schaden von 43 Milliarden Euro durch Arbeitsunfähigkeit. Die gesamten Folgekosten psychischer Fehlbelastung werden auf zehn Milliarden Euro geschätzt.
  • Maßnahmen zu Arbeits- und Gesundheitsschutz werden in erster Linie aufgrund gesetzlicher Bestimmungen eingeführt. Das ergab eine Umfrage der Dekra unter 600 Unternehmen.
Text: / handwerksblatt.de

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