Wie Handwerker trotz steigender Zinsen ihre Kreditkosten senken
Die Zinssätze auf Geschäftskonten klettern in die Höhe und treffen auch Handwerksbetriebe. Es gibt aber günstige Alternativen zum Überziehungskredit.
Viele kleine Zinsschritte können bei Überziehungskrediten schnell zu spürbaren Mehrkosten führen. Wir beleuchten das Beispiel eines Handwerksbetriebs, der durch wiederholte Zinserhöhungen deutlich höhere Ausgaben verzeichnet und deshalb nach Alternativen sucht.
Steigende Kosten durch Überziehungskredite
Wenn Banken die Zinsen für Überziehungskredite auf dem Geschäftskonto anheben, können bereits wenige Erhöhungen massive Folgen haben. Sebastian W., Inhaber eines Handwerksbetriebs, musste das feststellen, als der Zinssatz auf seinem Geschäftskonto in zwölf Monaten von 7,25 Prozent auf 9,25 Prozent stieg. Die Bank begründete diese Zinserhöhungen mit einer neuen Bewertung seiner Kreditwürdigkeit. Für Sebastian W. bedeutete das binnen eines Jahres zusätzliche Ausgaben von rund 1.000 Euro. Besonders ärgerlich erschien ihm, dass er trotz regelmäßig pünktlicher Rückzahlungen plötzlich als höheres Risiko eingeschätzt wurde.
Ungünstige Kreditnutzung
Der Unternehmer nutzte den Überziehungskredit traditionell, um laufende Kosten abzudecken. So bezahlte er kurzfristig Gehälter seiner Mitarbeitenden sowie Investitionen in das Firmengebäude damit. Obwohl die Bank ihm wiederholt eine Umschuldung empfahl, schob er die Entscheidung aus Zeitmangel vor sich her. Angesichts der gestiegenen Zinsen beschloss er jedoch, nun gegenzusteuern. Bei der Durchsicht seiner Unterlagen fiel ihm auf, dass das letzte umfassende Gespräch mit der Bank fast zwei Jahre zurücklag. Damals vereinbarten beide Seiten, sich alle sechs Monate über strategische Themen auszutauschen. In der Praxis unterblieben diese Treffen, da beide Partner mit der Geschäftsbeziehung offenbar zufrieden waren.
Eigenkapital aufbauen
Beim Lesen alter Aktennotizen erinnerte sich Sebastian W., dass die Bank ihm bessere Kreditkonditionen und eine Verbesserung seines Scorings zugesagt hatte, sofern er sein Eigenkapital schrittweise erhöht. Zwar erreichte er dieses Ziel im vorletzten Jahresabschluss, eine Rückmeldung der Bank zu einer verbesserten Bewertung blieb jedoch aus. Sebastian W. sieht sich auch selbst in der Verantwortung und versäumte es, aktiv Kontakt zur Bank zu suchen. Erst die erneute Zinserhöhung veranlasste ihn, tätig zu werden.
Strategie zur Umschuldung
Der Unternehmer will nun gemeinsam mit seinem Steuerberater sowohl den Bankkundenberater als auch den Verantwortlichen für das Kreditmanagement zu einem Gespräch bitten. Ziel ist eine zinsgünstige Umschuldung. Erste Überlegungen betreffen beispielsweise einen Geldmarktkredit, den Sebastian W. schon vor Jahren einmal nutzte und der damals günstiger war als der Überziehungskredit.
Sein Steuerberater erstellt eine Übersicht über sämtliche Kosten für die Instandhaltung des Firmengebäudes. Den daraus resultierenden Betrag möchte Sebastian W. mit einem mittelfristigen Darlehen umschulden. So senkt er die Kreditzinsen und tilgt diese Verbindlichkeiten kontinuierlich. Der Überziehungskredit bleibt dann nur noch für echte kurzfristige Zahlungen im Einsatz.
Beim Bankgespräch soll zudem das Scoring thematisiert werden: Der Steuerberater soll anhand der Entwicklung des Eigenkapitals eine Verbesserung belegen und aktuelle Informationen zur Bewertung fordern. Bislang ist nicht klar, wie die Bank die einzelnen Faktoren gewichtet; beim letzten Gespräch verwies die Bank auf eine nicht ausgereifte Bewertungsmethodik, was sich aber inzwischen geändert haben dürfte.
Checkliste für Kreditnehmer
- Regelmäßige Kommunikation zwischen Kunde und Bank führt zu besseren Ergebnissen. Sie sollten deshalb mindestens jährlich ein Gespräch über die Geschäftsentwicklung führen, unabhängig davon, wer es initiiert.
- Angesichts hoher Zinsen auf dem Geschäftskonto empfiehlt es sich, gemeinsam mit der Bank Alternativen wie Geldmarktkredite zu prüfen.
- Denken Sie daran: Überziehungskredite eignen sich grundsätzlich nicht für längerfristige Finanzierungen.
- Prüfen Sie bei größeren Investitionen frühzeitig die Aufnahme zinsgünstigerer Kredite mit längerer Laufzeit. Öffentliche Kreditgeber wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder Landesbanken bieten auch kleinen und mittleren Betrieben attraktive Konditionen. Die spezialisierten Berater der Hausbanken finden abhängig von der jeweiligen Situation passende Lösungen aus einem breiten Darlehensangebot.
Die Berater in den Handwerkskammern helfen Ihnen bei Fragen gerne weiter!
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Text:
Michael Vetter /
handwerksblatt.de
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