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Tarifeinigung im Baugewerbe: Streiks beendet

Tarifeinigung im Baugewerbe: Arbeitgeberverbände und die IG Bau haben sich auf eine dreistufige Lohnerhöhung geeinigt. Bis 14. Juni können die Gremien zustimmen. So lange soll es keine weiteren Streiks geben.

Nach wochenlangen Verhandlungen, einer geplatzten Schlichtung und Warnstreiks haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft im Tarifkonflikt in der Baubranche auf einen Einigungsvorschlag verständigt. Die zuständigen Gremien haben bis zum 14. Juni 2024 Zeit, diesem Vorschlag zuzustimmen. Bis dahin werden Arbeitskampfmaßnahmen ausgesetzt. Die Tarifvertragsparteien sind die IG Bauen-Agrar-Umwelt, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (Bauhandwerk), die die Einigung in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt gegeben haben.

Das ist der Einigungsvorschlag:

Bei einer Laufzeit von drei Jahren ab dem 1. April 2024 ist eine dreistufige Lohn- und Gehaltserhöhung vorgesehen.

Erste Stufe ab Mai 2024

  • In der ersten Stufe werden die Löhne und Gehälter mit Ausnahme der Lohngruppe 1 (Ost und West) ab dem 1. Mai 2024 um 1,2 Prozent im Westen und um 2,2 Prozent im Osten angehoben.
  • Die Lohngruppe 1 (einfache Bau- und Montagetätigkeiten, für die keine Qualifikation vorausgesetzt wird) soll bundeseinheitlich um 2,2 Prozent erhöht werden. 
  • Alle Lohn- und Gehaltsgruppen erhalten zusätzlich einen tabellenwirksamen Festbetrag von 230 Euro monatlich.

Zweite Stufe ab April 2025

  • Ab dem 1. April 2025 ist in der zweiten Stufe eine weitere prozentuale Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,2 Prozent im Westen und 5,0 Prozent im Osten vorgesehen.
  • In der 1. Lohngruppe erfolgt die Erhöhung bundeseinheitlich in Höhe von 5,0 Prozent.

Dritte Stufe ab April 2026

  • Die dritte Stufe sieht ab dem 1. April 2026 eine Erhöhung aller Lohn- und Gehaltsgruppen um 3,9 Prozent im Westen und die Anhebung der Löhne und Gehälter im Osten auf das Niveau des Tarifgebietes West vor. Damit soll die Ost-West-Angleichung vollzogen werden. 

Mehr Geld auch für Auszubildende

Um die Attraktivität der Ausbildung zu steigern, soll die Vergütung für das erste Ausbildungsjahr für alle Ausbildungsberufe bundeseinheitlich ab dem 1. Mai 2024 auf 1.080 Euro erhöht werden. Für die weiteren Ausbildungsjahre sind ebenfalls Erhöhungen vorgesehen. Außerdem soll eine stärkere Annäherung der Ausbildungsvergütung der technisch-kaufmännischen Ausbildungen an die der gewerblichen Ausbildungen erfolgen.

Zum 1. April 2026 sollen die Ausbildungsvergütungen im Westen erneut um 3,9 Prozent angehoben und die Ost-West-Angleichung vollzogen werden.

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Stimmen zur Tarifeinigung:

Robert Feiger, Bundesvorsitzender der IG BAU:

"Dieses Ergebnis liegt im Volumen oberhalb des Schlichterspruches, das haben wir immer gefordert. Es waren die Baubeschäftigten, die sich dieses Ergebnis erstreikt haben. Sie waren wütend und haben das lautstark zum Ausdruck gebracht. Ich kann mit Überzeugung unseren Gremien empfehlen, dem neuen Vorschlag zuzustimmen. Und ich bin froh, dass wir jetzt uns wieder den anstehenden Aufgaben in Deutschland mit voller Kraft zuwenden können: Wohnungen bauen, Brücken sanieren, Anlagen für erneuerbare Energien erstellen und vieles andere mehr." 

Uwe Nostitz, Vizepräsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe und Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite:

"Je schneller sich unsere Betriebe mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder gemeinsam auf das Bauen konzentrieren können, desto besser für die gesamte Branche. Uns als Arbeitgeber war es besonders wichtig, dass unser Vorschlag zur Anhebung der Ausbildungsvergütungen jungen Menschen nun eine attraktive Perspektive bietet und es uns gelungen ist, die Ost-West-Angleichung schon früher als geplant zum 1. April 2026 zu vollziehen."

Jutta Beeke, Vizepräsidentin Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und alternierende Vorsitzende der gemeinsamen Verhandlungskommission:

"Den Streik nach dem abgelehnten Kompromiss des Schlichters mit einem zweiten Kompromiss zu beenden, war wichtig und richtig. Ich bin froh, dass wir in der ersten Stufe die Systematik etwas anpassen konnten, weil damit in den höheren Entgeltgruppen etwas mehr erreicht wird. Das Erreichen einer Laufzeit von 36 Monaten schafft Planungssicherheit und ist für unsere Unternehmen speziell im Hinblick der angespannten Auftragslage von immenser Bedeutung."

Quelle: ZDB; HDB; IG BAU

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Text: / handwerksblatt.de

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