Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (Mitte) haben sich einen Eindruck davon verschafft, wie vier Auszubildende bislang die Corona-Pandemie gemeistert haben. An dem Gespräch war auch ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer beteiligt (links unten).

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (Mitte) haben sich einen Eindruck davon verschafft, wie vier Auszubildende bislang die Corona-Pandemie gemeistert haben. An dem Gespräch war auch ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer beteiligt (links unten). (Foto: © Screenshot)

Azubis sprechen mit Steinmeier über Corona und ihre Ausbildung

Bildung

"Wie geht’s Ihnen in dieser Zeit?" Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben vier Azubis in einem Videochat dazu befragt, wie sie bislang durch die Corona-Krise gekommen sind.

Mehr als eine Stunde Zeit haben sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender am 26. Februar genommen, um Vanessa Imhof (Auszubildende zur Friseurin), Marco Schmider (frisch gebackener Maler- und Lackierer-Geselle), Olena Severyn (Auszubildende zur Hotelkauffrau) und Luise Kinon (Auszubildende zur Veranstaltungstechnikerin) per Videochat über ihre Situation in der Pandemie zu befragen. Zudem kamen DIHK-Präsident Eric Schweitzer und Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer zu Wort. 

Distanzunterricht – mal besser, mal schlechter

An der Praxis mangelte es Marco Schmider in den vergangenen Monaten nicht. "Die Auftragslage ist bei uns weiterhin sehr gut, vielleicht sogar ein bisschen zu gut", sagt der Maler und Lackierer, der bereits im Januar die Prüfung bestanden hat. Corona habe aber dazu geführt, dass die Zwischen- und Abschlussprüfung ziemlich nah beieinander gelegen hätten. Dem Distanzunterricht an der Berufsschule über "Teams" stellt er ein gutes Zeugnis aus. Dies habe man vorher ausführlich getestet, und es habe gut funktioniert. Den Präsenzunterricht hätte er aber gerade vor der Prüfung dem Online-Unterricht vorgezogen. Er fühlt sich deshalb "nicht so gut vorbereitet". Auch die praktische Unterweisung, die normalerweise nach dem theoretischen Teil an der Berufsschule am Nachmittag an der Reihe gewesen wäre, hat ihm gefehlt. "Verschiedene Techniken kann man halt nicht Zuhause üben."   

"System ist ständig abgestürzt"

Nicht "ganz so cool" hat der Berufsschulunterricht bei Vanessa Imhof geklappt. Dies führt die angehende Friseurin aus Sachsen zum einen auf technische Gründe zurück, denn das "System ist ständig abgestürzt". Den theoretische Stoff zu bewältigen sei ihr als Mutter aber auch schwergefallen, da der Kindergarten geschlossen war und sie nebenher ihre zweijährigen Zwillinge zu versorgen hatte. "Unter diesen Bedingungen war Homeschooling sehr schwierig bis unmöglich", erklärt die junge Sächsin.

Im Juni steht für sie die Abschlussprüfung an. Da die Auszubildende die Abschlussklasse besucht, durfte sie zuletzt wieder am Präsenzunterricht an der Berufsschule teilnehmen. Es habe ihr geholfen, den verpassten Stoff in den vergangenen drei Wochen nachzuholen, auch wenn es innerhalb dieser kurzen Zeit "sehr viel" gewesen sei.  Der Prüfung sieht Vanessa Imhof mit einem mulmigen Gefühl entgegen. "Uns fehlt wahnsinnig viel Praxis." Kosmetik und Nageldesign führt sie als Beispiele an. Insofern ist sie froh, dass ihre Mutter und sie den Salon am 1. März wieder öffnen dürfen. 

6.000 ausgefallene ÜLU-Kurse

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/SchueringZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer Foto: © ZDH/Schuering

"Neben den Friseuren und Kosmetikern hatten wir auch in vielen anderen Bereichen Probleme, die Ausbildung vollinhaltlich durchzubringen", erklärt Hans Peter Wollseifer. Denn nicht nur die Berufsschulen, sondern auch die Überbetriebliche Ausbildungszentren seien geschlossen gewesen. "Alleine beim ersten Lockdown haben wir 6.000 ÜLU-Lehrgänge nicht durchführen können", so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Damit die jungen Leute vollinhaltlich in ihrem Berufsbild ausgebildet werden können, müssten diese nun nachgeholt werden. Dazu bräuchte man "schnellstmöglich eine Öffnung der Berufsbildungsstätten". 

Bildungsstätten möglichst wieder öffnen

Selbst während der Corona-Pandemie konnten fast überall die Prüfungen abgenommen werden. Das soll auch weiterhin gelingen. Man wolle versuchen, möglichst viele Kurse vor der Gesellenprüfung durchzuführen. "Das bringt natürlich mit sich, dass wir Probleme bei der Terminkoordination in den Bildungsstätten haben, weil dort Tausende junge Leute durchlaufen werden", skizziert Wollseifer die Lage. Um dies zu ermöglichen, würden die Bildungsstätten in der Woche länger oder auch am Samstag geöffnet. "Ob wir die Lehrinhalte vermitteln können, hängt vor allem von der Öffnung der Bildungsstätten ab. Von daher wünschen wir uns wieder ein Stück weit Normalität."

Ausbildungsprogramm: "Viel zu hohe Hürden"

Das im Spätsommer aufgelegte Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" hält der ZDH-Präsident insgesamt für einen Schritt, der in die richtige Richtung geht. Es sei in der Antragstellung aber "zu kleinteilig". Außerdem seien die Hürden "viel zu hoch", so dass die Ausbildungsbetriebe daran kaum partizipieren könnten. Zurzeit seien es nur 29.500 Betriebe. Wollseifer beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ob das Förderprogramme für das Ausbildungsjahr 2021/2022 verlängert wird, muss politisch noch beschlossen werden. Der ZDH und der DIHK seien in Gesprächen mit der Bundesregierung. Um die Ausbildungsbetriebe zu entlasten, seien jedoch strukturelle Verbesserungen notwendig. 

Sorgenvoller Blick aufs neue Ausbildungsjahr

Dem kommenden Ausbildungsjahr sieht Wollseifer mit "großen Sorgen" entgegen. Der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sei um über 10.000 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das ist ein Minus von 7,5 Prozent. "Die Januar-Zahlen sind schon bedrückend. Ich fürchte, dass wir das im Laufe des Jahres nicht mehr aufholen werden – im Gegenteil!" 

Text: / handwerksblatt.de

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