Ein junger Schornsteinfeger misst im Keller die Werte einer Heizungsanlage aus.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung dürfte bei der Berufswahl eine Rolle spielen. Die Schornsteinfeger konnten 2021 gehörig Boden gutmachen. Der Zuwachs lag dem BIBB zufolge bei rund 20 Prozent auf 719 Euro. Getoppt wurde dieser Wert nur von den Steinmetzen und Steinbildhauern mit einem Plus von über 50 Prozent auf durchschnittlich 968 Euro. (Foto: © Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks)

Ausbildungsvergütungen stiegen 2021 weniger stark an

Bildung

Die Corona-Pandemie hat den Anstieg der tariflichen Ausbildungsvergütungen im Jahr 2021 gedämpft. Die stärksten Zuwachsraten beobachtete das Bundesinstitut für Berufsbildung in zwei Handwerksberufen.

987 Euro brutto im Monat erhielten Auszubildende über alle Ausbildungsjahre hinweg durchschnittlich an tariflicher Ausbildungsvergütung im Jahr 2021. Auszubildende in Westdeutschland lagen dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zufolge mit 989 Euro leicht über dem Durchschnittswert. Demgegenüber erhielten Auszubildende in Ostdeutschland 965 Euro. Dort seien 98 Prozent der westdeutschen Vergütungshöhe erreicht worden, so das BIBB in seiner jährlichen Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen. 2021 ist der prozentuale Anstieg niedriger ausgefallen. Das Plus lag im Durchschnitt bei 2,5 Prozent. In den Vorjahren hatte es teilweise über drei Prozent betragen. 

Deutliche Unterschiede

Die Ausbildungsvergütungen unterscheiden sich deutlich zwischen den Ausbildungsbereichen. Über dem Durchschnittwert von 987 Euro brutto im Monat lagen der öffentliche Dienst mit 1.095 Euro sowie in Industrie und Handel mit 1.039 Euro.

Unterm Strich befanden sich die Landwirtschaft mit 936 Euro, die freien Berufe mit 911 Euro und das Handwerk mit 882 Euro. "Im Vergleich zum Jahr 2020 stiegen im Handwerk (+3,8 Prozent) und in der Landwirtschaft (+4,2 Prozent) die Ausbildungsvergütungen stärker an als im Gesamtdurchschnitt (+2,5 Prozent)", so das BIBB.

Hohe Vergütungen

Erhebliche Unterschiede in der Vergütungshöhe bestehen zwischen den Ausbildungsberufen. Die höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen wurden dem BIBB zufolge bei den Zimmerern mit monatlich 1.251 Euro gezahlt. Weitere 16 Berufe lagen ebenfalls über 1.100 Euro, darunter aus dem Handwerk die Maurer und Straßenbauer mit durchschnittlich 1.196 Euro beziehungsweise 1.177 Euro. Insgesamt habe rund die Hälfte der Auszubildenden, die in einem tarifgebundenen Betrieb lernten, 2021 eine Ausbildungsvergütung von mehr als 1.000 Euro erhalten, sieben Prozent sogar mehr als 1.200 Euro.

Niedrige Vergütungen

Den höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen stellt das BIBB auch Berufe gegenüber, in denen die Auszubildenden weniger als 800 Euro im bundesweiten Durchschnitt erhalten haben. Darunter fallen 22 Berufe, die meisten davon aus dem Handwerk. Tischler kamen auf 786 Euro, Glaser auf 777 Euro, Friseure auf 650 Euro und Orthopädieschuhmacher auf 637 Euro. Bei 16 Prozent der Auszubildenden haben die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2021 unterhalb von 800 Euro gelegen.

Starkes Gefälle im Handwerk

Das Gefälle bei den tariflichen Ausbildungsvergütungen war im Handwerk laut der Analyse des BIBB besonders groß. In zehn Berufen seien hohe tarifliche Ausbildungsvergütungen von im Durchschnitt mehr als 1.000 Euro gezahlt worden. Zugleich lagen bei 17 Handwerksberufen die Vergütungen unter 800 Euro. Im besetzungsstärksten Ausbildungsberuf Kraftfahrzeugmechatroniker habe die durchschnittliche Vergütung mit 916 Euro über dem Durchschnittswert für den Handwerksbereich, aber doch deutlich unter dem gesamtdeutschen Durchschnittswert von 987 Euro gelegen.

Übersicht Eine tabellarische Gesamtübersicht über die für 2021 ermittelten Vergütungsdurchschnitte in den erfassten Berufen ist abrufbar auf den Internetseiten des BIBB. Wie sich die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2020 und 2019 entwickelt haben, können Sie in den Online-Artikeln "Ausbildungsvergütungen steigen schwächer als in den Vorjahren" und "Azubis haben wieder mehr Geld auf dem Konto" auf handwerksblatt.de nachlesen.

Höchste Zuwachsraten

Unter allen Ausbildungsberufen, für die Auswertungen möglich sind, hat das BIBB im Vergleich zum Jahr 2020 die höchsten Anstiege für zwei Handwerksberufe ermittelt:

Bei den Schornsteinfegern, die im Vorjahr noch die insgesamt niedrigste Vergütung aller Berufe aufwies, betrug der Zuwachs rund 20 Prozent (von 599 Euro auf 719 Euro).

Noch deutlicher fiel er bei den Steinmetzen und Steinbildhauern mit über 50 Prozent aus – hier wurden in den Tarifverhandlungen 2021 für alle Ausbildungsjahre Erhöhungen von deutlich über 300 Euro vereinbart. Dies führte dazu, dass im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre die tarifliche Ausbildungsvergütung nun bei 968 Euro liegt (2020: 628 Euro).

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung

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Text: / handwerksblatt.de