Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Dortmund

Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Dortmund (Foto: © HWK Dortmund)

3 Fragen an . . . Geschäftsführerin Olesja Mouelhi-Ort

Im Kurzinterview spricht die Geschäftsführerin der Handwerkskammer Dortmund Olesja Mouelhi-Ort über Neuerungen in Ausbildungsberufen des dualen Systems.

Für alle neu geregelten Ausbildungsberufe des dualen Systems sind ab August 2021 vier Themenfelder verpflichtend: Digitalisierung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sowie Organisation des Ausbildungsbetriebs, Arbeits- und Tarifrecht. Damit soll sichergestellt werden, dass Auszubildende als angehende Fachkräfte berufsübergreifende Kompetenzen erwerben, die eine immer größere Rolle spielen.

Dazu drei Fragen an Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin bei der Handwerkskammer Dortmund.

Inwieweit spielen die vier Themenfelder schon eine Rolle in der Ausbildung?
Olesja Mouelhi-Ort: Sie sind natürlich schon Bestandteil der Berufsbildung, aber jetzt bekommen sie einen neuen Stellenwert. In den letzten zwei Jahrzehnten haben viele digitale Entwicklungen Einzug in die Ausbildung gehalten. In manchen Berufen mehr, in manchen weniger. Man kann sich nur noch schwer vorstellen, wie es ohne all‘ die Möglichkeiten ging. So zeigt sich etwa jetzt, in Zeiten der Pandemie, ganz deutlich, wie wichtig zum Beispiel digitale Medien für die betriebliche Organisation sind. Doch nicht nur die fortschreitende Digitalisierung steht bei der Ausbildung im Fokus. Gerade auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen eine immer größere Rolle. Deshalb ist es absolut richtig, diese Inhalte konkret in den Berufsbildern zu verankern. Die Ergänzung kommt genau zur rechten Zeit, denn die Generation Greta fordert ja genau das auch ein. Damit in direkter Verbindung stehen dann wiederum Gesundheit, Sicherheit und Organisation. Es greift praktisch eins ins andere. Das passt perfekt!

Eine ganze Reihe von Ausbildungsberufen wird gerade upgedatet, neue entstehen. Wie sieht es im Handwerk aus?
Olesja Mouelhi-Ort: Vor allem digitale Entwicklungen haben wachsenden Einfluss auf die Berufe. Ein Beispiel: Die Neuordnung für die Elektronik-Berufe. Interessierte haben jetzt etwa die Möglichkeit, "Elektroniker für Gebäudesystemintegration" zu werden. Wer sich für Themen wie Energiewende, Elektromobilität und intelligente Vernetzung von Gebäuden interessiert, oder auch Smart Home, Smart Building, Energiemanagement und Gebäudesystemintegration ist hier genau richtig. Solche neuen Berufsbilder müssen sich natürlich erst einmal in den Betrieben und Berufsschulen etablieren, Fachklassen müssen gebildet werden. Das ist nicht einfach von heute auf morgen machbar, doch es geht mittlerweile recht zügig vonstatten. Bei aller Digitalisierung bleibt das Handwerk aber, was es ist – Handwerk. Denn wenn ein Dach undicht ist, die Heizung streikt oder Zahnersatz gebraucht wird, sind auch im digitalen Zeitalter Fachleute mit handwerklichen Fähigkeiten gefragt.

Viele junge Menschen denken heutzutage bei der Berufswahl konkret darüber nach, wie sie mit ihrer Arbeit die Welt ein Stückchen besser machen können. Warum sollten sie sich fürs Handwerk entscheiden?
Olesja Mouelhi-Ort: Weil verantwortungsbewusstes Handeln, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gelebter Alltag im Handwerk sind. Unternehmer und ihre Teams schaffen Werte und bewahren sie. Materialien werden sparsam eingesetzt, Ressourcen bestmöglich geschont. Wertvolles Wissen wird an die Fachkräfte von morgen weitergegeben, wichtige Kultur- und Fertigungstechniken konsequent weiterentwickelt. Handwerker sind entscheidende Akteure in den regionalen Wertschöpfungsketten. Mit ihren Produkten und Services versorgen sie Privatverbraucher wie öffentliche Auftraggeber. Die Unternehmen stärken mit Ausbildung und Beschäftigung den Arbeitsmarkt vor Ort und engagieren sich vielfach auch ehrenamtlich. Wer sich also für eine Ausbildung in einem der 130 Handwerksberufe entscheidet, hat immer auch die Chance, seinen individuellen Beitrag zu leisten. Ich finde: Eine Entscheidung fürs Handwerk ist immer auch eine Entscheidung für eine gute Zukunft.

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Text: / handwerksblatt.de

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