Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund (Foto: © HWK Dortmund)

"Corona hinterlässt auch im Handwerk Spuren"

Die Herbstumfrage der Handwerkskammer Dortmund zur Konjunktur im Handwerk ergibt ein zwiespältiges Bild der Situation.

Die Covid-19-Pandemie schlägt sich deutlich auf die Stimmungslage im Handwerk nieder: Nur noch 84 Prozent (Herbst 2019: 92 Prozent) der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend. 82 Prozent rechnen mit einer guten Entwicklung in den kommenden sechs Monaten.

Kammer-Präsident Berthold Schröder

"Corona hinterlässt auch im Handwerk Spuren. Zwar sind manche Bereiche vergleichsweise gut durch die letzten Monate gekommen – allen voran das Bau- und Ausbaugewerbe – und es gab auch schon erste Zeichen der Erholung, doch gerade die Betriebe der Personenbezogenen Dienstleistungen und die Nahrungsmittelhandwerke hat es so schwer getroffen, dass die Verluste nicht mehr aufzuholen sein werden. Schon gar nicht jetzt, in einer zweiten Phase der weit reichenden Beschränkungen zur Pandemiebewältigung. Die Eigenkapitalreserven der Unternehmen sind durch den Lockdown im Frühjahr zumeist aufgebraucht – ein weitererSubstanzverlust wäre vielfach existenzgefährdend."

"Die Hilfsprogramme von Bund und Land sind wichtige Stützen, aber sie werden die Folgen der Krise nicht voll abfedern können. Deshalb ist es immens wichtig, dass jetzt alles getan wird, um das Infektionsgeschehen nachhaltig einzudämmen. Andernfalls wird der wirtschaftliche Schaden schlimmer sein als damals bei der Finanzkrise."

Überblick über die Situation im Bauhauptgewerbe. Foto: © Handwerkskammer DortmundÜberblick über die Situation im Bauhauptgewerbe. Foto: © Handwerkskammer DortmundBauhauptgewerbe: Die Stimmungslage im Bauhauptgewerbe übertrifft mit aktuell 96 Prozent sogar den Wert vom vorigen Herbst (95 Prozent). 29 Prozent der Betriebe gaben an, dass sich ihre Auftragslage in den letzten sechs Monaten verbessert hat.

Überblick zur Situation im Ausbaugewerbe Foto: © Handwerkskammer DortmundÜberblick zur Situation im Ausbaugewerbe Foto: © Handwerkskammer DortmundAusbaugewerbe: Mit 91 Prozent beurteilen die Ausbauhandwerker ihre aktuelle Lage nicht ganz so positiv wie ihre Kollegen aus dem Bauhauptgewerbe, doch sie liegen weiterhin deutlich über den Werten der übrigen Handwerke. Besonders auffällig ist der mit 63 Prozent hohe Anteil an Betrieben, die ihre Geschäftslage mit "gut" beurteilen.

Kreishandwerksmeister Christoph Knepper

Kreishandwerksmeister Christoph Knepper Foto: © KH Hellweg LippeKreishandwerksmeister Christoph Knepper Foto: © KH Hellweg Lippe

"In dieser Corona- Situation haben viele Menschen die Dienstleistungen der Handwerksbetriebe vor Ort wieder richtig zu schätzen gelernt. Alle sind froh, dass Handwerker unter enormen zusätzlichen persönlichen und wirtschaftlichen Belastungen weiterhin im Einsatz sind. Die regionalen Fleischer und Bäcker sind wieder sehr gefragt und können sich von den Fleischkonzernen abheben. Auch die Friseure erlebten nach der sechswöchigen Schließung eine sehr beeindruckende Wertschätzung. Die Gemeinschaft der Innungen in unserer Kreishandwerkerschaft erfahren derzeit einen Zuspruch, wie ich ihn so noch nie erlebt habe. Meine Handwerkskollegen und unser KH-Team zeigen auch einen beispielgebenden Einsatz. Wir werden alle im Handwerk weiterhin zupacken, um die Versorgung vor Ort zu sichern."

"Die meisten Innungsbetriebe in der Hellweg-Lippe-Region sind mit ihrer Auftragslage außerordentlich zufrieden. Corona-bedingte Umsatzeinbrüche sind insbesondere im Friseurhandwerk, in Betrieben des Lebensmittelhandwerks mit einem hohen gastronomischen Anteil, in Autohäusern und in Metallbaubetrieben mit hohem Zulieferanteil und internationalen Abhängigkeiten festzustellen. Das Soforthilfeprogramm wird von diesen Betrieben fast ausnahmslos nicht als Hilfe gewertet, da diese ,Hilfe‘ selbst von den meisten Friseurbetrieben mit sechswöchiger Schließung vollständig zurückgezahlt werden muss."

Handwerke für den Gewerblichen Bedarf: Die Gesamtbeurteilung der aktuellen Geschäftslage ist deutlich auf 72 Prozent gesunken (Herbst 2019: 91 Prozent). Die Konjunkturindikatoren unterstreichen die schwierige Situation: 59 Prozent der Befragten haben im letzten halben Jahr Rückläufe beim Auftragsbestand hinnehmen müssen, 56 Prozent gesunkene Umsätze. Die Erwartungen bis zum Frühjahr 2021 sind mit 76 Prozent zurückhaltender als im übrigen Handwerk (82 Prozent).

KFZ-Handwerk: 78 Prozent beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend (Frühjahr 2020: 87 Prozent). Die Konjunkturindikatoren sind im KFZ-Handwerk etwas negativer als im übrigen Handwerk. Besonders auffällig sind die Rückgänge beim Auftragsbestand, der bei 66 Prozent gesunken ist (übriges Handwerk: 42 Prozent) und Gesamtumsatz, der bei 64 Prozent geschrumpft ist (übriges Handwerk: 44 Prozent). Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind bei den Betrieben des KFZ-Handwerks mit 86 Prozent dagegen etwas positiver als im übrigen Handwerk (82 Prozent).

Nahrungsmittelhandwerke: Die positive Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage liegt mit 82 Prozent leicht unter der des übrigen Handwerks (84 Prozent), doch haben sich beide Werte im Vergleich zum Frühjahr 2020 angenähert (89 Prozent zu 93 Prozent). Die Indikatoren sind aber fast alle schwächer als im übrigen Handwerk; insbesondere der Auftragsbestand (82 Prozent) und der Gesamtumsatz (76 Prozent) sind im letzten halben Jahr stark eingebrochen.

Personenbezogene Dienstleistungen: Traditionell ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hier schlechter als in anderen Gruppen. Die Pandemiesituation hat diesen Effekt verstärkt: Nur 72 Prozent der Betriebe sprechen von einer wenigstens zufriedenstellenden Situation. Zusätzliche Investitionen, vor allem um den gestiegenen Hygieneanforderungen gerecht zu werden, mussten 27 Prozent der Betriebe tätigen. 35 Prozent der Unternehmen haben ihre Preise erhöht.

Gesundheitshandwerke: Sie sind die einzigen Handwerke, die die aktuelle Geschäftslage mit 84 Prozent besser einschätzen als im Frühjahr 2020 (78 Prozent). Im Herbst 2019 lag der Wert bei 91 Prozent. Die Auftragsreichweite ist mit 2,1 Wochen pro Betrieb die zweitgeringste; lediglich im KFZ-Handwerk ist der Wert mit 1,7 Wochen noch niedriger. Im übrigen Handwerk beträgt die Auftragsreichweite durchschnittlich 6,4 Wochen.

Vergleicht man innerhalb des Kammerbezirks die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften miteinander, ergibt sich dieses Bild. Foto: © Handwerkskammer DortmundVergleicht man innerhalb des Kammerbezirks die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften miteinander, ergibt sich dieses Bild. Foto: © Handwerkskammer Dortmund

Die gedrückte Stimmung wird überwiegend geteilt. Leicht positiver sehen die Betriebe aus Hagen und der Hellweg-Lippe-Region die aktuelle Lage. Die Erwartungen sind in allen KH-Bezirken jeweils schlechter als die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Im Raum Dortmund/Lünen liegen beide Werte bei 80 Prozent – und damit im Kammerbezirk am niedrigsten.

Umfrage unter Unternehmer im Kammerbezirk

Danach befragt, wie sich die Ausbildungssituation im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat, geben die Umfrage-Teilnehmer an. Foto: © Handwerkskammer DortmundDanach befragt, wie sich die Ausbildungssituation im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat, geben die Umfrage-Teilnehmer an. Foto: © Handwerkskammer Dortmund

Unternehmer Udo Fischer, Inhaber der Fischer GmbH & Co. KG in Hamm (Bad und Heizung): "Zu Beginn der Corona-Pandemie waren wir sehr verunsichert und haben vorsichtshalber Kurzarbeitergeld beantragt, da wir ja nicht wussten, wie sich der Lockdown auf unser Unternehmen auswirken wird. Die anfänglichen Sorgen und Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht für unser Unternehmen bestätigt und wir konnten mit dem ganzen Team bei sehr guter Auftragslage weiterarbeiten. Unsere Mitarbeiter sagten uns, dass sie froh seien, im Bau-Handwerk beschäftigt zu sein, da sie im Bekanntenkreis viel von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit aufgrund dieser Pandemie gehört hätten. Jetzt glaube ich aber, dass die zweite Welle auch für uns negative Folgen haben wird – wenngleich verzögert. Ich gehe davon aus, dass sich die anfängliche Bereitschaft, in Eigentum und Wohnumfeld zu investieren, nun mit der andauernden Pandemie in eine Vorsichts- und Abwartungshaltung wandelt."

Etwa die Hälfte der Betriebe bildet aus wie zuvor

Zur mittelfristigen Personalplanung in Corona-Zeiten befragt antworteten die Teilnehmer. Foto: © Handwerkskammer DortmundZur mittelfristigen Personalplanung in Corona-Zeiten befragt antworteten die Teilnehmer. Foto: © Handwerkskammer Dortmund

Neben einer teilweise schwierigen Lernsituation im Betrieb und in der Berufsschule sind auch die Ausbildungsplätze in einigen wenigen Betrieben selbst betroffen. So beabsichtigen 10 Prozent der Unternehmen ihr Ausbildungsengagement aufgrund der Corona- Pandemie zu reduzieren, 4 Prozent wollen es steigern. Gut die Hälfte der Betriebe bildet aus wie zuvor. Und rund ein Drittel tut dies unverändert nicht. Zu Kündigungen von Auszubildenden während der Corona-Pandemie kam es nur bei 0,7 Prozent der Befragten, bei 1,6 Prozent der befragten Unternehmen wurden Auszubildende in Kurzarbeit geschickt; 1,8 Prozent wurde gelegentliches Home-Office bzw. mobiles Arbeiten gestattet.

Weitere Meldungen aus dem Bezirk der Handwerkskammer Dortmund

Text: / handwerksblatt.de

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