Glasergesellin Michelle Reitz aus Trier (Foto: © Privat)

Glaserin glänzt mit Gesellenstück

Die 21-jährige Michelle Reitz aus Trier ist Deutschlands zweitbeste Glaserin und Bundessiegerin im Wettbewerb "Die Gute Form"

Kreativ und handwerklich begabt war Michelle Reitz schon immer. In der Realschule liebte sie den Kunstunterricht. Ihrer alleinerziehenden Mutter half sie gerne dabei, Schränke und andere Möbeln im Haushalt aufzubauen. "Nach der Schule kam für mich nur ein künstlerisch-kreatives Handwerk in Frage. Ich musste nur noch herausfinden, welches zu mir passt", sagt die 21-Jährige. Die Berufsorientierungsphase überbrückte sie mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kindergarten Heiligkreuz. Dort hat sie mit den Kindern auch gerne gemalt und gebastelt. Bei ihrer Internetrecherche stieß Michelle schließlich auf den Glaserberuf. Die Ausbildungsinhalte haben sie sofort angesprochen. Ihr Praktikum bei Glas Kunst Kaschenbach in Trier verlief für beide Seiten so gut, dass sie sich dort ausbilden ließ. Was sie sich vom Berufsbild versprochen hatte, ging in Erfüllung: "Ich liebe Glas, es ist unglaublich vielseitig. Es lässt sich zum Beispiel zuschneiden, bohren, bemalen, schleifen oder sandstrahlen. Bleiverglasung ist auch sehr schön." Die Verarbeitung erfordert respektvollen und sorgsamen Umgang. "Man darf keine Angst vor Glas haben", sagt Michelle. "Bei der Arbeit trage ich Handschuhe und Schutzbrille, zum Beispiel beim Sandstrahlen und Zuschneiden." Die junge Frau zählt begeistert auf, was sich aus Glas alles machen lässt: "Spiegel, Tischplatten, Duschverkleidungen, Isolierverglasung, Ausschnitte für Türen oder sogar Ganzglastüren, Geländerscheiben, Kirchenfenster und vieles mehr." Eine Kostprobe der Vielfalt bietet ihr Gesellenstück: eine Stehlampe mit dreiseitiger Bleiverglasung, verankert in Holz aus Nussbaumoptik. Darauf ist sie sehr stolz: "Darin steckt so viel Arbeit. Insgesamt habe ich dafür sieben ganze Arbeitstage gebraucht, allein vier davon für die Bleiverglasung. Aber es hat sich gelohnt. Die Lampe ist superschön geworden!"

Lampe mit Traumfänger als Gesellenstück

Als Motiv hat die begeisterungsfähige und kreative Glaserin in der Lampe einen Traumfänger verewigt. Das Federornament hat sie ins Glas gesandstrahlt: "Diese mattierten Stellen ergeben einen guten Effekt. Denn Federn sind ja leicht, was durch diese Technik gut zum Ausdruck kommt." Dieser Meinung war auch die Jury des Leistungswettbewerbs im Handwerk, wo Michelle sich mit ihrer Lampe beworben hatte: Ihr Gesellenstück wurde bundesweit als zweitbeste praktische Abschlussarbeit ihres Jahrgangs bewertet. Die aus Trier stammende junge Frau holte sogar noch einen weiteren Titel: Im parallel laufenden Wettbewerb "Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten" schaffte sie es bis auf die oberste Stufe des Siegertreppchens. Nach ihrer Ausbildung wechselte die zweifache Bundessiegerin in einen Luxemburger Betrieb: "Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln und auch anderswo die Arbeit kennenlernen. Bei meinem neuen Arbeitgeber habe ich auch neue Aufgaben." Neu ist auch ihr Wohnort: Freudenburg. Dorthin ist sie gerade mit ihrem Freund gezogen, einem gelernten Schreiner. Ihr prämiertes Gesellenstück ist ein Blickfang im Wohnzimmer ihrer neuen Wohnung. Michelle wuchs in einem rein weiblich geprägten Haushalt auf. "Wir vier Schwestern sind von einer starken Mutter großgezogen worden. Sie ist sehr stolz auf uns. Über meinen Bundessieg hat sie sich natürlich besonders gefreut." Als Dank und Anerkennung hat sie ihrer Mutter einen selbstgemachten Spiegel geschenkt. Eine Fläche davon zeigt ein gesandstrahltes "Pummel-Einhorn" – ihre Hommage an eine glückliche Kindheit. Heute ist Michelle im Handwerk happy: "Der Glaserberuf ist einfach schön!"

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Text: / handwerksblatt.de

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