Mit Frosch "Oskar" hat Lisa das Lieblingstier ihrer Mutter leuchtend in Szene gesetzt. Geschäftsführer Hermann Josef Dornoff (l.) und HWK-Präsident Rudi Müller gratulieren ihr zum Erfolg.

Mit Frosch "Oskar" hat Lisa das Lieblingstier ihrer Mutter leuchtend in Szene gesetzt. Geschäftsführer Hermann Josef Dornoff (l.) und HWK-Präsident Rudi Müller gratulieren ihr zum Erfolg. (Foto: © Dr. Carl-Ludwig Centner)

Glasklar: Nach dem Abi ins Handwerk!

Lisa Weber ist Deutschlands drittbeste Kunstglaserin. In den Werkstätten für Glasgestaltung Binsfeld in Trier hat die wissbegierige Lisa von Anfang an "richtig Blut geleckt".

"Meine Abiprüfungen konnte ich relativ entspannt angehen", sagt Lisa Weber und lacht. "Mir war schon relativ früh klar, dass ich nicht studieren will." Und so hatte die junge Triererin ihren Lehrvertrag schon vor dem Abizeugnis in der Tasche. Auf den Glaserberuf hatte sie damals ihre Mutter gebracht – vielmehr eine Bekannte ihrer Mutter, die in der Glaserei Binsfeld in Trier arbeitet. Lisa ist handwerklich geschickt und kreativ, hat einen Sinn für Farben und Formen. Geduld und Feinmotorik gehören zu ihren Stärken. Das sind gute Voraussetzungen für den Glaserberuf – eine konkrete Idee war geboren! Lisa war von der Vorstellung, Kunstglaserin zu werden, sehr angetan und machte zwei Praktika in den Werkstätten für Glasgestaltung Binsfeld in Trier. Danach war der Ausbildungsvertrag unter Dach und Fach.

"Der Beruf macht so viel Spaß! Ich lerne immer wieder gerne dazu und freue mich, wenn neue Herausforderungen auf mich zukommen", sagt Lisa. Zudem wertschätzt sie Glas sehr: "Mit diesem wunderbaren Werkstoff muss man behutsam umgehen. Bei Binsfeld haben wir viele schöne handgemachte Gläser, die kostbar und teuer sind. Was kaputt ist, ist kaputt – ‚Hudeln‘ bringt also gar nichts, sonst hat man am Ende nur mehr Arbeit. Eine gute Vorausplanung ist daher unerlässlich."

Gesellenstück: Erinnerung an die Mutter

Sorgfältig geplant hat Lisa auch ihr Gesellenstück, eine farbenfroh bleiverglaste Tischlampe. Darin hat die 22-Jährige das Lieblingstier ihrer inzwischen verstorbenen Mutter verewigt. "Das ist Oskar, der Frosch", stellt die junge Handwerkerin das dargestellte Motiv vor. Es prangt im Mittelpunkt der Bleiverglasung. Die knallgrüne Amphibie scheint sich einen Weg aufwärts durch florale Elemente zu bahnen. Lisas Faible für Farbwirkung kommt in den Ornamenten sehr gut zum Ausdruck: "Ich habe stark auf Kontraste gesetzt", erklärt die Gesellin. "Außerdem war es mir wichtig, die Linienführung organisch und harmonisch zu gestalten." Handwerk hält zusammen: Ein befreundeter Schreiner hat den hölzernen Sockel gebaut, ein befreundeter Elektriker die Leuchtmittel besorgt. "Eine gute Planung war auch hier das A und O", berichtet Lisa rückblickend. Ihre Arbeit ist äußerst durchdacht und handwerklich top umgesetzt. Darüber hinaus hat die Gesellin noch eine Raffinesse eingebaut: Durch unterschiedlich eingesetzte Leuchtmittel lassen sich je nach gewählter Einstellung vielfältige Lichteffekte erzielen. Vier Tage lang hatte Lisa Zeit, um ihr prächtiges Gesellenstück anzufertigen. Das Gesamtkonzept und die praktische Umsetzung sind Lisa so gut gelungen, dass sie mit ihrem Gesellenstück am Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend teilnehmen durfte. Im Vergleich der besten Glaserinnen und Glaser in Rheinland-Pfalz gewann sie den ersten Preis. Damit qualifizierte sie sich für den Bundeswettbewerb. Dort sicherte sie sich schließlich Platz drei auf dem Siegertreppchen.

Bei Binsfeld fühlt die junge Gesellin sich sehr gut aufgehoben. Sie lernt gerne von "alten Hasen": "In den nächsten Jahren gehen hier viele Mitarbeiter in Rente und damit auch 45 Jahre Berufserfahrung von Bord. Bis dahin nutze ich die Zeit, um so viel wie möglich von deren gesammeltem Fachwissen aufzusaugen." Schon im ersten Lehrjahr durfte Lisa an anspruchsvollen Projekten mitarbeiten. "Toll war zum Beispiel die Restaurierung der 450 Jahre alten Kirchenfenster in Kiedrich. Die leuchteten nachher, als wären sie neu – ein Unterschied wie Tag und Nacht! Das war so aufregend und spannend, dass ich richtig Blut geleckt habe!"

Auch privat ein kreativer Geist

Auch privat ist Lisa gerne kreativ, sie mag das Malen mit Acrylfarben. Ihre Lieblingskirchenfenster sind die von Notre Dame in Paris. "Es wäre ein Traum, wenn ich bei deren Restauration mitwirken könnte!" Für interessante Projekte muss sie aber nicht in die Ferne schweifen: "In der Eifel gibt‘s kleine Kapellen, die noch wahre Schätze bergen", sagt Deutschlands drittbeste Glaserin. "Ein Schmuckstück ist auch die Kapelle in Rheinböllen, reich bemalt mit satten Farben." Viel Freude hat es ihr auch bereitet, bei der Restaurierung von Kirchenfenstern am Frankfurter Dom, im Bonner Münster, der Wormser Synagoge und vielen anderen Gotteshäusern mitzuwirken.

Derart anspruchsvolle Aufgaben setzt sie natürlich nicht ganz alleine um. "Im Team zu arbeiten und von erfahrenen Kollegen zu lernen, erfüllt mich. Ich mag es sehr, immer wieder neue Herausforderungen zu meis- tern. In meinem Beruf und im Handwerk überhaupt gibt es immer wieder knifflige Aufgaben. Jede Baustelle ist anders. Daran kann man nur wachsen!"

 

Doppelter ErfolgWettbewerb Lisa hat mit ihrer Wettbewerbsarbeit doppelt abgesahnt: Die Qualität der Gestaltung ihres Gesellenstücks würdigte die Jury im Wettbewerb "Die Gute Form – Handwerker gestalten" mit dem zweiten Platz.

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Text: / handwerksblatt.de

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