Es läuft prima: Ulrich Jiazet Tegou ist angehender Kfz-Mechatroniker im dritten Lehrjahr, hier vor seinem Ausbildungsbetrieb gemeinsam mit Servicetechniker und Ausbildungsbetreuer Marcel Kappes.

Es läuft prima: Ulrich Jiazet Tegou ist angehender Kfz-Mechatroniker im dritten Lehrjahr, hier vor seinem Ausbildungsbetrieb gemeinsam mit Servicetechniker und Ausbildungsbetreuer Marcel Kappes. (Foto: © Aurita Jankauskaite-Lepage)

"Nach vorne schauen und den Weg immer weiterverfolgen"

Die KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz hilft und begleitet bei der Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund.

"Es freut mich, Sie kennenzulernen", sagt Ulrich zur Begrüßung. Schnell wird klar: Dieser junge Mann hat ein höfliches und zugewandtes Wesen. In gutem Deutsch spricht der Kameruner über seinen langen Weg aus Zentralafrika nach Trier. Der 31-jährige Auszubildende tut viel dafür, seinen Traum vom Kfz-Mechatroniker zu verwirklichen. 2019 kam er nach Deutschland, um sein Maschinenbaustudium fortzusetzen. Seine Deutschkenntnisse reichten aber für die Zulassung nicht aus. Dass es mit dem Studium nichts wurde, hat er nicht bereut: "In der Pandemie hätte ich wahrscheinlich viel online studieren müssen. Und im Grunde wollte ich schon immer Kfz-Mechatroniker werden."

So ging Ulrich Plan B an – eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Damals wohnte er in Kaiserslautern und suchte im Internet nach offenen Lehrstellen. "Rund 90 Bewerbungen habe ich in ganz Deutschland verschickt", sagt Ulrich. "Dann bot mir das Porsche Zentrum Trier ein Praktikum an." Glück für den jungen Afrikaner, denn der Betrieb hatte seine geplanten Lehrstellen für das Ausbildungsjahr schon vergeben. In sei- ner einwöchigen "Aufwärmrunde" konnte Ulrich jedoch überzeugen und ging im Porsche Zentrum Trier als weiterer Neuzugang an den Start. "Wir brauchen langfristig Fachkräfte", sagt Geschäftsführer Edmund Weiß. "Daher geben wir jedem eine Chance, der ein qualifiziertes Abschlusszeugnis aus der Schule mitbringt und unser Werteverständnis teilt." Ein "normales" Grundverständnis für Mathematik sei für den Beruf nicht ausreichend, sagt der Firmenchef: "Kfz-Mechatroniker ist ein enorm anspruchsvoller, fast akademischer Beruf auf dem Niveau eines Technikers oder Ingenieurs."

"Er wird zu den Besten gehören!"

Umso mehr freut sich das Unternehmen über seinen Neuzugang aus Afrika. "Ulrich bringt eine extrem gute Vorbildung mit, ist mehrsprachig, freundlich, zurückhaltend, ehrgeizig und integer", sagt Monika Schle- der, Assistentin der Geschäftsführung. Ihr Chef ist ehrenamtlich in einem nordrhein- westfälischem Prüfungsausschuss aktiv und kennt sich mit dem Prüfungswesen gut aus Er sieht Ulrich beim Ausbildungsabschluss auf der Überholspur: "Er wird sicher zu den Besten gehören." Vor der Ausbildung des jungen Kameruners musste das Unternehmen noch einige Hürden nehmen, rechtliche Fragen klären und Formalitäten mit der Ausländerbehörde abwickeln. Unterstützung bekam Monika Schleder bei der Handwerkskammer Trier. Aurita Jankauskaite-Lepage, die dort als Mitarbeiterin der KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz im Einsatz ist, beantwortet Fragen rund um die Ausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund. Danach hieß es "Start frei" für Ulrichs Ausbildung!

Mittlerweile ist er im dritten Lehrjahr – und glücklich darüber, endlich im Beruf angekommen zu sein: "Die meisten Autos in Afrika sind ältere Modelle, dementsprechend ist auch die Ausbildung ausgerichtet. Hier ist sie moderner und viel mehr an der Praxis orientiert", berichtet Ulrich. "Das ist gut, denn ich möchte die beste Ausbildung zum Mechatroniker machen, die es gibt." Die hat er bei Porsche offenbar gefunden: "Ich arbeite in meinem Traumberuf und will in der Branche bleiben. Die Ausbildung bei Porsche ist klasse!", findet der Azubi. "Das Betriebsklima ist super, alle sind sehr freundlich und hilfsbereit."

Hilfe bei der Wohnungssuche 

Sein Arbeitgeber hat ihm sogar bei der Wohnungssuche geholfen. Denn der Glücksfall gilt auch umgekehrt: Als attraktiver Arbeitgeber möchte das Porsche Zentrum Trier seinen Fachkräftenachwuchs optimal fördern – von der Startbox bis über die Zielgerade hinaus. "Wir müssen uns nicht nur beim Kunden, sondern auch bei unseren Mitarbeitern empfehlen", sagt Weiß.

Heute wohnt Ulrich in einer WG, gemeinsam mit Studierenden. Auch hier fühlt er sich gut aufgehoben. Sein Vorname erleichtert so manche Kontaktaufnahme in der neuen Heimat. "Der ist in Kamerun nicht ungewöhnlich", erklärt er. "Das Land war mal eine deutsche Kolonie." Sein Deutsch will er weiter verbessern: "Wer eine gute Zukunft haben will, muss Gas geben", sagt er und schmunzelt. Wenn auch nicht mit einem Porsche: Dreimal in der Woche radelt er nach Feierabend zum Deutschkurs in die Stadt. Getreu seinem Motto: "Nicht stehenbleiben, sondern nach vorne schauen und den Weg immer weiterverfolgen."


KAUSA-ServicestelleHintergrund Die landesweite "Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration" (KAUSA) will Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund für die Ausbildung stärken. Dafür arbeiten die Servicestellen vor Ort eng mit regionalen Partnern aus der Berufsbildung, Schulen und Migrantenorganisationen zusammen. KAUSA wird im Rahmen der Initiative Bildungsketten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz gefördert.
Angebot Angebote für Firmen, die einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund einstellen wollen; für Firmeninhaber mit Migrationshintergrund, die Ausbildungsbetrieb werden wollen; für Jugendliche mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die einen Ausbildungsplatz suchen
Kontakt KAUSA Landesstelle Rheinland-Pfalz, Handwerkskammer Trier, Loebstraße 18, 54292 Trier, Aurita Jankauskaite-Lepage, Tel. 0651/207151, Fax: 0651/20756151, E-Mail: alepage@hwk-trier.de

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Text: / handwerksblatt.de

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