Handwerk begrüßt zusätzliche Sprachförderung vor der Einschulung
Die NRW-Landesregierung will landesweit ABC-Klassen einführen, um die Sprachkompetenz von Kindern im Jahr vor der Einschulung zu fördern. Das sei eine eine starke bildungspolitische Botschaft, sagt das Handwerk.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung plant die landesweite Einführung von ABC-Klassen, um die Sprachkompetenz von Kindern im Jahr vor ihrer Einschulung zu fördern. Das hat das Landeskabinett jetzt beschlossen. NRW will damit einen besseren Schulstart ermöglichen. Die frühere Sprachstandserhebung und Kurse in ABC-Klassen sollen sicherstellen, dass Kinder über die Sprachkompetenz verfügen, die sie bei Einschulung haben müssen. ABC-Klassen sind verpflichtende schulische Vorkurse im Schuljahr vor der Einschulung, in denen Kinder gezielt auf die sprachlichen Anforderungen des Unterrichts vorbereitet werden.
Zur Einführung der ABC-Klassen sind diese Neuerungen geplant:
- Künftig durchlaufen alle Kinder bei der Schulanmeldung an öffentlichen Schulen sowie an Ersatzschulen in privater Trägerschaft eine landesweit einheitliche Sprachstandsfeststellung.
- Um auf dieser Grundlage ausreichend Zeit für eine gezielte Förderung bis zur Einschulung zu gewinnen, ist vorgesehen, die Schulanmeldung vom Herbst auf das Frühjahr des Jahres vor der Einschulung vorzuziehen. Dazu wird die Ausbildungsordnung für die Grundschule geändert. Im Jahr 2028 wird die Anmeldung zur Grundschule erstmals im Frühjahr stattfinden.
- Verfügen die Kinder nicht über die notwendigen deutschen Sprachkenntnisse, um aktiv am Unterricht teilzunehmen, besuchen sie im Schuljahr vor der Einschulung in der Regel zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden verpflichtend eine ABC-Klasse. In diesen ABC-Klassen zur gezielten Sprachförderung sollen die Kinder vor allem in ihren sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten gefördert werden, damit sie ab dem Schulbeginn erfolgreich am Unterricht teilnehmen können.
- Die ABC-Klassen liegen in schulischer Verantwortung und werden in den Räumlichkeiten einer öffentlichen Schule, einer Kindertageseinrichtung oder an einem anderen Ort durchgeführt, den ein Träger zur Verfügung stellen kann.
- Die ABC-Klassen werden grundsätzlich von Grundschullehrkräften sowie von sozialpädagogischen Fachkräften aus der Schuleingangsphase durchgeführt. Sie ergänzen gezielt den ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsansatz der Kindertageseinrichtungen.
- Die Schulaufsicht weist die Kinder nach Anhörung des Schulträgers einer ABC-Klasse zu. Damit wird gewährleistet, dass alle Kinder ein bedarfsgerechtes Angebot erhalten.
- Die Eltern sind für die regelmäßige Teilnahme ihrer Kinder verantwortlich. Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, werden durch den Schulträger zwischen der Kindertageseinrichtung und dem Ort der ABC-Klasse befördert. Für Kinder, die keine Kindertageseinrichtung besuchen, werden vom Schulträger die Fahrkosten für die wirtschaftlichste Beförderung erstattet. Einzelheiten werden in einer entsprechenden Verordnung geregelt.
- Die Teilnahmeverpflichtung gilt für Kinder, die ab dem 1. August 2029 schulpflichtig werden. Die ersten verpflichtenden ABC-Klassen beginnen entsprechend im Schuljahr 2028/29.
- Darüber hinaus wird mit einer Änderung im Schulgesetz die Möglichkeit geschaffen, Kindern bei Bedarf mit der zusätzlichen Förderung "ABC Plus" mehr Zeit zu geben, um das Lernen zu lernen. Schulleiterinnen und Schulleiter können künftig bereits vor Beginn des ersten Schuljahres entscheiden, ob ein Kind die Schuleingangsphase in drei statt in zwei Jahren durchläuft und so von Anfang an eine intensivere, individualisierte Förderung im Rahmen von ABC Plus erhält. Zeigt sich im Verlauf der Schuleingangsphase, dass die Lernziele früher als erwartet erreicht werden, kann diese Entscheidung an den tatsächlichen Lernfortschritt des Kindes angepasst werden.
"Unsere Kinder sind die Zukunft unseres Landes. Sie brauchen die bestmögliche Bildung. "Um einen Bildungserfolg für alle zu ermöglichen, müssen Kinder das entsprechende Rüstzeug an die Hand bekommen. Grundvoraussetzung für erfolgreiches schulisches Lernen ist eine ausreichende Sprachkompetenz, denn ohne sie endet Bildung für viele Kinder, bevor sie so richtig begonnen hat", erklärt Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). "Die Ergebnisse der jüngsten Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass etwa ein Drittel der Kinder nicht über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügt, um später aktiv am Unterricht teilzunehmen. Zu viele Kinder bringen nicht alles mit, was für einen erfolgreichen Start in der Schule erforderlich ist, und benötigen deshalb vorab eine gezielte Vorbereitung auf den Schulstart", so Schulministerin Dorothee Feller (CDU).
Bessere Bildungschancen durch frühzeitige Sprachförderung
Das Handwerk begrüßt den Beschluss der Landesregierung: "Die Basis für eine erfolgreiche Schulkarriere sind ausreichende Sprachkompetenzen. Denn wer von Beginn an dem Unterricht nicht richtig folgen kann, wird es später schwer haben, diesen Rückstand aufzuholen. Wir erleben es im Handwerk viel zu oft, dass Jugendliche nicht die nötige Ausbildungsreife mitbringen, weil grundlegende Kenntnisse fehlen, die eigentlich während der Schulzeit erworben werden sollten. Eine frühzeitige Sprachförderung könnte die Bildungschancen dieser Jugendlichen verbessern. Auch mit Blick auf die Kinder von zugezogenen Fachkräften aus dem Ausland ist das Angebot ein wertvoller Baustein", sagt Berthold Schröder, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags.
Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW ergänzt: "Die Entscheidung der Landesregierung zur Einführung von ABC-Klassen ist eine starke bildungspolitische Botschaft zu Beginn des Jahres. Sprache ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Bildungskarriere – nur wer grundlegende Kompetenzen früh erlernt, kommt im Unterricht mit und kann sein Potenzial voll entfalten. Eine frühzeitige Sprachförderung zahlt auf die Ausbildungsreife ein und kommt damit am Ende auch dem Handwerk zugute. Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und zu beruflichem Erfolg – je früher sie ansetzt, desto besser."
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Text:
Lars Otten /
handwerksblatt.de
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