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HWK Koblenz | Januar 2026
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Viele Bankvorstände seien mit Blick auf die Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten ihrer Firmenkunden skeptisch, so der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken im Genoverband. (Foto: © Darius Turek/123RF.com)
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Januar 2026
Die Nachhaltigkeitsregulierung bremst die Kreditvergabe. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage unter den Vorständen der Volks- und Raiffeisenbanken. Der ZDB fordert deswegen Entlastungen für mittelständische Baubetriebe.
Die Volks- und Raiffeisenbanken haben laut einer aktuellen Umfrage mehr Kredite an mittelständische Unternehmen vergeben. Demnach gab es ein Plus von vier Prozent im vergangenen Jahr. Allerdings wirkt die schnell wachsende Nachhaltigkeitsregulierung nach Einschätzung des Verbands der Volks- und Raiffeisenbanken im Genoverband immer mehr als Bremse für die Kreditvergabe an Unternehmen. Viele Bankvorstände seien mit Blick auf die Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten ihrer Firmenkunden skeptisch. Solche Daten benötigen die Banken aber mit der jetzt anstehenden Novellierung des Kreditwesengesetzes zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken verstärkt.
"Die Institute müssen im Kreditgeschäft bereits jetzt Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen. Dies kann dazu führen, dass Unternehmen, die keine entsprechende Berichterstattung vornehmen oder solche Daten nicht erheben, eventuell schlechtere Konditionen oder gar eine Kreditabsage erhalten, obwohl sie vielleicht gar nicht so unnachhaltig sind", erläutert Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbandes. Für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland könne das zu einem Wettbewerbsnachteil werden.
In der Befragung haben die Bankvorstände ihre Firmenkunden hinsichtlich der Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten in vier Gruppen eingeteilt: Vorreiter, Pragmatiker, Starter und Überforderte. Der größte Anteil von 46 Prozent der Firmenkunden gehört nach ihrer Einschätzung zu den Überforderten. Das bedeutet, sie kommen mit den Anforderungen nur schwer zurecht oder haben sich bisher kaum damit beschäftigt. 28 Prozent gehörten zu den Startern. Sie stehen am Anfang und haben einige Anforderungen identifiziert, aber noch nicht gelöst. 21 Prozent wurden den Pragmatikern zugeordnet, die auf einem guten Weg seien, die Anforderungen zu erfüllen. Nur fünf Prozent gelten als Vorreiter, die sind optimal vorbereitet seien.
Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen laut Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) eine in der Baubranche schon länger zu beobachtende Entwicklung. "Die nachhaltige Transformation scheitert derzeit nicht am fehlenden Engagement der Unternehmen, sondern an einer stark daten- und formalgetriebenen Regulierung, die insbesondere mittelständische Betriebe überfordert. Wenn Nachhaltigkeitsanforderungen vor allem über immer neue Datenpunkte und Nachweise wirken, werden Investitionen gebremst – bis hin zur Kreditvergabe. Mittelständische Bauunternehmen geraten dadurch unter Druck, obwohl sie Nachhaltigkeit seit Jahren praktisch umsetzen", sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.
Der Baumittelstand investiere kontinuierlich in Ressourceneffizienz, Materialeinsparung, Kreislaufansätze und regionale Wertschöpfung. "Es geht den Unternehmen nicht um weniger Nachhaltigkeit, sondern um weniger Bürokratie und mehr Markt." Die derzeitige Regulierung orientiere sich überwiegend an Konzernstrukturen. Mittelständische Bauunternehmen verfügten nicht über Ressourcen für komplexe Berichtssysteme – ihr Beitrag zur nachhaltigen Transformation erfolge praktisch und messbar. Nachhaltigkeit sollte daher stärker wirkungs- und outputorientiert bewertet werden, fordert der ZDB.
Entscheidend seien messbare Effekte wie Ressourcenschonung, regionale Stoffkreisläufe oder die Substitution von Primärrohstoffen – nicht die formale Vollständigkeit von Datensätzen. Zudem sei mehr Rechtssicherheit nötig, zum Beispiel bei der Anerkennung von Recyclingmaterialien als Produkte. Dies reduziere Risiken, ohne zusätzliche Bürokratie zu erzeugen. Pakleppa: "Nachhaltige Investitionen müssen erleichtert werden. Finanzierung darf nicht zum Hemmschuh werden, sondern muss als Hebel wirken – mit klaren, verlässlichen Kriterien und Planungssicherheit für den Mittelstand."DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!
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