Mercedes-Entwicklungschef Holger Enzmann (links) erklärt unserem Autor Guido Borck die Highlights des neuen EQE.

Mercedes-Entwicklungschef Holger Enzmann (links) erklärt unserem Autor Guido Borck die Highlights des neuen EQE. (Foto: © Mercedes)

Vorstellung Mercedes EQE: Das ist die vollelektrische E-Klasse

Die nächste Mercedes E-Klasse wird elektrisch und geht unter der Bezeichnung EQE in den Handel. Der 4,95 lange Stromer feiert erst im Herbst 2022 seinen Einstand, wir hatten aber bereits vorab die Möglichkeit ihn kennenzulernen.

Gut die Hälfte aller Neuwagen will Mercedes bis ins Jahr 2030 elektrifizieren. Damit das anvisierte Zeil erreicht wird, geben die Schwaben bei ihrer Elektro-Offensive mächtig Gas – oder besser gesagt: Strom. So folgt auf den kürzlich vorgestellten Luxusliner EQS mit dem Oberklassemodell EQE das nächste Elektromodell der Stuttgarter. Der 4,95 lange Stromer geht zwar erst im zweiten Quartal 2022 in den Verkauf. Wir hatten schon vorab die Gelegenheit im elektrischen Schwestermodell der E-Klasse Platz zu nehmen.

Weit ausgestellte Radhäuser und kurze Überhänge kennzeichnen den Mercedes EQE Foto: © MercedesWeit ausgestellte Radhäuser und kurze Überhänge kennzeichnen den Mercedes EQE Foto: © MercedesMercedes hat aus dem neuen EQE hat Mercedes ein großes Geheimnis gemacht. Nur wenig sickerte im Vorfeld durch. Es gab zwar bereits schon vereinzelte Informationen oder Fotos von verdeckten Prototypen zur elektrischen E-Klasse, aber die Aussagekraft war überaus dürftig und nur gering. Nun steht der EQE zum ersten Mal vor mir, live und völlig ungetarnt im gleißenden Scheinwerferlicht eines Fotostudios. Die Schwaben gehen bei unserem Vorab-Treffen aber trotzdem kein Risiko ein. Mein Smartphone ist abgeklebt und der Stromer wird von Sicherheitsleuten bewacht.

Die Optik wirkt wie aus einem Guss und verspricht schon aus dem Stand einiges an Dynamik. Breit ausgestellte Radhäuser, kurze Überhänge und eine Karosserie, die sich in einem weit geschwungenen Bogen übers Auto spannt. Wir dürfen bei dem neuen Oberklasse-Stromer hinterm Lenkrad Probe sitzen, das futuristische Hyperscreen-Cockpit ausprobieren und mit dem EQE-Entwicklungschef Holger Enzmann reden. Der Mercedes-Projektleiter gibt uns Auskunft zum Auto und steht bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Wir durften uns schon einen Vorgeschmack von der elektrischen E-Klasse machen und alles ausprobieren, nur das Fahren ist nicht erlaubt.

Üppiges Platzangebot wie in der S-Klasse

Das Platzangebot im Innern fällt gediegen aus. Foto: © MercedesDas Platzangebot im Innern fällt gediegen aus. Foto: © Mercedes

Das elektrische Schwestermodell der Mercedes E-Klasse basiert technisch auf dem Luxusliner EQS und teilt sich mit ihm daher die Plattform. Im Vergleich zum 5,22 Meter langen Luxusliner fällt die modulare EVA2-Elektroarchitektur beim EQE jedoch um 27 Zentimeter kürzer aus. Somit liegt der EQE zwar auf dem gleichen Niveau einer Mercedes E-Klasse mit Verbrenner, doch dank eines extrem langem Radstands von 3,12 Metern und eines kompakt bauenden E-Packaging sind die Platzverhältnisse im EQE genauso großzügig wie in der Kurzversion der S-Klasse.

Das spürt man vor allem im Fond, der seinen Gästen eine Bewegungsfreiheit wie in der Businessclass offeriert. Hier mal eben die Beine ausstrecken ist im EQE überhaupt kein Problem, der im Vergleich zur herkömmlichen E-Klasse üppige 76 Millimeter mehr Platz für die Knie bereitstellt. Anders als beim elektrischen Topmodell EQS verfügt die Stufenhecklimousine EQE nicht über eine große Heckklappe, sondern über einen klassischen Heckdeckel. Das Fassungsvermögen des Gepäckabteils beträgt 480 Liter.

Riesiger Hyperscreen dominiert das Cockpit

Die riesige Bildschirm-Landschaft am Cockpit beeindruckt. Foto: © MercedesDie riesige Bildschirm-Landschaft am Cockpit beeindruckt. Foto: © Mercedes

Futuristisch wie bei einem Raumschiff präsentiert sich das Cockpit. Zumindest, wenn zuvor in der Preisliste bei der Option MBUX-Hyperscreen wie in unserem EQE ein Kreuzchen gemacht wurde. Dann türmt sich dem Fahrer eine genauso riesige Display-Landschaft wie im größeren EQS auf. Der Widescreen ist das Highlight im EQE. Die hochauflösenden OLED-Bildschirme befinden sich unter einem gemeinsamen Deckglas und scheinen nahtlos ineinander überzulaufen. Aufgrund einer lernfähigen Software erhält der Pilot hinterm Lenkrad auf ihn zugeschnittene Informationen, ohne dabei umständlich durch Untermenüs zu scrollen.

Für den Beifahrer gibt es ein eigenes 12,3 Zoll großen Display, auf dem er sich neben vielen Funktionen auch mit Videos oder TV-Sendungen unterhalten kann. Um den Fahrer nicht unnötig abzulenken, sind viele Infotainment-Inhalte jedoch nur für den Copiloten sichtbar. Sicher ist sicher. Eine Innenraumkamera erkennt nämlich, ob der Fahrer gerade aufs Beifahrer-Display schaut. Ist dies der Fall, wird der Bildschirm für ihn automatisch abgedunkelt, während sein Co das dargebotene Programm in vollen Zügen weiter genießt.

Überhaupt bietet der EQE bietet mit seinem ausladenden XXL-Display enorm viel Hightech, die wirklich beeindruckt. Falls aber trotzdem einmal Fragen zum Hyperscreen auftauchen sollten und man nicht weiter weiß, hilft die Sprachsteuerung. Das internetbasierte System arbeitet ebenfalls mit lernfähiger Software samt künstlicher Intelligenz und findet gewünschte Musiktitel rasend schnell, zeigt außerdem aktuelle Börsenkurse an oder gibt per Zuruf einfach nur Auskunft über das Wetter. Das klappt auf Anhieb prima. Anschließend verweist Entwickler Enzmann noch auf das spezielle Filtersystem im EQE, das Bakterien und Viren im Innenraum ionisiert und selbst Corona eliminieren soll.

Der EQE 350 startet mit 292 PS

Zum Verkaufsstart debütiert der EQE 350 mit 215 kW (292 PS). Foto: © MercedesZum Verkaufsstart debütiert der EQE 350 mit 215 kW (292 PS). Foto: © Mercedes

Mit dem heckgetrieben EQE 350 geht es beim Antrieb für die elektrische E-Klasse los. Der Elektromotor verfügt beim Einstiegsmodell über eine Leistung von 215 kW (292 PS). "Weitere Varianten mit Heck und sowohl Allradantrieb werden folgen" merkt EQE-Entwicklungschef Holger Enzman an, ohne dabei aber Genaueres zu nennen. Der sympathische Schwabe erzählt viel zum neuen EQE und gerät dabei oftmals ins Schwärmen. Zu weiteren Antriebsdetails hat er jedoch scheinbar ein Schweigegelübde abgelegt und mauert plötzlich wie ein Mönch aus einem Klosterorden.

Überhaupt nicht schlimm, wir gehen ohnehin davon aus, dass das Baukasten-Portfolio mit 245 kW (333 PS) und mit einer Leistung von 385 kW (524 PS) zur Markteinführung genauso umfangreich ausfallen wird wie beim größeren Luxusliner EQS. Hierbei wäre die stärkste Leistungsstufe durchaus auch als ein sportlicher AMG-Ableger denkbar. Zumindest als AMG-Einstiegsmodell, denn die Affalterbacher-Sportschmiede wurde auch beim EQE eng in die Elektro-Offensive mit eingebunden. Wir dürfen also auch beim Thema elektrische AMG gespannt sein.

Bis zu 660 Kilometer Reichweite

Foto: © MercedesFoto: © Mercedes

Serienmäßig ist der EQE mit einem OnBoard-Lader mit 11 kW ausgerüstet, gegen Aufpreis stehen 22 kW im Angebot. Damit saugt der EQE an einer Schnelladestation mit bis zu 170 kW und ist innerhalb von 32 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen. An einer Ladestation mit dreiphasigem Gleichstrom sind die flach im Fahrzeugboden verbauten Akkus in 4,25 Stunden wieder befüllt.

Mit dem serienmäßigen 11 kW-Lader dauert der Ladevorgang hingegen fast doppelt so lange. Allerdings soll der soll der EQE 350 mit einer Batteriefüllung nach der WLTP-Norm bis zu 660 Kilometer weit kommen. Das klingt auf jeden Fall schon mal gut und nimmt einem die Reichweitenangst. Weiteres Vertrauen soll außerdem die zehnjährige Garantie wecken, die Mercedes auf das Speicherdepot und die elektrischen Komponenten gibt.

Das Fahrwerk besteht aus einer Vierlenker-Vorderachse und einer Raumlenkerachse hinten und ist in den Grundzügen eng mit der S-Klasse verwandt. Im Unterschied soll aber die Abstimmung beim EQE sportlicher sein. "Der Kunde hat die Wahl zwischen einer konventionellen Stahl- oder einer optionalen Luftfederung Airmatic inklusive Dämpferverstellung ADS+", fügt Enzmann hinzu. Ebenfalls aufpreispflichtig ist die Hinterachslenkung. Sie lenkt mit bis zu zehn Grad ein und macht den EQE beim Fahren handlicher. In der Stadt schrumpft außerdem der Wendekreis von ursprünglich 12,5 auf nur noch 10,7 Meter zusammen.

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Text: / handwerksblatt.de

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