VW schützt Hohlräume der Karosserie mit Wachs – hier die Wachsflutanlage.

VW schützt Hohlräume der Karosserie mit Wachs – hier die Wachsflutanlage. (Foto: © VW)

VW im Kampf gegen den Rost

Metalle rosten – und damit auch Autos. Mit viel Aufwand schützen Hersteller daher ihre Karossen. Wir haben uns den Korrosionsschutz bei VW angeschaut.

Alte Liebe rostet nicht. Doch so mancher Besitzer musste sich von seinem Lieblingsauto trennen, weil nicht die Technik, sondern die Karosserie Wind und Wetter nicht standhielten. Sie verwandelten sich in Rostlauben, der TÜV verweigerte die Plakette. Diese schlimmen Zeiten sind vorbei, weil die Autoindustrie mit Maßnahmen reagiert hat, die Rost verhindern sollen.

Seit 40 Jahren aktiv gegen Rost

Die Meilensteine von VW im Korrosionsschutz Foto: © VWDie Meilensteine von VW im Korrosionsschutz Foto: © VW


Ganz weit vorn ist Volkswagen, die seit mehr als 40 Jahren kontinuierlich daran arbeiten, ihre Modelle vor dem Metallfraß zu schützen. Der Anspruch: "Wir wollen die Korrosion am Auto solange hinauszögern, dass der Kunde sie nie zu Gesicht bekommt." Für VW sind die Maßnahmen denn auch ein Pfeiler ihrer Produktqualität, weil sie zum Werterhalt des Fahrzeugs, zur Sicherheit, zur Kundenzufriedenheit und damit zum Image der Marke Volkswagen beitragen.

Rost ist eine chemische Reaktion

Welche Schritte warum erfolgen, lässt sich besser nachvollziehen, wenn man die Ursachen am Fahrzeug für Rost erkennt. Rost entsteht, wenn Stahl auf Sauerstoff und Wasser reagiert. Autos bestehen aus Stahlblech, das Wetter oder die Waschanlage liefert das Wasser und Sauerstoff kommt aus der Luft. Lack schützt zwar das Blech, aber andere Fahrzeuge wirbeln Steinchen hoch, die beim Aufschlag auf der Karosserie für Lackschäden sorgen und so das Metall freilegen. Gleiches gilt für die eigenen Reifen, die den Unterboden permanent beschießen.

Ursachen ausschalten, Folgen minimieren

Generell gilt: Um Korrosion zu vermeiden, kann man versuchen, die Ursachen auszuschalten oder die Folgen zu minimieren. Bei Volkswagen basiert der Korrosionsschutz auf fünf Säulen: die Abdichtnähte, die Hohlraumversiegelung, der Lackaufbau, die Verzinkung und der Steinschlag- und Unterbodenschutz. Dabei starten die Wolfsburger schon in der Fahrzeugentwicklung. Sie simulieren, wie der Steinschlag bei neuen Modellen aussehen kann und wo intensive Vorbeugung notwendig ist. Meist hilft schon ein verändertes Design. Kleine Änderungen an der Seite minimieren Steinschlag erheblich.

Rostschutz per Design

Beispiel Golf 8: So hilft die Konstruktion an der Tür, Rost zu vermeiden Foto: © VWBeispiel Golf 8: So hilft die Konstruktion an der Tür, Rost zu vermeiden Foto: © VW

Ein Beispiel, wie das Design helfen kann, ist der aktuelle Golf 8. Die Designer haben die Türen im unteren Bereich so gestaltet, das unten in der Türöffnung möglichst wenig Regenwasser eindringen kann. Ein technischer Klebstoff füllt den Hohlraum der Falzschlaufe und schafft zugleich eine feste Verbindung zwischen beiden Teilen. Eine PVC-Feinnahtabdichtung versiegelt die umgelegte Falzkante, und die Innenbereiche der Tür erhalten eine Hohlraumkonservierung mit Wachs.

Wachs aus der Flutanlage

Die Karosserie in der Wachsflutanlage Foto: © VWDie Karosserie in der Wachsflutanlage Foto: © VWWachs ist auch in allen anderen Hohlräumen der Karosserie. Dabei setzt VW schon seit 1978 auf Wachsflutanlagen, um diese Hohlräume mit Wachs zu versiegeln. Das Verfahren, das in dieser Art kein anderer Hersteller der Welt einsetzt: Die Rohkarosserie wird auf eine Temperatur von 80 Grad Celcius gebracht und auf eine Lafette platziert. Anschließend strömen aus Stempeln fast 400 Liter Wachs durch Öffnungen in Schweller und Hohlräume ein. Dann setzt VW die Temperatur auf 120 Grad, das Wachs wird flüssig wie Wasser und flutet so in alle Räume. Anschließend wird die Karosserie um 15 Grad nach hinten gekippt, damit das überflüssige Wachs in ein Reservoir wieder abfließen kann. Etwa 1,5 Kilogramm Wachs bleibt als gleichmäßiger Schutzfilm im Fahrzeug.

(Lack-)Schichten gegen Rost

Die Schichten auf dem Karosserieblech Foto: © VWDie Schichten auf dem Karosserieblech Foto: © VW


Neben dieser Wachsflutanlage sorgen eine Verzinkung der Karosserie, der Lack sowie eine Unterbodenversiegelung mit flüssigem PVC für Korrosionsschutz. Die in der Regel knapp 0,8 Millimeter dicken Karosseriebleche erhalten eine Zinkphosphatschicht, auf die anschließend die Kathodische Tauchlackbeschichtung kommt und die eigentliche Basis für den Korrosionsschutz bildet. Füller-, Basis- und Klarlackschichten kommen noch drauf. Der Basislack liefert übrigens die eigentliche Farbe des Fahrzeugs, der Klarlack sorgt für Glanz und Tiefe. Außerdem schützt er den Basislack für UV-Einstrahlung sowie Steinschlag – und damit auch gegen Rost.

Text: / handwerksblatt.de

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