Klaus-Peter Schöppner analysierte die Ergebnisse der Bundestagswahl und versuchte zu erklären, warum die Stimmenabgabe so gelaufen ist.

Klaus-Peter Schöppner analysierte die Ergebnisse der Bundestagswahl und versuchte zu erklären, warum die Stimmenabgabe so gelaufen ist. (Foto: © atlasfoto/123RF.com)

"Die Glaubwürdigkeit bleibt bei uns auf der Strecke"

Politik

Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner analysierte bei "#handwerksumzwoelf" die Ergebnisse der Bundestagswahl und was dazu geführt hat.

Vier Wochen nach der Bundestagswahl blickte der nordrhein-westfälische Handwerkspräsident Andreas Ehlert gemeinsam mit Klaus-Peter Schöppner auf die Ergebnisse zurück. Der Meinungsforscher war zu Gast in der achten Folge von „#handwerkumzwoelf“ von Handwerk.NRW. Schöppner beschrieb eine hohe Fluktuation in der deutschen Wählerschaft, Stammwähler hätten derzeit nur noch einen Anteil von 25 Prozent. "Was das heißt, ist, dass wir im Prinzip keine normale Wahl haben, sondern eher eine emotionale Stichtagsbefragung" Die Folge sei, dass es "alle möglichen Koalitionsvariabilitäten“ auch auf Länderebene mit zunehmend austauschbaren Parteien gebe. Die Gruppen, die aktuell die Wahl bestimmen, seien durch Frust, Fatalismus und Angst gekennzeichnet. Diese Gruppen machten 50 Prozent der Wähler aus. "Die Zahl der Verlierer und Verärgerten nimmt bei uns ständig zu." Dafür müsse die Politik ein Gegenmittel finden.

Das Themenspektrum vor der Wahl habe sich im Vergleich zur Wahl von 2017 völlig verändert. Nicht alle Parteien hätten vor der Bundestagswahl den Nerv der Bürger getroffen. Am ehesten sei das den Grünen gelungen, die von der wachsenden Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz profitieren konnten. Im internationalen Vergleich spiele Deutschland damit eine Sonderrolle, denn in anderen Ländern spiele die Ökologie eine viel kleinere Rolle. Möglicherweise könnten sich hieraus ökonomische Nachteile für Deutschland ergeben, wenn "unsere Sonderrolle zu teuer wird für den normalen Bürger". Schöppner bescheinigte den Parteien eine geringe Zukunftskompetenz. Dennoch hätten sich Grüne und FDP mit Klima beziehungsweise Digitalisierung dieses Image verschafft.

Hohe Manipulationsgefahr

Angesichts der immer komplexer werdenden Themen und der immensen Informationsfülle sei es immer schwieriger für die Wähler, Fakten zu überprüfen. "Die Glaubwürdigkeit bleibt bei uns auf der Strecke. Eine unserer Hauptaufgaben ist es, die Glaubwürdigkeit von Informationen herzustellen", stellte Schöppner fest. Die Informationsexplosion durch das Internet führe dazu, dass es in der Medienwelt nicht mehr um Wahrheit, sondern vielmehr um Emotionen gehe. Das gehe mit einer hohen Manipulationsgefahr einher. Es brauche daher einen verstärkten Faktencheck, gleiche Spielregeln für alle Medien und einen obligatorischen Medienunterricht. Die Politik in Deutschland müsse ihr Sicherheitsdenken ablegen und mehr Risiken eingehen. Für Verwalten und Hinhalten statt Verbessern und Gestalten sei im Nach-Corona-Deutschland weder Zeit noch Geld vorhanden.

Der Meinungsforscher forderte eine Digitalisierungsoffensive. "Wir müssen uns alle die Frage stellen: Nehmen wir die Digitalisierung ernst genug? Was tun wir gegen die Gefahren? Haben die Mitarbeiter die Möglichkeit der Weiterbildung?" Völlig unberücksichtigt geblieben sei bisher die "Digitalangst der Mitarbeiter". Wenn nur in Technik investiert wird, ohne dass die Mitarbeiter mitgenommen werden, sei die Digitalisierung nur die Hälfte wert. Zusätzlich brauche die soziale Marktwirtschaft wieder ein besseres Image und eine Abgrenzung vom Kapitalismus, damit auch das Bild der Wirtschaft wieder zum Positiven beeinflusst werden kann.

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Text: / handwerksblatt.de

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