Berthold Schröder, Leonie Gebers und Joachim Stamp (v. l.) in Dortmund.

Berthold Schröder, Leonie Gebers und Joachim Stamp (v. l.) in Dortmund. (Foto: © IQ Netzwerk NRW / RG)

Ein Moment der Dankbarkeit und Wertschätzung

Politik

Vor 60 Jahren trat die Vereinbarung zwischen Deutschland und der Türkei in Kraft, die die Zuwanderung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland regelte. Dazu hatte der WHKT zu einer Dialogveranstaltung eingeladen.

Am 30. Oktober jährt sich der Abschluss des Anwerbeabkommens mit der Türkei zum 60. Mal. Mit der "Regelung der Vermittlung türkischer Arbeitnehmer nach der Bundesrepublik Deutschland", einem zweiseitigen Dokument, legte das Auswärtige Amt gemeinsam mit der türkischen Botschaft den Grundstein für die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland. Erklärtes Ziel war damals, mit der Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum zu schaffen.

Und so hatten die ersten Zuwanderer auch Anteil am Wirtschaftswunder in Deutschland. Zur Würdigung der Lebensleistungen der ersten Anwerbegeneration hatte die Landeskoordinierung NRW des Förderprogramms "Integration durch Qualifizierung", dessen Träger der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) ist, zu einer Dialogveranstaltung in die Kaue der Zeche Hansemann in Dortmund eingeladen. Die Gespräche und Vorträge von Zeitzeugen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und der türkischen Gemeinden stand unter dem Motto "Erinnern. Würdigen. Entwickeln."

Das Handwerk braucht Fachkräfte

Die Veranstaltung solle ein Moment der Dankbarkeit und Wertschätzung für alle sein, die sich vor 60 Jahren aus der Türkei nach Deutschland auf den Weg gemacht haben, erklärte WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier. Es gehe aber auch um den Arbeitsmarkt heute. Auch das Handwerk sei auf Fachkräfte angewiesen. "Es wollen zu wenige Menschen zu uns in den Wirtschaftszweig kommen, um mitzuhelfen." Ohne Fachkräfteeinwanderung aus anderen Ländern sei dieser Bedarf nicht zu decken.

"Die Frauen und Männer, die ab 1961 aus der Türkei nach Deutschland kamen, haben unsere Wirtschaft und unser Land mit aufgebaut", sagte Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. "Unsere Gesellschaft ist durch sie vielfältiger geworden und unsere Wirtschaft stärker. Diese Stärke müssen wir bewahren. Deshalb braucht Deutschland auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte aus anderen Ländern, denen wir hier neue Perspektiven bieten."

Lebensleistung verdient Anerkennung

Der nordrhein-westfälische Integrations und Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) betonte die Bedeutung des Anwerbeabkommens für die Geschichte und Identität Deutschlands. Die Lebensleistung der Einwanderer verdiene die Anerkennung und den Respekt der gesamten Gesellschaft. Das gelte nicht nur für die erste Generation, sondern auch für deren Kinder, Enkel und Urenkel. Es könne nicht sein, dass sie in Deutschland immer noch Nachteile haben.

"Wir brauchen eine moderne Migrations- und Integrationspolitik, die Chancen für die Zukunft eröffnet", so Stamp. Es gelte Vielfalt zu schätzen und zu leben, denn sie sei der Innovationstreiber im globalen Wettbewerb. "Wir müssen Perspektiven schaffen für Einwanderung. In der Integrationspolitik ist es uns wichtig, Zugewanderten eine rasche Integration, sozialen Aufstieg und am Ende auch die Einbürgerung als krönenden Abschluss einer erfolgreichen Integrationsgeschichte zu ermöglichen."

Handwerk für Integration

Es habe damals sehr viel Mut erfordert, sich aus der Türkei auf den Weg zu machen, um sich in Deutschland eine neue Zukunft aufzubauen. "Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen", sagte Berthold Schröder, Vizepräsident des WHKT. Bei der Integration sei vieles falsch gelaufen, da gebe es durchaus Anlass zur Selbstkritik.

"Ich glaube, wir haben eine Menge daraus gelernt und wenn man auf das Handwerk blickt, kann man sagen: Vieles hat sich auch zum Guten gewendet." Hier gebe es viele Erfolgsgeschichten von türkischstämmigen Unternehmern im Handwerk. "Damals wie heute gibt es einen Riesenbedarf an Fachkräften im Handwerk. Wie die Erfahrung gezeigt hat, kann Zuwanderung hier eine spürbare Entlastung bringen. Daher setzt sich das Handwerk nachdrücklich für die Integration zugewanderter und geflüchteter Menschen ein."

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Text: / handwerksblatt.de

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