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So funktioniert Teamwork im Handwerk

Wenn es unter den Mitarbeitern Spannungen gibt, setzen Chefs gerne auf Teambildungs-Maßnahmen. Sie hoffen, dass Kollegen danach effektiver zusammenarbeiten.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Was Sie als Chef im Handwerk wissen müssen
Teamwork 123rf
Foto: © Jasmin Merdan/123RF.com

Agenturen lassen sich deshalb immer wieder neue Abenteuer für Mitarbeiter und Führungskräfte einfallen, um sie zu echten Teamplayern zu formen. Sind das Spielerei oder gutes Werkzeug, um auch Mitarbeiter in Handwerksbetrieben zusammenzuschweißen und zu motivieren?

Die Agentur Domset aus Köln bringt tierischen Einsatz, um Teamarbeit und Kommunikation ihrer Kunden zu verbessern. Sie schickt Gruppen etwa auf die Weide, um ihre Teamfähigkeit zu testen. Beim Hüten von Schafen sind Zusammenarbeit und Kommunikation gefragt. Wie sonst sollen Menschen, die im Alltag in Büros oder Werkstätten arbeitet, die eher trägen Tiere dirigieren? Die Teams sollen Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden lösen: die Tiere unter einen Busch treiben, die Herde teilen oder sie durch ein enges Tor führen.

Die Übungen werden von professionellen Coaches begleitet, die das Verhalten der Teilnehmer unter die Lupe nehmen. In der anschließenden Besprechung werden die Ergebnisse und die Erfahrungen der Teilnehmer aufgearbeitet. Hier soll die Brücke zum Arbeitsalltag geschlagen werden. Dreimal hätten sie das Schafe-Hüten bislang als Maßnahme durchgeführt, berichtet Oliver Malat, Kreativdirektor und Marketingleiter von Domset. Bis zu vier Stunden dauerten die Übungen. "Eines der Teams hat vorher theoretisch Führungsleitlinien erarbeitet. Danach wurden die Mitarbeiter überraschend zu den Schafen gebracht." Dort konnten sie ihre Leitlinien gleich in der Praxis erproben.

Im Alltag fällt die Kommunikation seitdem leichter

Goli Hager von der Vivento Interims Service GmbH hat ein solches Teambuilding mitgemacht äußert sich begeistert. Nach einer Reorganisation der Fima sollte sich eine Gruppe von etwa 20 Führungskräften, mit vielen Neuzugängen, bei der Veranstaltung besser kennenlernen. Die Gruppe wurde geteilt, und während die eine Hälfte die Schafe zu führen versuchte, schaute die andere zu und gab Rückmeldung. Voller Elan habe sich ihre Gruppe auf die Aufgaben gestürzt, ohne sich vorher abzustimmen oder eine Strategie zu entwickeln, erzählt die Managerin. Das Ergebnis: Schon bei der zweiten Aufgabe scheiterten sie kläglich und mussten erschöpft aufgeben, denn das laute Blöken machte spontane Abstimmung auf Zuruf unmöglich.

"Das war lehrreich und ließ sich auf Projektsituationen übertragen", so Hager. "Man nimmt sich zu wenig Zeit für die Planung, will sofort loslegen. Aber wenn die Aufgaben am Anfang nicht festgelegt werden, wird es nachher schwierig." Sie hätten immer wieder innehalten und sprechen müssen, resümiert die Managerin. Das gemeinsame Erlebnis habe sie emotional verbunden. Im Alltag falle die Kommunikation seitdem leichter. Die Gruppe war sich einig diese Erfahrung einmal im Jahr bei einer ähnlichen Veranstaltung auffrischen zu wollen. Laut Goli Hager kann das für jedes Unternehmen funktionieren: "Es geht um menschliche Interaktion, und die brauche ich schließlich überall." Wichtig sei Offenheit für die Erfahrung.

Hunde reagieren nur auf eindeutige Zeichen ...

Gute Kommunikation ist Grundlage jeder Teamarbeit, da sind sich Experten einig. Domset führt außer Schafe auch Hunde ins Feld, um daran zu feilen. Der ungestüme Rhodesian Ridgeback Cheney und der gemütliche Broholmer Aragorn seien gut sozialisiert, hätten aber ihren eigenen Kopf, betont Besitzerin Patricia Fischer-Elfert. Sie hat die coachdogs® Akademie gegründet, in der sie mithilfe ihrer Hunde Menschen unter anderem in Kommunikation weiterbildet. Teilnehmer ihrer Seminare, die Cheney oder Aragorn beispielsweise um einen Busch führen sollen, erleben, dass Cheney sich nicht aufrafft, während Aragorn losprescht – nur nicht in die gewünschte Richtung.

Erst wenn sie mit den Hunden sprechen und in ihrer Körperhaltung ausdrücken, was sie wollen, gehen die Tiere bereitwillig mit. Im Umgang mit den Hunden bekommen Teilnehmer ein Gespür dafür, wie das, was sie sagen wollen, beim anderen ankommt. Hunde reagieren nur auf eindeutige Zeichen. Wer sich darauf einlässt, kann von Schaf und Hund wohl doch einiges lernen.

Text: Melanie Dorda
Foto: © Jasmin Merdan/123RF.com

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