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Familienangehörige einstellen: Vorsicht Falle!

Verheiratet, verwandt oder verschwägert? Arbeiten Familienangehörige im Betrieb, winken steuerliche Vorteile. Doch Vorsicht: Das Finanzamt prüft solche Arbeitsverhältnisse genau!

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Was Sie als Chef im Handwerk wissen müssen
Handwerk
Foto: © Christ Gebhart/123RF.com

Bei kleinen Familienbetrieben liegt es nahe, Angehörige offiziell zu beschäftigen. Dies hat nicht nur den Vorteil einer stärkeren Identifikation mit dem eigenen Unternehmen, sondern auch den Nutzen, dass eine absolute Vertrauensperson in die betrieblichen Abläufe eingebunden ist. Außerdem bietet die steuerliche Anerkennung eines solchen Arbeitsverhältnisses interessante finanzielle Vorteile.

Um dem Missbrauch vorzubeugen, sind mit der steuerlichen Anerkennung von Angehörigenverträgen aber strenge Voraussetzungen verbunden. Deshalb sollten Handwerksunternehmer darüber ausführlich mit ihrem Steuerberater sprechen. Denn er kennt die individuellen Bedingungen des jeweiligen Betriebes genau und kann das in den Formulierungen des Arbeitsvertrags berücksichtigen. Ist dieser nämlich zu oberflächlich formuliert, könnten die Finanzbehörden argwöhnen, dass der Vertrag nur auf dem Papier besteht, um Steuern zu sparen. Deshalb müssen Betriebsinhaber gerade bei Verträgen mit Angehörigen mit einer intensiven Plausibilitätsprüfung durch das Finanzamt rechnen.

Grundsätzliche Vorgaben 
Ein entscheidender Maßstab für die Ernsthaftigkeit von Angehörigenverträgen ist, dass die Vertragsbedingungen weitgehend denen zwischen fremden Personen entsprechen. Nach der Rechtsprechung können sogar noch strengere Anforderungen als bei Verträgen mit Fremden gestellt werden. Deshalb sollten alle Regelungen eindeutig und unmissverständlich getroffen werden.

Schriftform
Der Arbeitsvertrag sollte unbedingt schriftlich verfasst werden. Das Risiko von Missverständnissen kann so auf ein Minimum reduziert werden. Außerdem sollte darin genau festgelegt werden, welche Aufgaben das Familienmitglied im Unternehmen übernehmen wird. Denn bei einer Betriebsprüfung wird gern nachgefragt, ob der Angehörige sich auch in Detailfragen seiner Tätigkeit auskennt und ob er beispielsweise weiß, wie bestimmte Abläufe erfolgen, die zu seinem Aufgabenbereich gehören.

Arbeitszeit 
HandwerkKein Zweifel sollte auch an der Formulierung der Arbeitszeit bestehen. Die Angabe der Wochentage sowie der Anzahl der täglichen Arbeitsstunden einschließlich der Pausenregelungen sind hier wichtig.

Arbeitsentgelt
Steuerlich relevant ist ein angemessenes Arbeitsentgelt. Es sollte dem Gehalt für eine fremde Arbeitskraft entsprechen. Orientierung bieten Durchschnittsgehälter der Branche, die beispielsweise bei der zuständigen Handwerkskammer erfragt werden können. Außerdem sollte der Angehörige ein eigenes Konto besitzen, auf das die Gehaltszahlung zu den vertraglich festgelegten Terminen erfolgt. Üblich sind monatliche Zahlungen. Wichtig: Eine einmalige Zahlung beispielsweise zum Jahresende ist heikel und kann zur steuerlichen Aberkennung des Arbeitsverhältnisses führen. Werden vertraglich festgelegte Zahlungszeitpunkte nicht eingehalten oder erfolgen Gehaltszahlungen unregelmäßig, kann dies für das Finanzamt ein Indiz sein, dass das Vertragsverhältnis nicht ernsthaft gewollt ist. Das kann dazu führen, dass es den Abzug als steuerliche Betriebsausgabe verweigert.

Folgen
Einem Fremdvergleich standhalten müssen auch die übrigen Bedingungen des Arbeitsverhältnisses. Dazu gehört zum Beispiel die Einbehaltung und Abführung der Lohnsteuer bzw. der Sozialversicherungsbeiträge, wenn eine Sozialversicherungspflicht besteht. Das gilt auch für den bezahlten Jahresurlaub, der dem mitarbeitenden Familienmitglied ebenso zusteht wie einer fremden Person.

Verschwiegenheitspflicht
Auch bei Angehörigen sollte über eine vertragliche Regelung zur Verschwiegenheitspflicht nachgedacht werden. Das heißt: Sie werden verpflichtet über sämtliche betriebliche Angelegenheiten, vor allem über Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse, die während des Arbeitsverhältnisses bekannt werden, Stillschweigen zu bewahren.

Text: Michael Vetter
Fotos: © Christ Gebhart/123RF.com; © auremar/123RF.com

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