Banken verlangen bei der Kreditvergabe immer mehr wirtschaftliche Details von den Betriebsinhabern, ebenso Prognosen über Liquiditäts- und Rentabilitätsentwicklungen.

Banken verlangen bei der Kreditvergabe immer mehr wirtschaftliche Details von den Betriebsinhabern, ebenso Prognosen über Liquiditäts- und Rentabilitätsentwicklungen. (Foto: © Alexander Raths/123RF.com)

Bei Bankgeschäften sollte man auf mehrere Pferde setzen

Nur mit einem Kreditinstitut zusammenzuarbeiten, ist für Betriebe heute meistens nicht mehr empfehlenswert. Stellen Sie ihre Bankbeziehungen auf den Prüfstand!

Schwierige Kreditvergaben, eine nahezu Nullzinspolitik bei Geldanlagen sowie immer wieder der Versuch, neue oder alte Gebühren den bereits bestehenden hinzuzufügen: Es ist zu befürchten, dass Bankinstitute damit ihren ohnehin angeschlagenen Ruf weiter beschädigen. Betriebsverantwortliche sollten daraus die Konsequenzen ziehen und ihre sämtlichen Bankbeziehungen auf den Prüfstand stellen. War es in der Vergangenheit in der Regel durchaus sinnvoll, vor allem mit einem Kreditinstitut zusammenzuarbeiten, kann in heutiger Zeit dieses Geschäftsmodell meist nicht mehr empfohlen werden.

Transparenz nur auf Kundenseite

Die Realität in Zeiten der nach wie vor anhaltenden Banken- und Finanzkrise hat kaum mehr etwas mit dem Bild zu tun, dass Betriebsinhaber gemeinsam mit ihren Banken geprägt haben.

Die klassische Hauptbankverbindung bedeutete: Mit einem Kreditinstitut wurden nahezu sämtliche geschäftlichen und privaten Transaktionen durchgeführt. Vor allem im Kreditbereich war dies durchaus von Vorteil, da die Ermittlung der Kreditwürdigkeit in einem halbwegs transparenten Verfahren auch für den in Bankfragen nicht immer sehr erfahrenen Betriebsinhaber ebenso nachvollziehbar war wie die Bewertung der überlassenen Kreditsicherheiten. Rückfragen des Kunden wurden meistens kurzfristig und erschöpfend vom Bankmitarbeiter vor Ort beantwortet.

All dies ist heute nahezu nicht mehr möglich. Ein negativer Trend ist vor allem bei der Transparenz festzustellen: Diese wird zunehmend fast ausnahmslos den Kreditnehmern auferlegt. In immer engeren zeitlichen Abständen verlangen Banken wirtschaftliche Details des Betriebs ebenso wie Prognosen über die schwer zu kalkulierenden Liquiditäts- und Rentabilitätsentwicklungen.

Undurchsichtige Beurteilungssysteme

Fragt dagegen der Kunde nach belastbaren Fakten etwa zur Kreditwürdigkeit und nach den Inhalten der damit zusammenhängenden Beurteilungssysteme, bleiben konkrete Antworten des Geldhauses häufig aus. Bankmitarbeiter müssen immer wieder einräumen, dass selbst ihnen nicht jedes Rating- oder Socringdetail bekannt ist. Die ebenfalls angesprochenen Kreditsicherheiten bieten ein ähnliches Bild: Wenig Transparenz bei der Wertermittlung, die, so wird häufig argumentiert, "bankintern" sei und daher nicht kommuniziert werden dürfe.

So bleibt die Frage, wie Inhaber von Klein- und Mittelbetrieben ihre Kreditwürdigkeit, die sich nun einmal durch Beurteilungssysteme und durch die Qualität der Sicherheiten ergibt, mit dem Ziel günstigerer Kreditzinssätze verbessern sollen, wenn sie nicht wissen, wo sie anzusetzen haben. Lapidare Hinweise des Kreditgebers, dass die "Eigenkapitalquote zu gering" und die "Privatentnahmen zu hoch" seien, sind hierzu in keiner Weise zielführend. Im Gegenteil, sie verstärken vielfach die Unzufriedenheit des oft langjährigen Kunden.

Kommunikationsmängel

Das gilt auch für einen weiteren wichtigen Punkt, der in der Vergangenheit häufig als Bindeglied zwischen der Bankfiliale vor Ort und der jeweiligen Bankzentrale wirkte. Hier geht es um die Gespräche zwischen Filialleiter und Unternehmer, bei denen sich anbahnende Irritationen fast immer bereits in einem frühen Stadium ausgeräumt werden konnten.

Auch dies gehört längst der Vergangenheit an. Von den geradezu sprichwörtlichen Ausnahmen einmal abgesehen, erfahren Filialleiter gar nicht mehr, wenn beispielsweise Lastschriften auf Grund mangelnder Kontodeckung des Kunden zurückgebucht werden. Dies bleibt ihnen meistens ebenso verborgen wie die Entwicklung der individuellen Kreditwürdigkeit. Gesteuert werden diese Prozesse nun von der Zentrale. Bestehen kundenseitig Rückfragen, können diese meist auch nur dort beantwortet werden.

Da ist es nicht erstaunlich, dass Begriffe wie Kundennähe oder Kundenorientierung von Betriebsverantwortlichen vollkommen anders definiert werden als von den nun zuständigen Bankmitarbeitern. Wege aus dem Dilemma Da Banken diese Zusammenhänge gern als "Professionalisierung" bezeichnen, sollte es dort eigentlich nicht verwundern, wenn der Kunde ebenfalls seine bisherige Geschäftsstrategie überdenkt, anpasst und eben "professionalisiert".

Kunden sollten mit mehr als einer Bank arbeiten

Dazu sollte in jedem Fall die Frage gehören, die schon zu Beginn dieses Beitrags angesprochen wurde: Ob das meistens bevorzugte Hausbankmodell überhaupt noch zeitgemäß ist. Sinnvoller dürfte dagegen oft eine Aufteilung der bisherigen Aktivitäten auf zwei oder drei Bankinstitute sein, die sich in ihren Produkten und Dienstleistungen ergänzen. Dies könnte beispielsweise eine Volksbank oder Sparkasse vor Ort sein, die durch eine Direktbank und durch eine überregional tätige Bank "abgerundet" wird.

Die Vorteile sind vielfältig: Unterschiedliche Bankengruppen bieten in der Regel nicht nur unterschiedliche Angebote, sondern auch differenzierte Kostenmodelle sowie abgestufte Kreditbeurteilungen. Dies alles sind Punkte, die dem eigentlichen Dienstleistungscharakter in seiner ursprünglichen Vielfalt gerecht werden. Das Ziel sollten in der Tat mehrere gleichberechtigte Bankinstitute sein, die durchaus voneinander wissen können. Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Um nicht missverstanden zu werden: Unternehmer, die mit Ihrer bisherigen Kunden-Bank-Verbindung zufrieden sind, sollten daran natürlich nichts ändern, aber dennoch wachsam die Entwicklung verfolgen.

Michael Vetter ist selbstständiger Fachautor und Wirtschaftsberater mit dem Schwerpunkt Finanzen und Banken. (Foto: Andreas Buck) Foto: © Anderas BuckMichael Vetter ist selbstständiger Fachautor und Wirtschaftsberater mit dem Schwerpunkt Finanzen und Banken. (Foto: Andreas Buck) Foto: © Anderas Buck

Praxistipp: Checkliste zur Optimierung Ihrer Bankgeschäfte

  1. Machen Sie eine Bestandsaufnahme der finanziellen Transaktionen und den daraus resultierenden Kosten, die mit den jeweiligen Bankinstituten getätigt werden. Banken, die sich regelmäßig ergänzen (wie Filialbank und Direktbank), bieten hier meist mehr Vorteile als Banken, die eine weitgehend gleiche Angebotspalette bieten (Volksbank und Sparkasse);

  2. Legen Sie fest, in welchem Umfang Sie Beratungsqualität erwarten. Hier wiederum können Filialbanken und überregional tätige Institute Vorteile gegenüber oft preiswerteren Direktbanken besitzen; 

  3. Ein ebenfalls wichtiges Kriterium ist die Transparenz bei Kreditentscheidungen, die meistens unabhängig vom jeweiligen Kreditgeber ist. Hier zählen Ihre Erfahrungen sowohl im Vorfeld von Kreditvergaben als auch bei bereits bestehenden Kreditengagements;

  4. Denken Sie darüber nach, in welcher Form und in welchem Umfang Sie mit wem private und geschäftliche Dienstleistungen tätigen. Es kann sinnvoll sein, Bankgeschäfte hier konsequent zu trennen.

Kreditverlagerung

Auch langfristige Kredite und Darlehen müssen keineswegs "in Stein gemeißelt" sein. Kreditablösungen durch andere Banken sind meist problemlos zum Ablauf der jeweiligen Zinsbindung möglich – bei variablen Vereinbarungen in der Regel sogar jederzeit. Hier hilft ein Blick in den Darlehensvertrag ebenso wie ein ausführliches Gespräch mit der übernehmenden Bank über die entsprechenden Modalitäten und die eventuell entstehenden Kosten.

Wichtig: Sollte es im bisherigen Darlehensvertrag eine verbindliche Regelung über Umsatzzuweisungen geben, muss mit dem bisherigen Kreditgeber natürlich auch darüber verhandelt werden. Die übernehmende Bank, zumal als Kreditgeber, wird ihrerseits sicherlich ebenfalls an angemessenen Umsätzen interessiert sein.

PraxistippCheckliste für einen Bankwechsel Schritt für Schritt:

1. Da die meisten Betriebe über mehrere Bankverbindungen verfügen, ist ein Bankwechsel zu einer der bisherigen Nebenbanken schon deshalb die oft sinnvollste Alternative, da hier bereits Erfahrungen mit der Servicequalität bestehen;

2. Lassen Sie sich etwa ein halbes Jahr Zeit und prüfen Sie sorgfältig, ob die übernehmende Bank auch tatsächlich den eigenen Anforderungen zumindest weitgehend entspricht. Während dieses Zeitraums sollte die die bisherige Bankverbindung bestehen bleiben;

3. Wollen Sie wechseln, sollten Sie die übernehmende Bank bitten, die neue Bankverbindung bei sämtlichen relevanten Geschäftspartnern zu kommunizieren. Die meisten Banken halten für ihre Geschäftskunden entsprechende (kostenlose) Dienstleistungen rund um den Kontowechsel bereit, da insbesondere neben der Information der Geschäftspartner und den Änderungen auf den Briefbögen auch Lastschriften, Daueraufträge etc. umgestellt werden müssen.

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Text: / handwerksblatt.de

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