In der Krise kommt dem Jahresabschluss 2020 eine entscheidende Bedeutung zu. Experten raten dazu, ihn bald anzugehen.

In der Krise kommt dem Jahresabschluss 2020 eine entscheidende Bedeutung zu. Experten raten dazu, ihn so schnell zu möglich zu erstellen. (Foto: © satich/123RF.com)

Banken werden die Messlatte für Kredite höher hängen

Corona verändert auch die Kreditbedingungen von Banken und Sparkassen gegenüber Firmenkunden aus dem Mittelstand. Einige Unternehmen sollten sich auf schärfere Kreditprüfungen einstellen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der KMU-Berater.

Die Corona-Pandemie wird das Kredit-Rating von vielen Unternehmen nach dem Jahresabschluss 2020 signifikant verschlechtern. Zu dieser Einschätzung kommen 86 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Bundesverbands "Die KMU-Berater" unter 113 Kundenberatern und Kreditrisikomanagern von Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Privatbanken.

"Die Banken rechnen damit, dass der Jahresabschluss 2020 Verluste aufdeckt, die das Eigenkapital verschlechtern und die künftige Kapitaldienstfähigkeit reduzieren", sagt Thomas Schader, Unternehmensberater aus Dieburg (Hessen). Er leitet die Fachgruppe Sanierung bei den KMU-Beratern.

"Ein besonderes Augenmerk legen die Kreditinstitute darauf, ob Unternehmen pandemiebedingte Verluste mit Liquiditätshilfen der Bundesregierung refinanziert haben, die mittelfristig zurückgezahlt werden müssen", erklärt Schader. Abhängig von der Höhe der Verluste könne auch eine Restrukturierung des Unternehmens erforderlich sein. Insgesamt würden die Banken die Messelatte für Kredite in Zukunft höher hängen. Darauf können sich Unternehmen aber einstellen und vorbereiten.

Am stärksten betroffen von schlechteren Ratings sind nach der Umfrage die vom Lockdown betroffenen Branchen wie Tourismus, Events, Messebau, Kultur und Gastronomie. Gefolgt von der Automotive-Branche und dem Einzelhandel. Am wenigsten betroffen sind nach Einschätzung der Bankberater der Lebensmitteleinzelhandel und das Handwerk.

"Der Jahresabschluss ist ein Führungsinstrument"

"Kreditinstitute werden sich genau ansehen, inwieweit Unternehmen noch zur Restrukturierung in der Lage sind", erklärt Schader. Aufgabe von Unternehmen mit Bankkrediten sei jetzt zweierlei: "Erstens die wirtschaftliche Situation nüchtern und selbstkritisch bewerten. Und zweitens Konzepte erarbeiten und umsetzen, die die eigene Zukunftsfähigkeit sichern."

Nur so sei es kleinen und mittelgroßen Unternehmen möglich, rechtzeitig die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen. "Der Jahresabschluss ist ein Führungsinstrument", sagt Schader. Auf dieser Grundlage könne man Fehlentwicklungen zielgenau gegensteuern und Kreditgebern die geforderten aktuellen Informationen liefern. Dabei komme dem Jahresabschluss 2020 eine entscheidende Bedeutung zu.

Den Jahresabschluss so schnell wie möglich erstellen

Die Frage, wie wichtig er für kommende Kreditentscheidungen mit Blick auf die Corona-Auswirkungen ist, beantworten 76,1 Prozent der Umfrageteilnehmer mit "wichtig" oder sogar "unabdingbar/zwingend". Für Unternehmen heißt das: sie müssen "den Jahresabschluss 2020 spätestens im April dieses Jahres erstellen", rät Schader.

Es sei ratsam, bald anzufangen, zumal bei den Steuerberatern ein Engpass droht. Zum einen sind viele Steuerkanzleien derzeit stark gefordert mit den Antragstellungen für Corona-Hilfen. Zum anderen hätten viele Unternehmen selbst den Jahresabschluss 2019 noch nicht erstellt, meint der Experte. "Hierfür wurde die Frist von Ende Februar bis 30. August 2021 verlängert. "Trotzdem, wer diese Mammutaufgabe bewältigen und ein vertrauensvolles Verhältnis zu seiner Bank erhalten will, muss jetzt anpacken." 

Was ist zu tun? "Schnell die Hausaufgaben erledigen, dem Steuerberater alle erforderlichen Unterlagen zur Verfügung stellen und auf eine zügige Erstellung des Jahresabschlusses 2020 drängen", rät Schader.

Banken verschärfen ihre Risikopolitik

Auf die Frage, wie die Banken auf schlechtere Ratings reagieren würden, antworteten

  • 83,2 Prozent mit höheren Anforderungen an das Reporting,
  • 72,6 Prozent mit Nachbesicherung bestehender Engagements,
  • 67,3 Prozent mit Preiserhöhungen und
  • 55,8 Prozent damit, keine neuen Kredite zu vergeben.
  • Eine Mehrfachauswahl war möglich.

"Auf diese verschärfte Risikopolitik müssen sich kleine und mittlere Unternehmen jetzt einstellen", so Schader.

Tipps: 

  • Kommunikation mit der Hausbank aktiv angehen.
  • Hohes Augenmerk auf Professionalität im Umgang mit der Bank richten.
  • Betriebswirtschaftliche Unterlagen rasch und aussagekräftig erstellen. Am besten in Form einer "qualifizierten" Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) auf Basis eines funktionierenden Rechnungswesens. 
  • Frühwarnsystem installieren durch Einsatz von Controlling-Instrumenten (etwa Ertrags- und Liquiditätsplanungen), um Risiken früh zu erkennen und gegensteuern zu können.
  • Das eigene Geschäftsmodell kritisch auf seine Zukunftsfähigkeit überprüfen und ggf. konkrete Maßnahmen zu seiner Weiterentwicklung ergreifen.

Banken legen Wert auf Frühwarnsysteme

Auf die Frage, wie wichtig ein Frühwarnsystem im Unternehmen ist, haben 96,5 Prozent die Antwort "relativ wichtig", "wichtig" oder "äußerst wichtig" gegeben. "Leider haben etliche KMUs kein Frühwarnsystem, oft noch nicht einmal Ansätze. Dabei ist es für jedes Unternehmen überlebenswichtig, aussagekräftige betriebswirtschaftliche Auswertungen rasch erstellen zu können. Erst recht in Krisenzeiten", rät Schader.

Oft stimme die Selbsteinschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation nicht mit der harten Realität überein. "Zu viele Mittelständler verlassen sich auf ihr Gefühl oder ihren Steuerberater. Sie wissen nicht, anhand welcher Krisensymptome man eine heraufziehende Unternehmenskrise erkennt", so Schader. Banken würden es daher begrüßen, wenn sich Unternehmen einen qualifizierten Berater zur Seite holen.

Quelle: Die KMU-Berater 

Zur Umfrage Die Umfrage mit 16 Fragen wurde zwischen dem 18. und dem 29. Januar 2021 online durchgeführt. 113 Banker aus dem Firmenkundengeschäft haben an der Umfrage teilgenommen (31,9 Prozent Vertreter von Sparkassen; 46,9 Prozent Genossenschaftsbanken; 21,2 Prozent Privatbanken). Zu 67,3 Prozent waren es Kundenberater (Markt), zu 32,7 Prozent Kreditrisikomanager (Marktfolge).

Text: / handwerksblatt.de

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