Ein Auslandsaufenthalt ist für Handwerkerinnen und Handwerker in vielen Ländern möglich. Die Mobilitätsberatung der Kammern sucht passende Förderprogramme heraus und hilft bei der Organisation. (Foto: © HONGQI ZHANG/123RF.com)

Auslandsaufenthalt: Für jeden ist etwas dabei

Gruppenfahrten für Azubis, Einzelentsendungen für Gesellen oder Bildungsreisen für Ausbilder – Mobilitätsberaterin Francesca Venturella hat für jeden etwas im Programm.

Francesca Venturella macht mobil. Sie organisiert Auslandsaufenthalte für Auszubildende, Gesellen, Meister und Ausbildungsverantwortliche aus dem Handwerkskammerbezirk der Pfalz. "Ich berate die Interessenten intensiv, suche für sie ein passendes Förderprogramm und helfe ihnen bei allen Fragen rund um den Auslandsaufenthalt", umreißt die Mobilitätsberaterin ihr Aufgabenprofil.

Die meisten Handwerker vermittelt Mobilitätsberaterin Francesca Venturella innerhalb der Europäischen Union. Ein Teil der Kosten für einen Auslandsaufenthalt kann über das EU-Programm Erasmus+ abgedeckt werden. Mit dem Stipendium soll das Lernen und Zusammenarbeiten in Europa gefördert werden. Einen Zuschuss gibt es etwa zu den Fahrtkosten und zur Unterkunft.

Gruppenfahrten sind für Auszubildende ein bequemer Einstieg, um erstmals Auslandsluft zu schnuppern. Die Reise dauert im Schnitt drei Wochen und wird von Francesca Venturella "von A bis Z" organisiert. Drei Gruppen haben sich in diesem Jahr schon ins Abenteuer gestürzt – zwei Delegationen von Bäckern und Konditoren waren in England bei Harrods, ein Zweierteam von Kfz-Mechatronikern hat die Unternehmensluft von Scania in Schweden geschnuppert.

Eigenständigkeit gehört zum Lernprozess

Einzelentsendung sind eine größere Herausforderung – sowohl für die Mobilitätsberaterin als auch für die Junghandwerker. Francesca Venturella sieht ihre Rolle hierbei eher als Begleiterin. Für einen Landmaschinenmechatronikergesellen, der drei Monate nach Kanada möchte, hat sie ein Förderprogramm gefunden, die Unterlagen angefordert und ihm Tipps für die Bewerbungsunterlagen gegeben. Zudem spricht sie mit dem Arbeitgeber darüber, wie er den Mitarbeiter am besten freistellt. "Ich fülle aber nicht jedes einzelne Blatt für die Teilnehmer aus. Es gehört zum Lernprozess dazu, dass sie sich eigenständig organisieren."

Sowohl bei Gruppen- wie auch bei Einzelentsendungen gilt: Die Teilnehmer müssen volljährig sein und mindestens eine Fremdsprache – vorzugsweise Englisch – grundlegend beherrschen. Wird das Praktikum im Rahmen der Ausbildung absolviert, bekommt der Azubi in dieser Zeit weiter seine Vergütung. Bis zu einem Viertel der Ausbildung kann – in Absprache mit dem Betrieb und der Berufsschule – im Ausland verbracht werden.

Bessere Sprachkenntnisse erweitern den Kundenkreis

Vom Auslandstrip profitieren beide Seiten. "Viele Jugendliche waren noch nie alleine weg. Für sie ist das Auslandspraktikum eine große Herausforderung." Wer sie meistert, ist motivierter, selbstbewusster und selbstständiger. Die Teilnehmer entwickeln sich aber nicht nur persönlich weiter. Manche bringen neue Arbeitstechniken mit. Bei längeren Aufenthalten verbessern sich die Sprachkenntnisse. Beides können die Betriebe nutzen, um neue Kunden zu gewinnen oder Geschäftskontakte anzubahnen. "In unserer Region leben viele Amerikaner. Nach Frankreich ist es nur eine Stunde", fallen Francesca Venturella als Beispiele ein.

Auszeichnung in Silber und Gold für engagierte Betriebe

Jedem Betrieb, der aufnimmt oder entsendet, wird eine Plakette mit der Aufschrift "Auslandspraktikum – wir machen’s möglich" verliehen. Sie kann beispielsweise für die Nachwuchswerbung im Internet, auf dem Briefpapier oder den Firmenfahrzeugen eingesetzt werden. "Wer seinen Auszubildenden einen Auslandsaufenthalt ermöglicht, macht sich bei Schulabgängern als Arbeitgeber attraktiv", ist Francesca Venturella überzeugt. Bei einer Entsendung gibt es eine silberne, ab zwei Entsendungen eine goldene Plakette.

Deutschlandweit helfen über 50 Mobilitätsberater Unternehmen, Auszubildenden und jungen Fachkräfte dabei, einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen. Es gibt über 40 Beratungsstellen. Sie sind meist bei den Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern zu finden, die im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts "Berufsbildung ohne Grenzen" agieren. Unterstützt werden die Mobilitätsberater von zwei Koordinierungsstellen. Sie sind bei der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk und bei der DIHK Service GmbH angesiedelt. Eine Karte, auf der alle Mobilitätsberater abgebildet sind, ist im Internet zu finden.

Dass es Ausreisen auch für Ausbildungsverantwortliche gebe, sei kaum bekannt. Zuletzt war sie mit einer Gruppe für drei Tage in London. "Einen Tag haben wir uns angeschaut, wie das Auslandspraktikum unserer Bäcker und Konditoren bei Harrods organisiert ist." An zwei Berufsschulen haben sich die Multiplikatoren aus Deutschland mit ihren englischen Kollegen über die Berufsbildungssysteme ausgetauscht. "Das war für uns sehr spannend. Ich würde mich freuen, wenn wir künftig mehr Ausbilder, Betriebsinhaber, Prüfer oder Mitarbeiter von Kreishandwerkerschaften für eine Bildungsreise gewinnen könnten."

Text: / handwerksblatt.de