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HWK Koblenz | September 2025
Kunststoffrohre: Leitungen der Zukunft?
Die Schweißtechnische Lehranstalt der HwK Koblenz lädt am 12. September zu einem Branchenaustausch über den Einsatz von Kunststoffrohrleitungen ein.
Die Berater für Innovation und Technologie (BIT) bieten individuelle Beratungen im Betrieb, aber auch Seminare (wie hier zum 3D-Druck bei der HWK der Pfalz) an. (Foto: © Benjamin Hilmer / HwK der Pfalz)
Vorlesen:
Digitales Handwerk - Themen-Specials
August 2025
Benjamin Hilmer, Berater für Innovation und Technologie (BIT) bei der Handwerkskammer der Pfalz, erklärt im Interview, wie die Kammern dabei helfen, neue Technologien und Künstliche Intelligenz praxisnah und gewinnbringend einzusetzen.
Lohnt sich eine KI-Assistenz für meinen Betrieb, wie kann ich meine IT vor Cyber-Angriffen schützen, wofür eignen sich Drohnen und wie funktionieren Exoskelette? Fragen und Ideen zu neuen Technologien und zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) werden im Handwerk immer mehr. Doch im Tagesgeschäft bleibt oft wenig Zeit, sich damit zu befassen. Die Handwerkskammern bieten den Betrieben eine kostenfreie und praxisnahe Hilfe an.
Rund 130 Beraterinnen und Berater für Innovation und Technologie, BIT/ DigiBIT, sind bundesweit bei den 53 Handwerkskammern – vereinzelt auch an Kreishandwerkerschaften oder Verbänden – beschäftigt. Die Arbeit der BIT wird vom Bundeswirtschaftsministerium finanziell unterstützt.
Wir haben mit Benjamin Hilmer, Wirtschaftsingenieur (M. Eng) und Berater für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer der Pfalz über das Angebot gesprochen.
Deutsches Handwerksblatt (DHB): Herr Hilmer, was macht ein Berater für Innovation und Technologie?
Benjamin Hilmer: Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Handwerksbetriebe zu steigern. Wir beraten auch telefonisch, aber idealerweise direkt vor Ort im Betrieb. Denn vor Ort sieht man oft Dinge, die einem vorher nicht aufgefallen wären – zum Beispiel, dass das Passwort des WLAN-Routers im Kundenbereich sichtbar ist. Die Themen sind sehr vielfältig. Das geht von einer individuellen Beratung zu Datenschutz und IT-Sicherheit, über das digitale Aufmaß bis hin zur Unterstützung beim Wissenstransfer, also wenn ein Handwerksunternehmen mit einer Hochschule zusammenarbeiten möchte. Wir bieten Seminare an und informieren bei Veranstaltungen. Wir Berater selbst besuchen regelmäßig Messen und Fortbildungen, um selbst immer auf dem neuesten Stand zu sein. Auch ein überregionaler Austausch zwischen BITs und DIGI-BITs findet kontinuierlich statt.
DHB: Wie stehen denn die Betriebe zum Einsatz von KI-Tools?
Hilmer: Handwerker müssen im Gegensatz zu anderen Branchen keine Angst haben, dass KI ihnen die Arbeit wegnimmt. Der Einsatz von KI im Betrieb bietet die Möglichkeit, zeitintensive und monotone Abläufe zu automatisieren, so dass sich der Betrieb auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann. Ich sehe darin beispielsweise eine Unterstützung für die Büroorganisation, den Kundenkontakt oder die Angebotserstellung. Manche Betriebe fangen gerade bei null an, andere sind schon sehr weit, nutzen Chatbots in der Kundenberatung oder KI in der Projektplanung. Wir beraten zum Beispiel zu KI-Telefonassistenten – das kommt gut an. Bei der Auswahl der Lösungen muss man die Kosten und den Nutzen abwägen. Nicht jeder Zwei-Mann-Betrieb braucht einen KI-Anrufbeantworter. Trotzdem sollten auch die Kleinstbetriebe das Thema Künstliche Intelligenz nicht verschlafen. Schon niedrigschwellige Lösungen können den Betrieb weiterbringen, beispielsweise automatische Terminerinnerung oder KI-gestützte Texterstellung für Rechnungen.
DHB: Cybersicherheit wird im Handwerk oft unterschätzt, wie können Sie da unterstützen?
Hilmer: Jeder fünfte Handwerksbetrieb war bereits Opfer einer Cyberattacke; das Risiko eines Angriffs wird oft unterschätzt. Mögliche Folgen eines Angriffs sind unter anderem der Stillstand des Betriebs, Erpressung von Lösegeld und Veröffentlichung von Kundendaten, was übrigens zudem noch rechtliche Konsequenzen hat. Wir bieten Schulungen der Inhaber und Mitarbeiter zum Thema IT-Awareness an, um das Bewusstsein für IT-Sicherheitsrisiken im Büro und auf der Baustelle zu stärken. Da geht es um Virenschutz, um Phishing und überklebte QR-Codes auf Parkautomaten (»Quishing«), Backup-Lösungen und Cloud-Systeme. Eine einstündige Schulung, beispielsweise als Tagesordnungspunkt in einer Betriebsversammlung, kann schon dauerhafte Früchte tragen
DHB: Für Investitionen in Maschinen oder Büroausstattung gibt es seit Juli bessere Abschreibungsmöglichkeiten. Wird auch die Digitalisierung im Handwerk gefördert?
Hilmer: Die Förderlandschaft in Deutschland ist oft sehr unübersichtlich und im stetigen Wandel, die Betriebe tun sich (zu Recht) schwer, den Überblick zu behalten. Wir kriegen in Rheinland-Pfalz heute noch Anfragen zur Digitalisierungsförderung »DigiBoost«, obwohl diese schon seit über drei Jahren ausgelaufen ist. Hier unterstützen wir und weisen auf aktuell bestehende – und zur geplanten Investition passende – Fördermöglichkeiten hin. Landesweite Zuschussprogramme für die Digitalisierung gibt es aktuell in Rheinland-Pfalz, zumindest für die im Handwerk übliche Investitionssummen über ein paar Tausend Euro für eine neue Software, einen 3D-Drucker oder eine Drohne, nicht. Aber es gibt zum Beispiel über die ISB die Förderung eines Innovationsassistenten und Innovationsgutscheine für Forschung und Entwicklung. Wir weisen innovative Betriebe immer auch auf Wettbewerbe wie den Innovationspreis Rheinland-Pfalz hin. In diesem Jahr hat Dachdeckermeister Ronny Stein aus dem Kammerbezirk Koblenz in der Kategorie Handwerk den Preis für seine Transport- und Sicherungsboxen gewonnen. Solche Preise helfen den Betrieben dabei, an Sichtbarkeit zu gewinnen.
DHB: Was reizt Sie an der Stelle des Beraters für Innovation und Technologie?
Hilmer: Zuvor war ich Prozessingenieur in der Industrie, wollte dann aber etwas Sinnvolleres und Abwechslungsreicheres machen – Handwerksbetrieben direkt helfen, statt Produktionszahlen für Aktionäre zu optimieren. Die Dankbarkeit der Inhaberinnen und Inhaber zeigt mir, dass ich hier richtig bin. Durch das breite Themenfeld der Beratung wird es nie langweilig. Ich berate zu Technologien, die mich selbst faszinieren, beispielsweise 3D-Druck und Drohne, und gebe mein Wissen an die Betriebe weiter. Auch der Austausch mit den Handwerkerinnen und Handwerkern, ob in der Einzelberatung oder im Rahmen von Veranstaltungen, sowie der damit verbundene Einblick in die verschiedenen Gewerke, ist sehr spannend. Der Aufbau eines Wissensnetzwerkes zu externen Partnern wie Hochschulen und Innovationsclustern rundet die Stelle ab und ermöglicht den Zugriff auf wertvolle Wissensressourcen.
DHB: Warum ist es so wichtig, dass das Handwerk die Chancen der Digitalisierung nutzt und neue Techniken einsetzt?
Hilmer: Wir müssen im Handwerk zeigen, dass wir beim digitalen Wandel dabei sind. Betriebe, die digital gut aufgestellt sind, die zum Beispiel Drohnen, AR und VR, Exoskelette oder KI nutzen, sind deutlich wettbewerbsfähiger und haben somit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und beim Anwerben von Fachkräften und jungen Talenten. Und wir BIT helfen dabei, das umzusetzen.
Das Interview führte Kirsten Freund
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