Im Gespräch übers Ehrenamt im Handwerk: Tatjana Lanvermann, Robin Lammerschop, Handwerkskammer-Präsident Hans Hund und Lara Heinze (v.l.).

Im Gespräch übers Ehrenamt im Handwerk: Tatjana Lanvermann, Robin Lammerschop, Handwerkskammer-Präsident Hans Hund und Lara Heinze (v.l.). (Foto: © die-marquardts.com)

Handwerk ohne Ehrenamt nicht denkbar

Auf der Meisterfeier der Handwerkskammer Münster stand das Ehrenamt im Fokus.

"Was macht das Ehrenamt im Handwerk so besonders?", fragte Moderator Robin Lammerschop in die Talkrunde auf der Bühne der Meisterfeier der Handwerkskammer Münster in der Halle Münsterland. Für Tatjana Lanvermann war die Sache klar: "Ein Ehrenamt stellt einen immer wieder vor Herausforderungen." Lanvermann ist Vorsitzende des Landesverbandes Unternehmerfrauen im Handwerk NRW. Im Ehrenamt können man ausprobieren, was im Betrieb nicht möglich sei.

Ein Ehrenamt biete die Gelegenheit, Verbände und Menschen kennenzulernen. Dort könnten Kompetenzen aufgebaut und Viele vernetzt werden, so die Unternehmerfrau des Haustechnikbetriebs Ludwig Lanvermann in Borken.

"Wir Handwerker wollen nicht fremdbestimmt sein"

"Handwerk ist ohne Ehrenamt nicht denkbar", betonte Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster und des Westdeutschen Handwerkskammertages. "Wir Handwerker wollen nicht fremdbestimmt sein." Deshalb seien im Jahr 1900 die Handwerkskammern gegründet worden, bei denen sich Handwerker in der Vollversammlung und in Prüfungsausschüssen einbringen könnten, um eigene Angelegenheiten selbst zu verwalten. Für das Handwerk sei es ein Lebenselexier, Praxis in die Prüfungsinhalte einzubringen. "Gäbe es eine staatliche Verwaltung, würde das Handwerk in seiner jetzigen nicht mehr existieren", unterstrich Hund. Für ihn persönlich unterstütze ein Ehrenamt die berufliche Weiterentwicklung. Auch der Zuspruch, den man im Ehrenamt erleben könne, sei ein starker Motor.

Lara Heinze hob hervor, dass, obwohl sie selbst keine Meisterin sei – Heinze arbeitet in der Verwaltung des väterlichen Sanitär-Heizung-Klima-Betriebs Heinze & Rincke in Münster mit –, es ihr ein Anliegen sei, sich für die Meister stark zu machen. Deshalb bringe sie sich im Vorstand der Junioren des Handwerks Kammerbezirk Münster ein. Dabei mache auch das Miteinander verschiedener Gewerke Freude, etwa bei Aktionen zur Nachwuchsgewinnung im Handwerk.

Weiterhin in Fortbildung investieren

Lanvermann appellierte an die 1.669 Meisterinnen und Meister, die auf der Meis­terfeier geehrt wurden: "Investieren Sie weiterhin in Fortbildung. Lernen Sie auch im Ehrenamt dazu. Hier bekommen Sie immer aktuelle Informationen mit." 

Hund ergänzte: Es ist wichtig, sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt persönlich zu engagieren. Er lud den Meisternachwuchs ein: "Gehen Sie zu den Innungen! Da werden Sie viele Freunde finden." Es gebe eine ganze Reihe von Themen, in die man sich einbringen könne und bei denen man seinen Platz finden könne. "Die Türen stehen offen, wir brauchen Sie im Ehrenamt."

Mehr Selbstständigkeit für die Zukunft des Ruhrgebietes

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet würdigte das Handwerk in seiner Festrede als "wichtige Stütze der Wirtschaft". Mit Blick auf die Ruhrgebietskonferenz wünschte sich Laschet mehr mittelstandsgeprägte, familiengeführte Unternehmen für das Gelingen des Strukturwandels. Wir brauchen "mehr Handwerk, mehr Selbstständigkeit, mehr Mittelstand für die Region." Das Land wolle das Handwerk durch Bürokratieabbau und gute Rahmenbedingungen unterstützen. Mit Blick in Richtung Berlin mahnte Laschet an, dass es an der Zeit sei, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder mehr zu stärken.

Beruflicher Aufstieg motiviert Jungmeister

Anlässlich der Meisterfeier haben 496 Jungmeisterinnen und Jungmeister aus ganz Deutschland, die vor der HWK Münster ihre Prüfung ablegten, Auskunft zu ihren Zukunftsplänen gegeben: Die Aussicht auf beruflichen Aufstieg motivierte 38 Prozent der Befragten zur Meisterprüfung. Für 31 Prozent war der Hauptgrund der fachliche Wissenserwerb und für 30 Prozent die Aussicht auf ein höheres Einkommen.

52 Prozent des Meisternachwuchses streben als Nächstes eine Anstellung als Führungskraft an. Die Existenzgründung planen 42 Prozent (Betriebsübernahme: 25 Prozent, davon 12 Prozent den elterlichen Betrieb; Neugründung: 17 Prozent). Nur vier Prozent gehen keine berufliche Veränderung an.

Auch künftig steht bei 87 Prozent der Befragten Weiterbildung auf ihrer Agenda – gegenüber den Absolventen der Meisterfeier vor zwei Jahren ist dies ein Anstieg um 21 Prozentpunkte. Am wichtigsten sind den befragten Meistern handwerklich-technische Lehrgänge (30 Prozent), digitale Lehrgänge (16 Prozent), der Betriebswirt HwO (15 Prozent) und ein Studium (8 Prozent).

Text: / handwerksblatt.de

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