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HWK Münster | Februar 2026
Gestalter im Handwerk feiern Abschluss
Die Akademie für Gestaltung der HWK Münster hat 40 neue Absolventen verabschiedet und mit dem Förderverein die vier Besten ausgezeichnet.
Wo kaum etwas für Familienfreundlichkeit getan wird – also kein Homeoffice, keine Gleitzeit oder Kinderbetreuung –, entscheiden sich Beschäftigte häufiger für mehr Freizeit. (Foto: © Ilya Andriyanov/123RF.com)
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Februar 2026
Lässt ihnen der Tarifvertrag die Wahl zwischen höherem Verdienst und zeitlicher Entlastung, entscheidet sich die Mehrheit der Beschäftigten für mehr Zeit, zeigt eine neue Studie.
Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Viele Beschäftigte wollen lieber mehr Freizeit als mehr Geld. Besonders oft wünschen sich das Frauen und Menschen, die in Betrieben mit schlechtem Klima arbeiten oder kaum Unterstützung bei Familie und Beruf bekommen. Viele sagen: Mehr Zeit ist besser als mehr Lohn. Das gilt vor allem dort, wo Tarifverträge eine Wahl zwischen Zeit und Geld erlauben.
Laut den Forschenden der Universität Bielefeld, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des WSI haben sich 2022 deutlich mehr als die Hälfte der Befragten für mehr Freizeit entschieden. Etwa 1.900 Beschäftigte nahmen an der Befragung teil. Sie konnten laut Tarifvertrag wählen – je nachdem hieß das Modell Wahlmöglichkeit, Zukunftskonto, Entlastungszeit, Umwandlungsoption oder tarifliches Zusatzgeld. Solche Modelle gibt es etwa in der Metall- und Elektroindustrie, Chemie, Bahn, Stahlindustrie, Versicherungen, Post und im öffentlichen Dienst. Je nach Vertrag können Beschäftigte zusätzliche Urlaubstage nehmen oder weniger pro Woche arbeiten.
59 % wählten nur mehr Freizeit, 6 % eine Mischung aus Freizeit und Geld, und 35 % entschieden sich nur für mehr Geld. Frauen – vor allem mit Kindern unter 14 Jahren – entschieden sich besonders oft für weniger Arbeitszeit. In dieser Gruppe machten das 79 %. Die Gründe sind bei Frauen und Männern ähnlich. Beide sagen: "Mehr Zeit für die Familie" steht auf Platz zwei. Am häufigsten sagen sie, sie wollen "mehr Zeit für Hobbys, Freunde und mich selbst".
Ob jemand mehr Freizeit wählt, hängt stark vom Betrieb ab. Wenn in einem Betrieb fast alle Vollzeit arbeiten und kaum jemand Teilzeit, entscheiden sich nur 54 % für weniger Arbeit. In anderen Betrieben sind es 66 %. Wo eine traditionelle Haltung herrscht – die "ideale Arbeitskraft" arbeitet immer voll – haben viele Angst vor Nachteilen beim Lohn oder bei der Karriere. Ist das Arbeitsklima schlecht, wollen viele weniger arbeiten. In solchen Betrieben wählen 71 % die Entlastung. Auch dort, wo kaum etwas für Familienfreundlichkeit getan wird – also kein Homeoffice, keine Gleitzeit oder Kinderbetreuung –, entscheiden sich Beschäftigte häufiger für mehr Freizeit.
Die Tarifverträge schließen eine wichtige Lücke bei familienfreundlichen Arbeitsbedingungen. Dass viele diese Zeitmodelle nutzen, zeigt laut den Forschenden, "dass tarifliche Regelungen die Nutzung von Arbeitszeitarrangements zu legitimieren scheinen und bestehende Hürden, die typischerweise bei der Nutzung der klassischen Teilzeit im Betrieb bestehen, reduzieren". Mit anderen Worten: Tarifverträge machen es einfacher, weniger zu arbeiten, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
Das helfe, Arbeit und Leben in Ausgleich zu bringen. Außerdem schütze es die Gesundheit, weil weniger Belastung einer Überforderung und einem Burnout vorbeugen kann. Die Forschenden sagen weiter: "Umso wichtiger ist es daher, dass die Bundesregierung die Tarifbindung stärkt, um so zu einer Verbreitung der tariflichen Wahloptionen beizutragen."
Dass viele Beschäftigte Freizeit wichtiger finden als Geld, zeigt, wie groß der Wunsch nach Entlastung ist. "Vorschläge, die Arbeitszeit zu lockern, passe nicht dazu. Sie könnten sogar schaden", sagt Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI: "In einer Befragung, die wir 2025 durchgeführt haben, befürchteten knapp drei Viertel der Beschäftigten negative Folgen für Erholung und Gesundheit, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie die Organisation ihres Alltags, wenn generell Arbeitstage von mehr als zehn Stunden möglich werden, wozu die geplante Deregulierung führen würde.
Und: Frauen rechnen noch deutlich häufiger mit negativen Wirkungen als Männer. Das könnte daran liegen, dass noch mehr unbezahlte Sorgearbeit zusätzlich zum Erwerbsjob an ihnen hängen bliebe, wenn ihre Partner zumindest zeitweilig längere Arbeitstage hätten." Sie warnt: "Der dringend nötige soziale Fortschritt, den beispielsweise Wahloptionen in Tarifverträgen bringen, würde dadurch konterkariert. Faktisch würde man auch die Erwerbstätigkeit von Frauen erschweren. Und damit ausgerechnet jene Entwicklung bremsen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen beigetragen hat."
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
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