Der Nissan e-NV200 zählt längst zu den etablierten Stromern auf dem deutschen Markt. (Foto: © Nissan)

Ein solider Klassiker - der e-NV200

Der e-NV200 schafft mehr Nutzlast als sein Verbrenner-Pendant. Wir sind den Klassiker der Elektro-Transporter noch mal gefahren.

Die IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover hatte ein großes Versprechen: "Jetzt kommen die Elektrotransporter in Serienfertigung." Schließlich präsentierten etliche Anbieter endlich Transporter in der Klasse bis 3,5 Tonnen, die bislang im Markt nicht zu haben waren. Allerdings war das Versprechen auch nur eine Halbwahrheit. Denn Elektro- Transporter in Serienfertigung gab es schon längst, auch wenn es "nur" die Liga der Stadtlieferwagen betrifft. Schon seit 2013 gibt es den e-NV200 von Nissan – und dieser rein elektrisch betriebene Transporter schafft über 700 Kilogramm Nutzlast.

Bisher gab es im Handwerk zwei Kritikpunkte

Im vergangenen Jahr gab es zudem eine wichtige Änderung beim Kleintransporter: Die Japaner haben dem eNV200 eine größere Batterie verpasst, die dem kleinen Lastesel eine bessere Reichweite verschafft. Doch der Reihe nach. Nicht zum ersten Mal haben wir vom Deutschen Handwerksblatt den praktischen Transporter unter die Lupe genommen, zuletzt noch 2016. Dabei hatten Handwerker den Wagen in der Praxis ausgiebig getestet und zwei Kritikpunkte gehabt: die Reichweite und die zu geringe Nutzlast.

Der simple Grund: Im Baubereich benötigt ein Betrieb für die Erstausrüstung einer Baustelle mit Werkzeug und Material eine Nutzlast von rund einer Tonne – und da reicht der eNV200 nicht ran. Und in Sachen Reichweite: Viele Kölner Betriebe (der Tester kam aus Köln) haben Baustellen auch in der Eifel und müssen dann rund 200 Kilometer pro Tag zurücklegen. Gibt es vor Ort keine Lademöglichkeit, wird es natürlich eng.

Mehr Leistung durch größere Batterie

Genau an diesem Punkt setzt die größere Batterie, die übrigens auch im Nissan Leaf zu finden ist, an. Es handelt sich um eine 40 kWh starke Lithium-Ionen- Batterie, die den Kastenwagen im neuen WLTP-Zyklus 201 Kilometer (nach NEFZ übrigens 280 km) weit bringt, im rein städtischen Verkehr sogar 301 Kilometer mit einer Akkuladung. Tatsächlich zeigt der Praxistest, dass die 200 Kilometer Reichweite keine leeren Versprechungen sind. Dabei gelten die Vorgaben, die ein Fahrer für ein ökonomisches Vorankommen einhalten sollte: Öko-Modus, keine Vollgasfahrten und höchstens Tempo 100 auf Autobahnen statt der maximal möglichen 123 km/h. Ein gekonnter Umgang mit Gas- und Bremspedal für reichlich Rekuperation ist zudem hilfreich.

Ansonsten bietet der Kastenwagen, den es auch unter dem Namen Evalia als Kombi für den Shuttletransport oder Familien gibt, die üblichen Features, die auch sein Verbrennerpendant hat. Weil die Batterien unterflur angebracht sind, schafft der e-NV200 4,2 Kubikmeter an Ladevolumen und kann bis zu 667 Kilogramm laut technischen Daten aufnehmen. Der Kastenwagen mit dem Dieselaggregat kann "nur" 50 Kilogramm mehr transportieren. Zur Not kann der E-Transporter auch noch 410 Kilogramm an den Haken nehmen.

Bei passender Infrastruktur ein erstklassiges Auto

Die Fahreigenschaften unterscheiden sich natürlich vom Verbrenner. Schließlich liefert der E-Motor mit seinen 80 kW/109 PS sein volles Drehmoment von der ersten Sekunde an und behält es über die gesamte Drehzahl bei. Die Schubkraft zeigt sich auch nicht von der Beladung beeindruckt – auch voll beladen wirft der Elektromotor sein Drehmoment von 254 Newtonmetern auf die Straße. Der e-NV200 schnurrt leise vor sich hin und liefert ein beeindruckendes Bild, was Elektromobilität eigentlich kann.

Ein Thema bleibt aber dennoch bestehen: die Reichweite. Aber nicht, weil sie nicht ausreicht, denn mit der neuen Batterie schafft der e-NV200 das Dreifache, was Gewerbetreibende im Schnitt am Tag fahren. Sondern weil die Infrastruktur einfach stimmen muss. Nicht immer besteht die Chance, den Wagen zu laden. Zu welchen Irrfahrten das führen kann, zeigt ein Tatsachenbericht, den nur das echte Leben so schreiben kann – und für den der exzellente Stromtransporter nichts kann.

Denn auch das ist ein Fazit des Fahrtests: Stimmt die Infrastruktur, ist der Nissan e-NV200 ein erstklassiges Elektroauto für einen Handwerksbetrieb, wenn ihm die 667 Kilogramm Nutzlast reichen. Zudem gibt es den Kastenwagen inklusive Batterie bereits ab netto 28.660 Euro – ein fairer Preis.

Text: / handwerksblatt.de

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