Sieben Betriebe, die sich besonders für die Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Herkunft stark machen, erhalten den Integrationspreis Handwerk NRW.

Sieben Betriebe, die sich besonders für die Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Herkunft stark machen, erhalten den Integrationspreis Handwerk NRW. (Foto: © auremar/123RF.com)

Sieben Betriebe in NRW erhalten Integrationspreis

Anlässlich des Diversity-Tags zeichnen die Handwerkskammern in NRW und der WHKT sieben Betriebe aus, die sich für die Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Herkunft einsetzen.

Am 31. Mai wird in ganz Deutschland der 10. Diversity-Tag gefeiert. An diesem Tag zeichnen die Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) sieben Betriebe aus, die sich besonders für die Integration in Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Herkunft stark machen.

In jedem Kammerbezirk erhält ein Preisträger ein Preisgeld von 500 Euro und eine von der Handwerkskammer, dem WHKT und dem NRW-Integrationsministerium ausgestellte Urkunde. Welche Handwerksbetriebe in diesem Jahr für ihr Engagement geehrt werden, wird nach den Verleihungen bekanntgegeben.

Fachkräftesicherung meistern

"Ob wir die Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität des Handwerks perspektivisch sichern können, ist maßgeblich davon abhängig, ob wir das Thema Fachkräftesicherung meistern. Wesentlich dafür: die Fachkräfteeinwanderung", betont WHKT-Präsident Berthold Schröder.

Damit diese im Handwerk allerdings gut gelingt, brauche das Handwerk die nötigen Unterstützungsstrukturen und leistbare bürokratischen Prozesse. Andererseits seien Betriebe notwendig, die sich auf den Weg machen und gemeinsam mit interessierten Fachkräften aus Drittstaaten die Chancen nutzen. "Der Integrationspreis des Handwerks ist somit ein wichtiges Signal – insbesondere für die Fachkräftesicherung durch Zuwanderung im Handwerk."

Handwerk zeigt Verantwortung

Gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine sei es im Handwerk wichtig, Verantwortung zu zeigen für Integration, Miteinander, Vielfalt und interkulturelle Sensibilität, sagt. WHKT-Hauptgeschäftsführer Matthias Heidmeier. "Das Handwerk bietet denjenigen eine berufliche Perspektive und Unterstützung, die sich diese wünschen und dafür bereit sind."

Die Gewinner

Integrationspreis für Bayram Tosun

Integrationspreis für Bayram Tosun Foto: © Andreas BuckIntegrationspreis für Bayram Tosun Foto: © Andreas Buck

HWK Münster: Mit dem Integrationspreis Handwerk NRW 2022 im Kammerbezirk Münster wurde der Betrieb von Kraftfahrzeugtechnikermeister Bayram Tosun (49, r.) in Bottrop ausgezeichnet. Der in der Türkei geborene Unternehmer ist im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen und hat sich als Jugendlicher für eine Ausbildung im Kraftfahrzeughandwerk entschieden. Mit 40 Jahren absolvierte er erfolgreich die Meisterschule und gründete 2018 seine Kfz-Werkstatt. Er bildet drei Lehrlinge mit Migrationshintergrund aus: Mertcan Cakan (22, 2. v. r.) und Baris Bafra (18, l.), deren Familien aus der Türkei stammen, und den Syrer Mhd Nizar Al Hjjar (24, 3. v. l.). Überreicht wurde der Integrationspreis von Handwerkskammer-Präsident Hans Hund (2. v. l.).

Gemeinsam durchstarten!

Gemeinsam durchstarten! Foto: © HwK SüdwestfalenGemeinsam durchstarten! Foto: © HwK Südwestfalen

HWK Südwestfalen: Für "Fußboden König" aus Olpe ist das Thema "Integration" eine wahre Herzensangelegenheit. Zum einen möchte der sauerländische Familienbetrieb Migranten eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit geben. Zum anderen ist es für den Handwerksbetrieb eine Möglichkeit, dem sich verschärfenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gerne unterstützt das Unternehmen sie daher auch bei Wohnungssuche und Behördengängen. Eine eigens angestellte Deutschlehrerin hilft bei Sprachschwierigkeiten. Das Konzept geht auf: Hat schon Vater Pellumb Doku aus Albanien seine Ausbildung bei Fußboden König erfolgreich absolviert, zog Sohn Redi nach. Er wurde sogar Parkettleger-Landessieger.

Integrationspreis für Zelek Elektrotechnik

Integrationspreis für Zelek Elektrotechnik Foto: © HwK OWL zu BielefeldIntegrationspreis für Zelek Elektrotechnik Foto: © HwK OWL zu Bielefeld

HWK OWL zu Bielefeld: Das Bielefelder Unternehmen Elektro Zelek GmbH wurde mit dem Integrationspreis des Handwerks in NRW ausgezeichnet. Betriebsinhaber Dariusz Zelek kam im Alter von 21 Jahren von Polen nach Deutschland und hatte kaum Deutschkenntnisse. Nach der Lehre und der Meisterausbildung machte er sich selbstständig. Heute arbeiten bei ihm Mitarbeiter und Auszubildende aus verschiedenen Nationen erfolgreich zusammen. "Bei uns zählt nicht die Herkunft, sondern ob ein Mitarbeiter motiviert ist und Leistung bringt", erklärte Zelek. "Sie leben Integration und zeigen, dass ein Miteinander in Vielfalt auch und gerade in der Geschäftswelt förderlich ist", würdigte Peter Eul, Präsident der Kammer OWL, das Engagement des Betriebsinhabers.

"Jeder hat seine Stärken und Schwächen"

Jeder hat seine Stärken und Schwächen Foto: © HwK DortmundJeder hat seine Stärken und Schwächen Foto: © HwK Dortmund

HWK Dortmund: Friseurmeisterin Seval Reçber (Seval’s Traum Haidesign) ist seit 36 Jahren selbstständig und bildet mit Herzblut aus. Jedes Jahr stellt sie mindestens zwei Lehrlinge ein, einer davon hat meist einen Migrationshintergrund. "Ich schaue nie auf Zensuren", sagt die 60-Jährige. "Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Viele sind sehr kreativ, aber in der Theorie nicht so gut." Dann organisiert sie Nachhilfe. Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund, und Hauptgeschäftsführer Carsten Harder überreichten den Preis. "Sie geben jungen Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance, auch denen mit einer schwierigen Geschichte. Dafür möchten wir Sie heute auszeichnen. Denn Integration funktioniert am besten über die berufliche Bildung und im Handwerk können wir das besonders gut", sagte Schröder.

Berufliche Heimat für Geflüchtete

Berufliche Heimat für Geflüchtete Foto: © Arne SchröderBerufliche Heimat für Geflüchtete Foto: © Arne Schröder

HWK zu Köln: Eine Heimat im Handwerk zu finden, darum ging es bei der diesjährigen Verleihung des Integrationspreises im Bezirk der Handwerkskammer zu Köln, die im Rahmen der Frühjahrstagung ihrer Vollversammlung stattfand: Das Gummersbacher SHK-Unternehmen Paul Heinisch e.K wurde für die vorbildliche Integration syrischer Geflüchteter ausgezeichnet. Im Familienunternehmen des Inhabers Andreas Heinisch, der es in vierter Generation führt, zählt die Teamleistung – nicht die Herkunft. Seit 2018 haben drei junge Syrer ihre Handwerksausbildung im Betrieb begonnen. Mittlerweile konnte bereits einer von ihnen seine Gesellenprüfung erfolgreich abschließen und arbeitet seitdem als geschätztes Teammitglied in Festanstellung im Unternehmen.

Geflüchteter bildet Schutzsuchende aus

Geflüchteter bildet Schutzsuchende aus Foto: © HwK DüsseldorfGeflüchteter bildet Schutzsuchende aus Foto: © HwK Düsseldorf

HWK Düsseldorf: Hamidullah Sulhdost flüchtete vor 30 Jahren als 13-Jähriger zunächst vor den Mudschahidin aus Afghanistan und zwei Jahre später aus Russland weiter nach Deutschland. 1997 absolvierte er in Düsseldorf seinen Hauptschulabschluss und anschließend die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. 2007 folgte dann die Meisterfortbildung. 2011 wechselt er zum Autohaus Gierten nach Hilden, leitet dort seither die Kfz-Werkstatt und bildet selbst junge Menschen aus, darunter immer wieder auch Geflüchtete. Seit sechs Jahren setzt sich Hamid Sulhdost im Gesellenprüfungsausschuss auch ehrenamtlich für die Nachwuchsausbildung ein. Mit ihm konnte auch sein Arbeitgeber, Ralf Gierten, Inhaber des Autohauses, den Integrationspreis 2022 in Empfang nehmen.

Tolle "Töllerei"

Tolle Töllerei Foto: © HwK AachenTolle Töllerei Foto: © HwK Aachen

HWK Aachen: Der Integrationspreis 2022 geht an Heinrich Töller (r.), der die "Töllerei" führt. Der Bäckermeister gibt zugewanderten Menschen eine Berufsperspektive. Die Lehrlinge mit Migrationshintergrund werden im Betrieb in einem kollegialen Umfeld aufgenommen. "So funktioniert Integration. Das Handwerk ist dankbar, hierdurch gute und dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen. Sie sind ein tolles Vorbild", betonte Kammerpräsident Marco Her- wartz. Zuletzt haben zwei junge Männer aus Guinea und Eritrea, Ibrahima Barry und Efrem Abraha (M.), das Bäckerhandwerk in der "Töllerei" erlernt – beide hat Heinrich Töller als Gesellen übernommen. Aktuell bildet er drei Azubis aus, die aus ihren Heimatländern Afghanistan, Nigeria und Senegal geflüchtet sind.

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Text: / handwerksblatt.de

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