Wenn man mal etwas mehr Ladung hat: Die Transporter – hier der TGE von MAN – schaffen je nach Modell mehrere Tonnen Nutzlast.

Wenn man mal etwas mehr Ladung hat: Die Transporter – hier der TGE von MAN – schaffen je nach Modell mehrere Tonnen Nutzlast. (Foto: © MAN)

Die Schweren unter den leichten Nfz

Die Starken unter den Transportern braucht vor allem die Baubranche. Denn für ihre Baustellen kommt schnell mehr als eine Tonne Nutzlast zusammen.

Kaum eine Sparte ist so modellintensiv wie die der Transporter. Wie schnell sich die Zahl der Modelle vervielfacht, zeigen allein schon die Karosserieformen. Denn die Transporter gibt es nicht nur mit bis zu vier Radständen, die Hersteller verpassen den Modellen mit langem Randstand auch noch einen Überhang, um mehr Material in den Kasten laden zu können. Hinzu kommen in der Regel bis zu drei Dachformen, vom Normaldach bis hin zu einem superhohen Dach. Damit lässt sich vor allem Volumen transportieren.

Das nächste Kriterium sind die unterschiedlichen Motorisierungen. Fünf verschiedene Motorisierungen – in der Regel arbeiten in dieser Klasse fast nur Dieselaggregate unter der Motorhaube – bieten den Kunden schon unterschiedliche Leistungsprofile an. Auch wie der Motor das Fahrzeug antreibt, gehört zu den weiteren Unterscheidungsmerkmalen. Front- oder Heckantrieb entscheiden oft nicht nur über das Vorankommen, sondern auch über die Ladehöhe. Fronttriebler haben nun mal eine niedrigere Ladekante, was Belader zu schätzen wissen. Natürlich gibt es auch noch Allradantrieb für all diejenigen, die mit ihrem Transporter auf schwieriges Gelände müssen. Gerade Windkraftanlagenbauer wissen das zu schätzen. Hinzu kommt: Fahre ich einen Schaltwagen oder möchte ich doch lieber ein automatisiertes Schaltgetriebe nutzen?

Unendliche Vielfalt

Foto: © Stefan BuhrenFoto: © Stefan BuhrenWer dann noch diese Versionen mit den Optionslisten verknüpft, kommt auf eine nahezu unendliche Vielfalt – und dabei ist bislang nur allein von den Kastenwagen die Rede. Diese Modelle gibt es auch noch verglast oder teilverglast, aber darüber hinaus kommen die Transporter als Fahrgestell, als Kombi, als Bus, als Doppelkabiner, Pritsche oder Kipper, um nur einige zu nennen. Wer da kein passendes Modell findet, der sucht vermutlich auch keins.

Fündig werden die Kunden bei den großen Anbietern. Die nebenstehende Marktübersicht zeigt Modelle der wichtigsten Anbieter. Die stichprobenartig herausgesammelten Daten deuten nur die enorme Bandbreite der jeweiligen Hersteller an. Für eine genauere Suche empfiehlt sich die Internetseite oder direkt der Besuch beim Händler in der Nähe. Vorteil: Hier kann sich der Betriebsinhaber beraten lassen, welches Modell für ihn in Frage kommt und ob sich für ihn obendrein noch ein zusätzlicher Ausbau durch einen Fahrzeugeinrichter lohnt. Jede Marke hat dafür Gewerbekundencenter eingerichtet, die ganz nach den Bedürfnissen von Betriebsinhabern ausgerichtet sind.

Service ist wichtig

Bei der Wahl sollte der Käufer aber nicht nur das Modell im Auge haben, sondern auch den Service des Herstellers. In der Regel bieten die auf gewerbliche Kunden spezialisierten Adressen längere Öffnungszeiten an und sind im Notfall auch schon mal rund um die Uhr erreichbar. Der Service muss dabei nicht einmal vom Hersteller selbst stammen. Es gibt große Händler, die unterhalten ein eigenes Servicenetz und haben für Notfälle sogar Transporter, die bundesweit havarierte Fahrzeuge einsammeln können. Aber auch bei kleineren Schäden gilt: Der Händler sollte im Fall des Falles auch Ersatzfahrzeuge parat haben, auf die der Kunde zurückgreifen kann.

Wer die technischen Daten aufmerksam studiert, wird schnell Ähnlichkeiten feststellen. Im Nutzfahrzeugsegment sind Kooperationen schon seit Jahrzehnten üblich. Die Älteste ist die zwischen Fiat und den Marken Peugeot und Citroën. Die Modelle Fiat Ducato, Peugeot Boxer und Citroën Jumper unterscheiden sich nur durch die Markenembleme. Durch stets neue Allianzen verschieben sich die Kooperationen und damit auch die Modelle. So waren früher der VW Crafter und der Mercedes Sprinter baugleich und unterschieden sich nur durch die Motoren. Jetzt kooperiert Volkswagen mit der konzerneigenen Marke MAN, die nun seit einem Jahr den Crafter unter dem eigenen Namen TGE ins Rennen schicken.

Wandelnde Modellkataloge

Andere Marken sind wieder vom Markt verschwunden. So hatte der koreanische Konzern Hyundai versucht, mit dem H350 ein eigenes Modell in dieser Kampfklasse zu bringen, musste aber ein Scheitern einräumen. Erst hatten die hierzulande wenig nutzfahrzeug-affinen Händler Probleme, ihre Standorte auf einen 3,5-Tonner zu trimmen und entsprechend Zufahrten als auch Werkstätten dafür einzurichten. Hinzu kamen Probleme mit den Gepflogenheiten in dem für die Koreaner unbekannten Markt. Mittlerweile ist der H350 nicht mehr im Angebot. Selbst der mittlere Transporter H1 ist derzeit aus dem Angebot verschwunden. Andere Anbieter wie etwa Toyota bauen im Gegenzug ihr Engagement weiter aus. Noch fehlt ihnen ein Transporter in dieser Kategorie, aber die Angebote in den kleineren Segmenten fallen immer üppiger aus.

Bis 7,2 Tonnen

Schwieriger wird auch die Suche, wenn es ein Transporter jenseits der 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht sein soll. Die französischen Marken Citroën und Peugeot haben die aufgelasteten Versionen als Vier-Tonner aus dem Programm genommen. Das breiteste Angebot an Nutzlasten weist übrigens Iveco mit seinem Daily aus. Der Klassiker fängt mit einer Tonnage von 2,8 Tonnen an und hört erst mit 7,2 Tonnen auf. Mercedes kann immerhin noch bis 5,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht mithalten. Dort gibt es dann den Sprinter in einer extralangen Version, kombiniert mit einem Hinterradantrieb. Das gleiche gilt für die Modelle von VW beziehungsweise MAN: Auch sie bieten ihre Fahrzeuge mit Hinterradantrieb in der Klasse bis 5,5 Tonnen an. Die anderen Herstellen enden in der Regel bei 4,5 Tonnen. Echte Verkaufsrenner sind diese Tonnagenklassen allerdings nicht. Hauptgrund ist die Führerscheinproblematik. Wer im neuen Jahrtausend die Fahrlizenz erworben hat, darf nur bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht fahren oder muss gleich auf den (teuren) Lkw-Führerschein zurückgreifen.

Sind für Spezialanwendungen Umbauten notwendig, haben die meisten Hersteller gewerkspezifische Angebote ab Werk. Die meisten Umbauten gelten im Bereich der Kastenwagen für das Innenleben, so dass Käufer ihr Fahrzeug mit einer Ladungssicherungseinrichtung kaufen können. Mit zertifizierten Partnern sind aber auch in dieser Kategorie Modelle zum Beispiel als Kühlfahrzeug, mit Hygieneausbau oder als Kipper erhältlich. Fehlt das passende Angebot ab Werk, kann der Käufer in Eigenregie oder auch über den Händler besondere Umbauten ordern. Etwa wenn der Wagen als Abschleppwagen oder als Pritsche mit Kran kommen soll. Dann gibt es das Modell als Zwei-Rechnungs-Fahrzeug: eine Rechnung für das Auto, die andere für den entsprechenden Umbau.

Text: / handwerksblatt.de

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