Geflüchtete aus der Ukraine sollen langfristige Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt erhalten.

Geflüchtete aus der Ukraine sollen langfristige Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt erhalten. (Foto: © angizzz/123RF.com)

Arbeitsmarkt: Geflüchtete aus der Ukraine sollen langfristig integriert werden

Bei einem Spitzengespräch mit der deutschen Wirtschaft hat Arbeitsminister Hubertus Heil über Perspektiven von Flüchtlingen aus der Ukraine auf dem deutschen Arbeitsmarkt gesprochen.

Die Bundesregierung stellt sich darauf ein, dass viele Flüchtlinge aus der Ukraine langfristig in Deutschland bleiben. Deswegen will sie sie auch auf lange Sicht in den deutschen Arbeitsmarkt integrieren. Die Hilfe für die geflohenen Menschen sei zuallererst eine humanitäre Pflicht für Deutschland, betont Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Den Geflüchteten zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie in Deutschland anständig versorgt und behandelt werden, ist ein Gebot der Menschlichkeit. Zugleich ist es auch ein Gebot der Vernunft, denjenigen, die vor Putins furchtbaren Krieg geflohen sind und die längere Zeit bei uns bleiben werden, die Chance zu öffnen, zu arbeiten."

Geflüchtete in Deutschland bekommen eine Aufenthaltserlaubnis über zunächst maximal drei Jahre und auch einen sofortigen rechtlichen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Die rechtlichen Voraussetzungen, um arbeiten zu dürfen, seien eine Frage, die größere Herausforderung seien aber die Fragen, die der praktische Alltag mit sich bringt, so der Minister. Um diese Fragen zu klären, kam er mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Vertretern der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu einem Spitzengespräch zusammen.

Qualifikationen erfassen

Ein erster Punkt sei der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen. Der sei zwar schon geöffnet, es gelte aber nun, das Angebot auszuweiten und in die Fläche zu bringen. Zweitens gehe es um Kinderbetreuungsmöglichkeiten – auf der einen Seite für geflüchtete Mütter und ihre Kinder, andererseits müsse aber auch darüber nachgedacht werden, ob und wer "aus dem Kreis der Geflüchteten selbst zur Unterstützung von Kinderbetreuung an Kitas und Schulen eingesetzt werden kann".

Besonders wichtig seien die Erfassung und zügige Anerkennung von Qualifikationen, die die Flüchtlinge aus der Ukraine mitbringen. Heil: "Die Ukraine hat im Schnitt ein sehr hohes Qualifikationsniveau. Gleichwohl sind die Ausbildungssysteme unterschiedlicher Art und nicht ein-zu-eins mit Deutschland zu vergleichen. Deswegen haben wir mit dem DIHK und vor allem auch mit dem Handwerk besprochen, dass es jetzt gemeinsam mit der BA erst mal gelingen muss zu erfassen, welche Qualifikationen zu uns kommen, damit Menschen mit einer ordentlichen Ausbildung nicht automatisch nur für Hilfsarbeiten eingesetzt werden." Das sei ein komplizierter Prozess mit vielen Beteiligten, der nun schnell in Gang gebracht werden müsse.

Handwerk bei der Arbeitsmarktintegration ganz vorne

"Das Handwerk steht zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung, was sich ganz besonders bei der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter immer wieder eindrucksvoll vor Ort in den Betrieben zeigt", betont Hans Peter Wollseifer. Es sei besonders das Handwerk, das sich um die Integration von Flüchtlingen verdient gemacht habe. Es habe mehr Menschen in eine berufliche Ausbildung gebracht als jeder andere Wirtschaftszweig in Deutschland, erklärt der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Um diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen, bräuchten die Betriebe Rechtssicherheit beim Aufenthaltsstatus von Auszubildenden und Beschäftigten.

"Es muss unbedingt und rasch sichergestellt werden, dass die bewährte 3+2-Regelung auch eins zu eins auf ukrainische Flüchtlinge, die eine berufliche Ausbildung aufnehmen, angewandt wird, und diese dadurch für die gesamte Zeit der Ausbildung vor Maßnahmen geschützt sind, die den Aufenthalt beenden könnten", fordert Wollseifer.

Neben Integrations- und Sprachkursen sollten "berufsvorbereitende Förderklassen" und ein "bundesweites Netzwerk von Integrationsbegleitern für kleine und mittlere Betriebe" aufgebaut werden. Die Regierung müsse sich darum kümmern, entsprechende Förderprogramme aufzulegen.

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Text: / handwerksblatt.de

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