Gähnende Leere im Fotostudio: Das befürchten die Berufsfotografen und protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben des Bundesinnenministeriums.

Gähnende Leere im Fotostudio: Das befürchten die Berufsfotografen und protestieren gegen ein Gesetzesvorhaben des Bundesinnenministeriums. (Foto: © Inga Geiser)

Passbilder: Protest der Fotografen scheint erfolgreich

Ursprünglich sollten die biometrischen Passbilder nur auf dem Amt im Automaten entstehen. Der Sturm der Fotografen gegen den drohenden Verlust dieser existenziellen Einnahmequelle scheint erfolgreich. Ein neuer Entwurf soll das Gesetz entschärfen.

Es war nur ein kleiner Passus, der im Referentenentwurf zum neuen Pass- und Ausweisgesetz stand und für große Aufregung sorgte: "Manipulationen bei der Passbeantragung und anschließende unerlaubte Grenzübertritte werden künftig dadurch ausgeschlossen, dass das Passbild vor Ort unter Aufsicht der Passbehörde aufgenommen und in digitaler Form unmittelbar in den Produktionsprozess des Passes eingespeist wird. Das Gleiche gilt für das Lichtbild des Personalausweises."

Viele Existenzen von Berufsfotografen wären bedroht

Peter Meulmann ist Inhaber der Fotoschmiede in Rheinberg Foto: © Pia Basner/fotoschmiede.de
Peter Meulmann ist Inhaber der Fotoschmiede in Rheinberg Foto: © Pia Basner/fotoschmiede.de

Die entsprechenden Änderungen fanden sich im Entwurf in den Paragrafen 10 und 11, Hintergrund dieser Änderung war eine mögliche Bildmanipulation durch das sogenannte Morphing, dem Verschmelzen von mehreren Gesichtsbildern zu einem einzigen Bild. So weit, so schlecht – denn genau das würde vielen Fotografenbetrieben die Existenz rauben.

"Meine Mitarbeiterinnen und ich fertigen derzeit regelmäßig biometrische Passbilder", sagt Peter Meulmann, Fotografmeister und Inhaber der Fotoschmiede in Rheinberg (fotoschmiede.de). "Diese sind für uns existenziell wichtig und sichern quasi als täglicher Grundumsatz unser Engagement im Bereich der Porträt-, Business- und Hochzeitsfotografie."

Sollte das Gesetz in dieser Form kommen, wären "neben meiner Existenz auch beide Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter bedroht", warnt der Fotografenmeister. 45.000 Betriebe betroffen So wie Peter Meulmann ergeht es vielen Fotografenbetrieben

Passbilder sind für Fotografen das "Brot-und-Butter-Geschäft"

Denn für die rund 45.000 in der Handwerksrolle eingetragenen Berufsfotografen sind die Passbilder das "Brot-und-Butter-Geschäft", wie es der Centralverband Deutscher Berufsfotografen formuliert.

Bundesinnungsmeister Hans Starosta rechnet vor: "Bei rund zehn Millionen Passbildern pro Jahr beträgt der Umsatzverlust rund 100 Millionen Euro." Fast alle hätten dem Centralverband glaubhaft versichert, so Starosta weiter, dass mit diesem Umsatzausfall ihre Türen wohl bald geschlossen werden müssten. "

Diesen Entwurf zum wirtschaftlichen Nachteil der Berufsfotografen auszuführen können wir nicht akzeptieren!", schreibt er in seiner Stellungnahme vom 7. Januar 2020 zum Referentenentwurf an das Bundesinnenministerium. Pikant war der Entwurf auch deshalb, weil zeitgleich das Bundesinnenministerium bei den Ämtern investieren muss, um überhaupt Bürgern zu ermöglichen, vor Ort ein Foto machen zu lassen.

"Für die Einführung einer Vor-Ort-Aufnahme des Lichtbilds entsteht nach einer vorläufigen Preisindikation ein einmaliger Erfüllungsaufwand von insgesamt rund 177 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren", rechnet der Referentenentwurf vor.

Gemeint ist damit die Anschaffung von 11.000 Selbstbedienungsterminals für die bundesweit rund 5.500 Pass- und Ausweisbehörden – und nach Ablauf der fünf Jahren sei mit einem jährlichen Aufwand für Pflege, Wartung und Reparaturen von geschätzten zwölf Millionen Euro zu rechnen.

Ministerium rudert zurück

Der Aufschrei der Branchenverbände und Betroffenen verhallte nicht ungehört – und das Bundesinnenministerium ruderte zurück. "Sicherheit, Digitalisierung und Bürgerfreundlichkeit sind kein Widerspruch, sondern gehören in einer modernen Verwaltung eng zusammen", erklärt Bundesinnenminister Horst Seehofer hochoffiziell.

Keine Kompromisse bei der Sicherheit

"Bei der Sicherheit unserer Identitätsdokumente machen wir keine Kompromisse. Das gilt auch für die Passfotos. Mit den neuen Regelungen im Pass- und Ausweisgesetz wollen wir die Fälschungssicherheit weiter erhöhen. Mir ist aber wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sich entscheiden können, ob sie die Passfotos künftig bei der Behörde oder in einem Fotogeschäft anfertigen lassen." Zudem verweist das Innenministerium darauf, dass das Gesetz noch den üblichen Weg gehen muss.

"Zeitnah" stünden die Anhörungen der Betroffenen, darunter natürlich der Centralverband Deutscher Berufsfotografen, an, so ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Fotografen arbeiten an einer Lösung für die sichere Übertragung

Dass der kritische Passus aber rauskommt, scheint sicher. Allerdings könne man noch nicht sagen, wie ein neuer Entwurf aussehe. Sichere Übertragung im Fokus Ein Kernpunkt ist dabei die manipulationssichere Übertragung der biometrischen Passbilder vom Fotografen an die Ausstellungsbehörden. Auf dem Markt existiert dazu bereits eine ganze Reihe höchst unterschiedlicher Möglichkeiten.

"Wir arbeiten zurzeit an einer technischen Lösung für die sichere Übertragung", erklärt Bundesinnungsmeister Hans Starosta. "Wir werden sie Anfang März den Bundestagsabgeordneten vorstellen, die damit befasst sind."

Das biometrische Passbild

Foto: © Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Foto: © Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

In diesem Jahr feiert es seinen zehnten Geburtstag: Seit November 2010 ist es Pflicht, für Ausweise das biometrische Passbild zu ­nutzen. Die gesetzliche Grundlage lieferte das Passgesetz und war schon fünf Jahre zuvor mit der Umstellung auf den biometrischen und elektronischen Reisepass (auch ePass genannt) erfolgt.

Seitdem findet sich ein RFID-Chip auf dem Pass, auf dem biometrische Daten wie auch der Fingerabdruck abgespeichert sind. Die Idee dahinter: Biometrische Passbilder lassen sich automatisch analysieren und müssen dafür ein paar ­Kriterien erfüllen, zum Beispiel:

  • Eine Größe von 3,5 x 4,5 cm
  • Einfarbiger, heller Hintergrund ohne Muster
  • Offene Augen
  • Geschlossener Mund mit neutralem Gesichtsausdruck
  • Kopf immer mittig und gerade ausgerichtet



Durch das sogenannte Morphing lässt sich die Technik austricksen. Fotofälscher setzen ein Gesicht aus mehreren Gesichtern zusammen, bislang sind drei gemorphte und damit gefälschte Pässe aufgetaucht. Deshalb hatte der Entwurf die bisherige Praxis bei der Fotoabgabe für neue Pässe geändert.

Bislang konnten Bürger die Fotos selbst machen und per Passfoto-Generator erstellen lassen, auf Fotokabinen zurückgreifen oder zu einem professionellen Fotografen gehen. Anlass für die Neuregelung waren übrigens die generellen Bestrebungen auch auf europäischer Ebene, die Sicherheit zu erhöhen.

Text: / handwerksblatt.de

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