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Der maßgeschneiderte Kreditzins

Unternehmer können mit ihrer Hausbank einen individuellen Zinssatz für ihr Darlehen vereinbaren. Wir erklären, wie das geht.

Foto: © VIKTOR Zadorozhniy/123RF.com

Kredite sind im Moment günstig und die Konjunktur im Handwerk brummt. Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen und einen persönlichen Kreditzins festlegen, um auch mittelfristig davon zu profitieren? Die Grundidee ist denkbar einfach: Unternehmer und Hausbank vereinbaren einen individuellen Kreditzinssatz. Dabei stellen die Kreditwürdigkeit einerseits und die Besicherung andererseits die wesentlichen Faktoren für die Höhe dieses Zinssatzes dar, der im Ergebnis das jeweilige Ausfallrisiko des Kredites widerspiegeln soll.

Das Prinzip des "kundenindividuellen Zinssatzes" wurde ursprünglich vor allem von öffentlichen Kreditgebern angewandt, es wird Unternehmer aber in Zeiten von Basel III auch künftig bei Krediten ihrer Hausbanken begleiten. Es ist daher sinnvoll, sich mit den Details einmal näher zu befassen.

Ermittlung der Bonität: Zunächst prüft die Bank die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens vor allem anhand der Unterlagen zur Vermögens- und Ertragslage. Dazu gehören in der Regel aktuelle Jahres- oder Zwischenabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) bzw. Einnahme-Überschuss-Rechnungen.

Dazu kommen weitere Faktoren, die nach Einschätzung des Geldinstitutes die Zukunftsaussichten des Unternehmens beeinflussen. Diese Bonitätsermittlung erfolgt auf der Basis meist komplexer Ratingverfahren oder anderer Bewertungsmodelle, die selbst von Bankmitarbeitern nicht immer leicht zu durchschauen sind.

Basel III beachten

Für Unternehmer ist es daher wichtig, bereits an dieser "Stellschraube" zu hinterfragen, welche Faktoren mit welcher Quote im Ratingverfahren berücksichtigt werden. Dabei reicht es hier keineswegs aus, dass die Bank beispielsweise nur auf die große Bedeutung eines angemessenen Eigenkapitals eingeht.

Foto: © adamgregor/123RF.com Wichtig sind darüber hinaus auch weitere Punkte, die Kreditnehmer idealerweise beeinflussen können. Hier dürften künftig vor allem die unternehmerischen Fähigkeiten des Inhabers zur strategischen Führung seines Betriebes und zur Führung seiner Mitarbeiter zunehmen.

Allerdings darf man die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen als nach wie vor wesentliche Kriterien der Bonitätsprüfung naturgemäß nicht unterschätzen. Unternehmer sollten auch ihren Steuer- bzw. Finanzberater bitten, sich mit dieser Problematik näher zu befassen und das erforderliche Zahlenmaterial nicht nur zeitgerecht aufzubereiten, sondern sich ebenfalls mit dem Thema Basel III auseinanderzusetzen.

Bonitätsklassen festlegen

Steht das Ergebnis der Bonitätsprüfung fest, ordnet die Bank das Unternehmen in Bonitätsklassen ein. Diese können sich je nach Institut zum Beispiel am Schulnotensystem von 1 bis 6 mit den Qualifikationsmerkmalen "ausgezeichnet" bis "gerade noch (oder nicht mehr) ausreichend" orientieren.

Nach diesem Beispiel beträgt die Risikoeinschätzung bei der Note 1 bei "niedrig" und die Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit bei zum Beispiel unter 0,10 Prozent. Bei einer Bonitätsnote von 6 hat es die Bank dagegen mit einer "hohen" Risikoeinschätzung und einer Ein-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von etwa beispielsweise 5 bis 10 Prozent zu tun. Gilt der Betrieb als bonitätsmäßig befriedigend, erhält er bankintern folgerichtig die Bonitätsklasse 3. Damit ist der erste Schritt zum späteren Kreditzinssatz erfolgt.

Text: / handwerksblatt.de

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