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OECD: Lehre und Meister machen sich bezahlt

Der neueste OECD-Bildungsbericht gibt der deutschen Berufsbildung gute Noten. Das Handwerk fordert weiterhin, die berufliche mit der akademischen Bildung gleichzustellen – besonders finanziell.

Den Meister zu machen zahlt sich aus Foto: © Andreas Buck
Den Meister zu machen zahlt sich aus

Die Zugangsquoten zum Tertiärbereich steigen derzeit an; deutlich mehr als die Hälfte aller jungen Erwachsenen nimmt ein Hochschulstudium auf. Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen in Deutschland einen sichereren Weg in die Beschäftigung. Dies sind zentrale Aussagen aus der Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (englisch abgekürzt OECD) "Bildung auf einen Blick 2018: OECD-Indikatoren".

Der Trend zur höheren Bildung setzt sich in Deutschland weiter fort. Die Hälfte der jungen Erwachsenen (53 Prozent) werde im Verlauf ihres Lebens voraussichtlich ein Studium im Tertiärbereich aufnehmen. Dies entspreche nahezu dem OECD-Durchschnitt von 58 Prozent. Der Anteil junger Erwachsener zwischen 25 und 34 Jahren mit Tertiärabschluss sei in Deutschland stetig gestiegen – von 23 Prozent im Jahr 2007 auf 31 Prozent im Jahr 2017.

Mit einem Berufsabschluss in der Tasche sehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut aus. Die Beschäftigungsquoten 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Sekundarbereich II oder im postsekundären nichttertiären Bereich – meistens Absolventen einer Berufsausbildung – sind den OECD-Bildungsforschern zufolge zwischen 2007 und 2017 von 77 auf 83 Prozent gestiegen. Damit liegen sie nicht nur über dem OECD-Durchschnitt von 77 Prozent, sondern seien auch fast genauso hoch wie die Beschäftigungsquoten junger Erwachsener mit Tertiärabschluss (87 Prozent).

Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern wählen Studierende in Deutschland längere Studiengänge. Weniger als ein Prozent der jungen Erwachsenen haben einen Kurzstudiengang im Tertiärbereich absolviert (OECD-Durchschnitt: sieben Prozent). Die meisten jungen Erwachsenen haben mindestens den ersten akademischen Abschluss erworben – 17 Prozent der jungen Erwachsenen können sich Bachelor nennen. 14 Prozent haben einen Master-Abschluss, ein Prozent hat promoviert.

Während die Quote der Master und Doktoren mit den OECD-Durchschnittswerten vergleichbar sei, hinke Deutschland beim Bachelor-Abschluss hinterher (OECD-Durchschnitt: 23 Prozent). Die Bildungsforscher führen dies auf das leistungsstarke Berufsbildungssystem zurück, das eine Alternative zu akademischen Abschlüssen darstelle.

Hoher Abschluss, gutes Gehalt

Qualifizierung macht sich bezahlt sich. In Deutschland verdienen Erwachsene, die einen kurzen tertiären Bildungsgang absolviert haben (Ausbildung zum Handwerksmeister mit kurzer Ausbildungsdauer), laut der OECD-Bildungsstudie 51 Prozent mehr als Personen mit einem Abschluss im Sekundarbereich II. Personen mit Bachelor oder gleichwertigem Abschluss (z.B. einer abgeschlossenen Meister- oder Technikerausbildung mit langer Ausbildungsdauer) verdienen 65 Prozent mehr, Personen mit Master bzw. Promotion oder gleichwertigem Abschluss 83 Prozent mehr.

Positiv heben die Bildungsforscher hervor, dass vergleichsweise wenige junge Menschen im Alter von 18 bis 24 in Deutschland weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung sind. Ihr Anteil liegt bei 9,5 Prozent. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 14,5 Prozent.

Image des Handwerks weiter verbessern

Dass die OECD-Forscher der beruflichen Bildung erneut einen hohen Stellenwert für das gesamte deutsche Bildungssystem bescheinigen, würdigt Holger Schwannecke als "einen wichtigen Schritt hin zu mehr Wertschätzung für die berufliche Bildung in unserer Gesellschaft". Berufliche und akademische Ausbildung seien gleichermaßen Wege in ein später erfolgreiches und erfülltes Berufsleben. "Solange aber viele Eltern enttäuscht sind, wenn ihre Kinder kein Abitur machen und nicht studieren, so lange müssen wir weiter daran arbeiten, dass sich gerade derzeit der Weg ins Handwerk lohnt und sich dort viel erreichen und viel gestalten lässt", so der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Master und Meister gleichermaßen fördern

Die Autoren des OECD-Berichtes kritisieren allerdings noch immer, dass Deutschland zu wenig Absolventen im Tertiärbereich habe. Dazu zählen neben Abgängern der Hochschulen, Berufsakademien, Fachakademien bzw. Fachschulen auch gleichwertig Qualifizierte der Höheren Berufsbildung wie Meister und Techniker. "Damit bestätigt die OECD, wie wichtig die Bemühungen des deutschen Handwerks um einen Berufsbildungspakt sind." Dieser müsse jetzt endlich mit Inhalt gefüllt und die Höhere Berufsbildung gleichwertig finanziell unterstützt werden. "Es kann nicht angehen, dass immer nur die Akademisierung in der Gesellschaft gefordert und gefördert wird."

Text: / handwerksblatt.de

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